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Daum und Magath: Die Abstiegs-Trainer

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Gescheiterter Eintracht-Coach Das System Daum hat abgedankt

Klopp, Tuchel, Slomka - diese Saison war die Erfolgsgeschichte eines modernen neuen Trainertyps. Die Meistertrainer Felix Magath und Christoph Daum wirkten dagegen wie aus einer früheren Epoche. Ihre Methoden sind von der Zeit überholt worden.

Die Saison endete so, wie sie aufhören musste: Durch den Abstieg einer von Christoph Daum trainierten Mannschaft. Diese stilbildende Spielzeit war so eine Art Triumphmarsch für einen neuen Trainertyp. Nie zuvor war eine Spielzeit so von der Moderne geprägt, so von einer neuen Generation - aus Spielern, aber auch aus Trainern. Das System Daum dagegen hat sich gebührend verabschiedet.

Sieben ruhm- und erfolglose Wochen war Christoph Daum bei Eintracht Frankfurt im Amt. Und von Beginn an musste sich der 58-Jährige mit dem Vorwurf auseinandersetzen, es handele sich bei ihm um einen Coach der Vergangenheit, über dessen Methoden die Zeit hinweggegangen ist. Daum hat das wiederholt als persönlichen Angriff, als extrem ungerecht empfunden. Bei seinen Eintracht-Pressekonferenzen hat er viel Zeit darauf verwendet, diesen Vorwurf zurückzuweisen.

Schließlich empfindet er sich immer noch als derjenige, der die Kopfarbeit ins deutsche Trainergeschäft eingeführt hat. Als Gründervater der Motivation, als Erfinder der Kraftquelle Psychologie. All das, wofür die Nachfolger Jürgen Klopp, Thomas Tuchel, Mirko Slomka oder Robin Dutt heute so gelobt werden, ist aus Daums Verständnis von ihm bereits vor 20 Jahren gepredigt worden, so sein Selbstverständnis. "Ich bin der Vorreiter der Tuchel-Generation", hat Daum dem Kölner "Express", seinem Haus- und Hofmedium, gesagt.

Teambuilding hat nichts mit Psychotricks zu tun

Ein fundamentaler Irrtum. Daum mag den deutschen Fußball dereinst tatsächlich um die Komponente des Psychotricks bereichert haben. Aber das ist meilenweit entfernt von dem, was heute in der Liga gelehrt wird. Die Klopps und Tuchels halten sich nicht mit Tricks auf, sie kombinieren Einfühlungsvermögen mit umfassender taktischer Bildung. Das hat nichts mehr mit Daumscher Methodik zu tun, Spieler über Scherben oder glühende Kohlen laufen zu lassen, um ihr Ego zu stärken. Heute wird Teambuilding betrieben, das umfasst auch Kenntnisse über gruppendynamische Prozesse. Vor allem aber heißt es, die eigene Person als Trainer im geeigneten Moment zurückzustellen. Dazu ist Daum in den wenigsten Momenten in der Lage gewesen.

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Bundesliga-Trainer: Tuchel-Generation statt Daum

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Der Fußball hat sich seit Daums großer Zeit Anfang der neunziger Jahre extrem verändert, was die Arbeitsweisen angeht, die Lehrmethoden. Der Eintracht-Coach war mal Trendsetter. Der Trend hat ihn längst überholt, vor Jahren schon. Zuletzt hatte er nur noch ein Retter-Image, der ehemalige Fast-Bundestrainer als Feuerwehrmann. Es ist nichts verheerender für einen Trainer, als ein Retter, der nicht retten kann. Dann bleibt nichts mehr übrig.

Dass am Ende dieser Spielzeit Dortmund, Mainz und Hannover unter den ersten Fünf der Tabelle gelandet sind, hat den Geist dieser Saison auch in den nackten Zahlen festgeschrieben. Die heutigen Coaches müssen wie moderne Manager denken, in flachen Hierarchien, wo Entscheidungsstärke mit kommunikativer Führung zusammengehen. Daum, aber auch Wolfsburgs Coach Felix Magath, sind dagegen lediglich der Ansicht, sie dächten wie moderne Manager. Sie sind aber wie große Vorsitzende, die alles bestimmen und vorkauen. Die ihren Untergebenen bei Strafe verbieten, das Wort Abstieg in den Mund zu nehmen und umfassende Bußkataloge für ihre Profis auferlegen, wenn sie einmal fünf Minuten zu spät zum Training erscheinen. Ein gestriges Denken, das von der Tabelle bestraft wird.

Klopp behandelt sein Team als Kollektiv mündiger Profis

Man stelle sich einen Trainer Christoph Daum oder Felix Magath beim Gegner der Eintracht vom Samstag, bei Borussia Dortmund, vor. Der Deutsche Meister ist ein Team von spielintelligenten mündigen Sportlern, das den Anspruch erhebt, als erwachsenes Kollektiv ernst genommen zu werden. Moderne Fußballprofis, vertraut mit den Mechanismen der Branche, mit Medienumgang aufgewachsen, gebaut nach dem Muster der Nationalmannschaft unter Joachim Löw.

Die 21-Jährigen von heute lassen sich nicht mehr abspeisen mit gemeinsamem Fingerschnipsen oder Steinadlern in der Umkleidekabine, wie es Klaus Toppmöller, auch so einer aus der Pionierzeit der Motivation, dereinst bei der Eintracht als Psycho-Kick probierte. Die Profis von heute brauchen auch keinen Tritt in den Allerwertesten mehr, um Höchstleistungen zu bringen, auch wenn Magath immer noch glaubt, Spieler wie kleine Kinder behandeln zu müssen.

Die jungen Leistungsträger der Fußball-Bundesliga, ob sie Mats Hummels, Manuel Neuer oder Thomas Müller heißen, verlangen nach Ansprache, nach Führung im besten Sinne, sie sind leitende Angestellte auf dem Platz, keine grünen Jungs, die man mit Hokuspokus noch beeindrucken kann.

Daum hat das schmerzlich erfahren. Daraus lernen muss er erst noch. Als der Abstieg am späten Samstagnachmittag feststand und der Trainer im Fernsehen danach gefragt wurde, wo denn seine berühmten Motivationsfähigkeiten geblieben seien, antwortete der Coach, Motivation mache ja nur einen kleinen Teil der Leistung aus, höchstens zehn bis 20 Prozent.

Ein Motivator, der sagt, Motivation sei unwichtig. Das ist die bedingungslose Kapitulation.