Gesperrte Flughäfen Bundesliga lacht über Vulkanausbruch

Der Bundesligaprofi ist es gewohnt zu fliegen. Bahnfahren? Längere Strecken mit dem Bus? Ungern. Der Vulkanausbruch auf Island wirbelt einigen Vereinen nun ihre Reiseplanung durcheinander. Den Humor aber nimmt die Aschewolke ihnen nicht.
Von Frieder Schilling
Informationstafel am Flughafen Köln/Bonn: Keine Flüge für Bundesligaprofis

Informationstafel am Flughafen Köln/Bonn: Keine Flüge für Bundesligaprofis

Foto: Jörg Carstensen/ dpa

Im karnevalserprobten Mainz lässt man sich die Laune nicht verderben: "Hamburg meine Perle, Guten Tag", meldet sich der Pressesprecher des FSV Mainz 05 in Anspielung auf das beim HSV vor jeder Partie von Lotto King Karl gespielte Stadionlied. Auch die Frage muss nicht mehr gestellt werden, Tobias Sparwasser ahnt sie bereits und teilt SPIEGEL ONLINE mit: "Wir werden nicht nach Hamburg reisen, somit nicht antreten, wollen dem HSV die Punkte lassen."

Er vermutet noch kurz eine folgende Strafversetzung in die Bezirksklasse - und wird dann ernst: "Unser Teammanager hat Zugtickets geblockt, wir fahren heute Nachmittag gemütlich mit der Bahn nach Hamburg." Alle FSV-Fans müssen sich also keine Sorgen machen, Mainz wird am Samstag (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) zum Bundesligaspiel in der Hamburger Arena antreten.

Die Aschewolke nach dem Vulkanausbruch in Island und die damit verbundene Schließung vieler deutscher Flughäfen wirbelt also auch die Reisepläne in der Bundesliga durcheinander. Manche Vereine haben Glück, ihnen hilft der Spielplan: Mönchengladbach wird die rund 80 Kilometer nach Gelsenkirchen locker mit dem Mannschaftsbus zurücklegen können, auch die knapp 200 Kilometer von Wolfsburg nach Bremen sind auf Rädern zu schaffen.

Hannover 96 aber, am Samstag zu Gast bei Bayern München, musste umdisponieren, ein Flug zum Spitzenreiter ist unmöglich. "Wir fahren heute Nachmittag mit dem Zug", sagt Pressesprecher Andreas Kuhnt SPIEGEL ONLINE. "Unklar ist, wie wir zurückkommen." Eigentlich ist geplant, direkt nach dem Spiel zurück nach Hannover zu fliegen, so gegen 21 Uhr abzureisen. Sollte die Option Flug dann immer noch ausfallen, "steht uns natürlich auch der Bus zur Verfügung", sagt Kuhnt. "Aber ob man nach dem Spiel auf so eine lange Busreise Lust hat? Und für eine Reise mit dem Zug könnte es dann möglicherweise schon zu spät sein." Der Club beschäftigt sich dementsprechend auch mit der Möglichkeit, eine zweite Nacht in München zu verbringen.

Hertha hat den passenden Hauptsponsor

Auch die Hertha aus Berlin, am Sonntag um 17.30 Uhr in der Frankfurter Arena erwartet, hat schon umgebucht. Geplant war eigentlich, am Samstag um 16 Uhr nach Frankfurt zu fliegen, nun wird die Mannschaft auf die Schiene umsteigen. "Wir wollen nicht ständig nachfragen, ob wir jetzt fliegen können oder nicht. In dieser Lage ist die Zugreise die bessere Alternative", sagte Peter Bohmbach von Hertha BSC. Auch die Rückreise wird wohl mit dem Zug in Angriff genommen. Eine kurzfristige Platzreservierung im ICE sollte kein Problem sein, schließlich ist die Deutsche Bahn Hauptsponsor des Tabellenletzten.

Abreisen aus Frankfurt will Zweitligist FSV, am Samstag um 13 Uhr zu Gast in Rostock. Ursprünglich wollte das Team nach Hamburg fliegen, von dort mit dem Bus weiterfahren, am Freitagmorgen aber traf man die Entscheidung, auf die Bahn umzusteigen. Um den Komfort auf der Reise zum wichtigen Spiel im Abstiegskampf aber muss sich keiner Sorgen machen: "Trotz der dadurch verlängerten Anfahrtszeit werden wir den Profis bestmögliche Reisebedingungen bieten", sagt Team-Manager Mikayil Kabaca.

Ein Bundesligaspiel für einen kurzen Blick aufs Flugticket bietet unterdessen der 1. FC Köln den festsitzenden Passagiere am Flughafen Köln/Bonn. Alle Fluggäste, die wegen des eingestellten Flugbetriebes die Stadt nicht verlassen können , erhalten gegen Vorlage ihres Tickets eine Eintrittskarte zur Partie gegen den VfL Bochum am Freitagabend (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE).

2000 Kilometer mit dem Bus

Während in Deutschland also einige Profiteams nur längere Anreisezeiten in Kauf nehmen müssen, droht aufgrund des Ausfalls sämtlicher Flugverbindungen in Norwegen der Ausfall diverser Partien der ersten und zweiten Liga. "Wir bitten alle Clubs, Alternativen zum Fliegen zu finden und alles zu geben, damit wir keine Absagen haben werden. Im Süden ist das kein Problem, aber im Norden kann es schwierig werden", sagte Dag Vestlund vom Norwegischen Fußball-Verband NFF.

Manche Vereine hat die Staubwolke schon im Laufe der Woche Unannehmlichkeiten beschert. So musste das Team von Tromsö IL nach dem 1:1 bei Viking Stavanger am Mittwoch die 2000 Kilometer lange Heimreise mit dem Bus antreten. "Das ist die wohl längste Auswärtstour, die ich je mitgemacht habe", sagte Abwehrspieler Hans Age Yndestad.

In Norwegen sitzt auch ein Eishockey-Profi der Hannover Scorpions fest. Wenige Tage vor dem Start des Playoff-Finales um die deutsche Eishockey-Meisterschaft kann Tore Vikingstad nicht abreisen. Der Stürmer soll aber in jedem Fall am Samstag nach Hannover zurückkehren. "Wenn weiter keine Flüge gehen, wovon wir ausgehen, holt ihn am Samstag ein Mitarbeiter von uns in Dänemark mit dem Auto ab", sagte eine Sprecherin des Vereins. Nach dem Finaleinzug Hannovers am Dienstagabend gegen den ERC Ingolstadt hatte Trainer Hans Zach seinen Spielern zwei freie Tage gewährt. Dies hatte Vikingstad zu einem Kurz-Trip mit seiner Familie nach Stavanger genutzt.

Die komplett Mannschaft zusammen haben die gerade noch rechtzeitig am Donnerstag abgeflogenen Basketballer von Alba Berlin, die am Wochenende im spanischen Vitoria das Final-Four-Turnier um den Eurocup bestreiten. Und doch könnten die Flugausfälle sie hart treffen: Mehrere hundert Fans sitzen in Berlin fest, es droht eine leere Fankurve. Das wäre nicht witzig.

Mit Material von dpa und sid
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