Gescheiterte Vertragsgespräche Ballack attackiert Chelsea-Oligarchen Abramowitsch

Lob für das Team, Breitseite gegen das Management: In einem Interview mit der "Times" hat Michael Ballack über die Gründe für sein Aus bei Chelsea gesprochen. Vereinschef Abramowitsch soll alle Gespräche gestoppt haben, gegen den Willen des Trainers. Nun rechnet Ballack mit Chancen in Deutschland.
Vereinsloser Ballack: Auf der Suche nach einem neuen Arbeitgeber

Vereinsloser Ballack: Auf der Suche nach einem neuen Arbeitgeber

Foto: ddp

Hamburg - Damals, am 16. März, ahnte Michael Ballack wohl noch nicht, wie folgenschwer das Ausscheiden seines Teams im Champions-League-Achtelfinale gegen Inter Mailand sein würde. Doch genau dieses verlorene Duell soll der Auslöser für die gescheiterten Vertragsgespräche zwischen ihm und Chelsea gewesen sein, so Ballack in einem Interview mit der englischen Zeitung "The Times". Nach dem Spiel soll Chelsea-Boss Roman Abramowitsch sämtliche Vertragsgespräche mit Spielern, deren Kontrakte zum Saisonende hin auslaufen, abgebrochen und nie wieder aufgenommen haben.

Chelseas Trainer Carlo Ancelotti soll hingegen vorgeschlagen haben, Ballacks Vertrag mit Priorität zu verlängern. Ancelotti soll dann von Abramowitsch überstimmt worden sein. Ballack war am Mittwoch mitgeteilt worden, dass sein auslaufender Vertrag nicht verlängert wird. Der 33-Jährige erklärte in dem Interview, dass er nicht verstehen könne, warum er gehen muss, da er eine wichtige Rolle beim ersten Double der Vereinsgeschichte gespielt habe.

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DFB-Kapitän Ballack: Verletzt und vertragslos

Foto: Jamie McDonald/ Getty Images

Derzeit ist Ballack verletzt. Der DFB-Kapitän kann bei der WM in Südafrika nicht teilnehmen, weil er durch ein Foul von Kevin-Prince Boateng einen Riss des Innenbandes und einen Teilriss der vorderen Syndesmose des rechten oberen Sprunggelenks erlitt.

Spekulationen über ein vorzeitiges Karriereende dementierte Ballack: "Das ist keine Option für mich. Ich will noch zwei Jahre auf höchstem Niveau spielen, um mit Deutschland bei der EM dabei sein", so Ballack. "Ich habe drei Europameisterschaften und zwei Weltmeisterschaften gespielt, daher weiß ich, wie besonders diese Turniere sind und dass es so nicht enden kann." Ballack sprach davon, mehrere Optionen in seiner Heimat Deutschlands zu haben, einen Wechsel in die USA oder nach Dubai schloss er aus.

Zwar zeigte sich Ballack enttäuscht über die geplatzte Vertragsverlängerung, allerdings bedankte er sich bei Spielern und Fans für die schönen vier Jahre, die er an der Stamford Bridge hatte. "Ich liebe diesen Club. Man hat mir immer das Gefühl gegeben, willkommen zu sein. Im Team gab es eine ganz spezielle Atmosphäre."

Er betonte auch sein gutes Verhältnis zu Coach Ancelotti. "Wir haben sehr gut zusammengearbeitet, und er hat mich als Spieler respektiert." Nun wolle er alles hinter sich lassen und einen neuen Verein suchen, bei dem er seine Karriere fortsetzen könne.

In der britischen Presse wurde unterdessen herbe Kritik an der Entscheidung Chelseas geübt. So empfand beispielsweise "The Independent" Chelseas Umgang mit Ballack und dem englischen Nationalspieler Joe Cole, der am Mittwoch ebenfalls kein neues Vertragsangebot erhalten hatte, als "skrupellos".

jar