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Gestorben Gerd Müller, 75

aus DER SPIEGEL 34/2021
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Er war ein Phänomen. Er traf mit dem Po, mit dem Bauch, mit der Hüfte, es gab nichts, womit er keine Tore machen konnte. Gerd Müller traf, wie und wann er wollte: im Sitzen, im Liegen, ganz egal. Hauptsache, der Ball war drin. Sagenhafte 365 Treffer standen am Ende seiner Bundesliga-Karriere, das ist bis heute unerreicht. Sein Leben war der FC Bayern München: 1964 kam er als 18-Jähriger, er blieb bis 1979, machte den Klub mit seinen Toren groß, erlebte vier Meisterschaften und vier Pokalsiege, dazu drei Europapokalsiege der Landesmeister. Siebenmal war er Torschützenkönig in der Bundesliga. In der Nationalmannschaft traf er 68-mal, es dauerte 40 Jahre, bis Miroslav Klose diese Marke als bislang Einziger beim DFB übertraf. Sein berühmtestes und wichtigstes Tor erzielte Müller ausgerechnet in seinem letzten Länderspiel, es war der Siegtreffer zum 2:1 im WM-Finale 1974 gegen die Niederlande. Mit erst 28 Jahren, im besten Stürmeralter also, beendete er danach seine Nationalmannschaftskarriere. Gerd Müller war ein Superstar auf dem Fußballfeld, der größte Torjäger, den es in Deutschland bislang gegeben hat. Mit dem Leben außerhalb des Platzes kam er dagegen weniger zurecht: Nach dem Ende seiner Karriere, die er in der US-Profiliga bei Fort Lauderdale abschloss, wurde er alkoholkrank. Erst als er beim FC Bayern einen Job als Assistenztrainer bekam, fand er wieder in die Spur zurück. Er war wieder in seiner Welt. Seine letzten Jahre waren geprägt von der Alzheimerkrankheit. An ihren Folgen starb Gerd Müller am 15. August in Wolfratshausen bei München.

aha
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