Gesperrter Müller Deutschlands tragischer Held

Kurz nachdem er die deutsche Nationalmannschaft gegen Argentinien in Führung gebracht hatte, musste Stürmer Thomas Müller einen herben Rückschlag hinnehmen. Durch die Gelbe Karte ist der Angreifer im Halbfinale gesperrt. Der 20-Jährige gab sich zunächst zerknirscht - und dann humorvoll.
Gesperrter DFB-Angreifer Müller: "Auf Kollegen hoffen"

Gesperrter DFB-Angreifer Müller: "Auf Kollegen hoffen"

Foto: Gero Breloer/ AP

Hamburg - Ein paar Sekunden brauchte Thomas Müller, um es zu begreifen: Der usbekische Schiedsrichter Rawschan Irmatow zeigte ihm in der 36. Minute die Gelbe Karte. Müller hatte bei einem Zweikampf mit Lionel Messi am eigenen Strafraum den Ball an die Hand bekommen, der Referee unterstellte ihm dabei Absicht. Eine strittige Situation.

Als Müller seine Verwarnung bemerkte, guckte er zunächst ungläubig, raufte sich dann die Haare und stützte sich kurze Zeit später auf seine Knie. Dem 20-Jährigen war die Enttäuschung deutlich anzusehen. Der 4:0 (1:0)-Sieg der deutschen Nationalmannschaft gegen Argentinien war furios, bekam aber durch die Verwarnung einen bitteren Beigeschmack: Müller, Torschütze zum 1:0 und Shootingstar des DFB-Teams, ist nach der Gelben Karte für das Halbfinale am Mittwoch gegen Spanien (20.30 Uhr Liveticker SPIEGEL ONLINE) gesperrt.

Während die meisten deutschen Spieler Müller bei seiner Auswechslung in der 84. Minute umarmten und gut zuredeten, gab sich der Münchner kurz nach dem Spiel wieder gewohnt locker: "Wenn ich Torschützenkönig werden will, muss ich jetzt auf meine Kollegen hoffen. Vielleicht machen sie im Halbfinale alles richtig, dann kann ich im Finale nochmal treffen", sagte der Stürmer. Joachim Löw konnte über die Sperre nicht so recht lachen: "Der Ausfall wiegt schwer. Das Handspiel war auch nicht gelbwürdig", sagte der Bundestrainer, der vor allem Müllers Torgefahr vermissen wird. Der Angreifer hat bereits vier Treffer bei der WM in Südafrika erzielt - und liegt damit auf dem geteilten zweiten Rang in der Torschützenliste.

Bei allem Ärger über die Sperre - es hätte schlimmer kommen können

Das deutsche Team hat noch Glück gehabt, nur einen Spieler für das Halbfinale verloren zu haben. Gleich sechs Akteure gingen vorbelastet in die Viertelfinalpartie gegen Argentinien - Cacau fehlte als siebter verwarnter Spieler verletzt. Neben Müller mussten auch Bastian Schweinsteiger, Arne Friedrich, Sami Khedira, Philipp Lahm und Mesut Özil um ihre Semifinalteilnahme bangen. Doch bis auf Müller kamen alle davon - obwohl es angeblich Provokationen der Argentinier gegeben habe, wie Schweinsteiger später berichtete: "Die wollten unbedingt, dass ich eine Gelbe Karte bekomme und fürs Halbfinale gesperrt bin." Eine Gelb-Sperre fürs Finale ist nun nicht mehr möglich: Alle Gelbe Karten aus der Vorrunde und dem Achtelfinale werden gelöscht. Damit will die Fifa verhindern, dass ein Spieler aufgrund einer solchen Sperre das Endspiel verpasst, wie es Michael Ballack bei der WM 2002 passierte.

Für Müller kommt dieser Schutz jedoch zu spät. Für den gesperrten Angreifer ist es der erste Rückschlag bei dieser Weltmeisterschaft. Gegen Argentinien hatte er zunächst nahtlos an seine gute Leistungen aus der Vorrunde und dem Achtelfinale gegen England (4:1) angeknüpft. In der dritten Minute brachte der Stürmer die deutsche Nationalmannschaft mit einem Kopfball in Führung - es war ein historisches Tor, der 200. WM-Endrundentreffer eines deutschen Nationalspielers. Wenig später bereitete er zudem eine Großchance von Miroslav Klose vor. Auch nach seiner Verwarnung hielt er sich nicht zurück, sondern war noch an einigen gefährlichen Aktionen beteiligt.

Im Halbfinale wird Müller nun fehlen, doch ein WM-Spiel wird er wohl noch bestreiten können. Entweder das Spiel um Platz drei oder vielleicht sogar das Finale. Es wäre die Krönung einer unglaublichen Premierensaison für den Münchner: Meisterschaft, Pokalsieg, Champions-League-Finale - und dann, eventuell, das Endspiel der Weltmeisterschaft.

Kein schlechter Start in eine Profikarriere.

Mit Material von sid
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