Fortuna Düsseldorf trauert um Gerd Zimmermann Keiner schoss härter

Vor seinen Fernschüssen fürchtete sich die halbe Bundesliga: Gerd Zimmermann hat die große Zeit von Fortuna Düsseldorf mitgeprägt. Im Alter von 72 Jahren ist er jetzt gestorben.
Gerd Zimmermann, genannt Zimbo

Gerd Zimmermann, genannt Zimbo

Foto: Liedel / IMAGO / Kicker

Wenn jemand über Gerd Zimmermann redete oder schrieb, dann war das Wort »Flattermann« nicht weit. Der Profi von Fortuna Düsseldorf hatte so etwas wie das Patent auf diese Art von Fernschüssen.

Zimmermann nahm aus 25, 30, 35 Meter Entfernung Maß und hielt einfach drauf Richtung Tor. Mit einer derartigen Härte, dass einmal der damalige HSV-Torwart Rudi Kargus den Ball zwar halten konnte, dieser aber eine solche Wucht hatte, dass Kargus quasi mit dem Ball in den Händen ins Tor flog.

Als die Fortuna 1978 gegen Bayern München eine Sternstunde erwischte und die Bayern-Stars um Paul Breitner und Karl-Heinz Rummenigge 7:1 nach Hause schickte, gehörte auch Zimmermann zu den Hauptpersonen. Beim Stand von 4:1 gab es Elfmeter für die Fortuna, Zimmermann trat gegen den großen Sepp Maier an mit dem Vorhaben: »Jetzt ziehe ich dem Sepp Maier einen Scheitel.« Der Bayern-Torwart rettete sein Haupthaar, gegen den Schuss war er dennoch, fast selbstverständlich, machtlos.

Teil einer legendären Elf

Der Spruch hat die Zeiten überdauert. Zimmermann ist am Mittwoch im Alter von 72 Jahren gestorben, die Fortuna gedachte seiner bei Twitter mit dem Satz »Der Mann, der einen Scheitel schießen konnte«.

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166 Ligaspiele hat Zimmermann für die Fortuna zwischen 1974 und 1980 absolviert, er erlebte die beste Zeit dieser Mannschaft mit. Die Fortuna in den Siebzigerjahren, das war eine Ansammlung von Klassespielern, Persönlichkeiten, die bis heute das Bild dieses Vereins bestimmen: der elegante Libero Gerd Zewe, der Stürmer Wolfgang Seel, eine Art rheinischer Gerd Müller, die Allofs-Brüder Klaus und Thomas, im Tor Wilfried Woyke, die Mittelfeldachse um Regisseur Dieter Brei und seinen Arbeiter Rudi Bommer, hinten die Aufräumer Heiner Baltes und Egon Köhnen mit dem lichten Scheitel. Als hätte Gerd Zimmermann ihn gezogen.

Zimmermann, genannt Zimbo, war in dieser Mannschaft der nominelle Vorstopper. Wer sich darunter aber einen eisenharten Abwehrspieler vorstellte, der die gegnerische Hälfte nur vom Hörensagen kennt, könnte bei ihm nicht weiter entfernt liegen.

Zimmermann interpretierte seinen Posten auf denkbar modernste Weise. Für ihn war das Spiel nach vorn Teil seiner Abwehrarbeit, in der Saison 1978/1979 erzielte er 13 Saisontreffer, insgesamt waren es für die Fortuna 44 Bundesligatore.

Höhe- und Tiefpunkt in Basel

Elfmeter, bei denen er den Torleuten den Scheitel zog, Flattermänner natürlich, sein Teamkollege Klaus Allofs erzählte mal von einem Bundesligaspiel beim Karlsruher SC: »Ich dachte, Gerd spielt ihn zu mir. Doch der haute aus bestimmt 35 Metern einfach drauf und traf. So etwas hatte ich vorher noch nicht erlebt.«

Gerd Zimmermann grätscht im Pokalfinale 1978 gegen Kölns Dieter Müller

Gerd Zimmermann grätscht im Pokalfinale 1978 gegen Kölns Dieter Müller

Foto: IMAGO / Horstmüller

Den Höhepunkt hatte diese Fortunen-Elf am 16. Mai 1979 im Basler St.-Jakob-Stadion. Düsseldorf hatte es unter dem jungen Trainer Hans-Dieter Tippenhauer bis ins Endspiel des Europapokals der Pokalsieger geschafft, dort wartete der große FC Barcelona. Mit Weltstars wie Johan Neeskens und Hans Krankl.

Was die Krönung in Zimmermanns Karriere hätte werden können, wurde sein Tiefpunkt. Nach 84 Minuten wurde er so rüde gefoult, dass er ausgewechselt werden musste. Die Diagnose: Kreuzbandriss, genauso wie bei seinem Teamkollegen Dieter Brei, der bereits nach 24 Minuten schwer verletzt den Platz verlassen musste. Von draußen mussten sie zusehen, wie Düsseldorf in einem dramatischen Finale 3:4 nach Verlängerung verlor. Die Karrieren beider Spieler bei der Fortuna waren danach so gut wie beendet.

Rehhagel sah keine Verwendung

Zimmermann kämpfte sich in der Folgesaison zwar noch einmal ans Team heran, der neue Trainer Otto Rehhagel sah aber keine Verwendung mehr für den Spieler, strich ihn sogar aus dem Kader. Zimmermann verließ die Fortuna frustriert, spielte noch ein paar Jahre in den USA, kehrte dann nach Deutschland zurück: zu Union Solingen in die 2. Liga. Sicherlich eine Ehre für Union Solingen, aber ein unangemessenes Karriereende für einen, vor dessen Schuss sich noch ein paar Jahre zuvor die halbe Bundesliga gefürchtet hatte.

Am Ende drehte er noch eine Ehrenrunde bei Fortuna Köln mit neun Spielen, bei dem Verein, von dem er zu Fortuna Düsseldorf einst gewechselt war. Gegen eine damalige Rekordablösesumme von 800.000 D-Mark, die die Düsseldorfer der Kölner Fortuna damals überwies. Nie zuvor war in der Liga für einen Abwehrspieler so viel Geld ausgegeben worden.

Deutscher Meister durfte er sich nennen, als junger Spieler bei Borussia Mönchengladbach hatte er den ersten Titelgewinn der Borussia unter Hennes Weisweiler mitgemacht, auch wenn er damals noch kaum zum Einsatz gekommen war.

Formell feierte er damit bei Mönchengladbach den größten Erfolg seiner Laufbahn. Aber Gerd Zimmermann, der Mann, der einen Scheitel schießen konnte, bleibt in alle Ewigkeit ein Düsseldorfer Fortune.