Gewalt im Fußball Verbände gehen auf Kuschelkurs mit Fans und Polizei

Ein Durchbruch sieht anders aus: Beim Runden Tisch zum Thema Gewalt im Fußball gab es kaum konkrete Ergebnisse. Der DFB kündigte die Einrichtung einer Task Force an und sicherte der Polizei zu, dass der 1. Mai künftig spielfrei sein soll. Zudem soll es nun doch wieder Dialoge mit den Fans geben.

Polizei beim Blocksturm in Hannover: "Dialog mit den Fans der Schlüsselfaktor"
DPA

Polizei beim Blocksturm in Hannover: "Dialog mit den Fans der Schlüsselfaktor"


Hamburg - Die Ergebnisse der Expertenrunde sind überschaubar bis kurios. So kündigten die Verbände nach dem Runden Tisch an, dass es auch im Jahr 2012 am 1. Mai keine Fußballspiele in den deutschen Profiligen geben werde. Darauf verständigten sich die Spitzen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), der Deutschen Fußball Liga (DFL) und des Bundesinnenministeriums im Rahmen des großen Sicherheitsgipfels am Montag in Berlin.

"Wir sind dem Wunsch des Bundesinnenministers nachgekommen. Ich habe die Zusage für den Profifußball gegeben, dass es keine Spiele geben wird", sagte Ligapräsident Reinhard Rauball. Merkwürdig nur, dass für den 1. Mai 2012 ohnehin keine Spiele angesetzt waren. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hob dennoch die Wichtigkeit dieses Schrittes hervor. "Es gibt an diesem Tag eine erhebliche Einsatzkraft der Polizei an anderen Orten. Es ist deswegen eine Übereinkunft, die einen ganz wichtigen Part für die Sicherheit bei Fußballspielen leistet", sagte der CDU-Politiker.

Im Gegenzug wurde die Debatte über eine mögliche Kostenbeteiligung der Fußball-Verbände an den Polizeieinsätzen anlässlich von Fußballspielen vertagt. "Eine Kostenerstattung der Polizeieinsätze ist derzeit nicht angedacht, es ist kein Thema", sagte Rauball: "Ich sage es offen und ehrlich: Wir würden uns auch mit rechtlichen Mitteln dagegen wehren und notfalls bis zum Bundesverfassungsgericht gehen."

Besser spät als nie: Verbände setzen auf Dialog mit den Fans

Einmal mehr wollen die Fußball-Verbände das Problem mit einer Task Force lösen: "Sie muss sich mit den aktuellen Dingen beschäftigen und Lösungsansätze bringen. Schnellschüsse dürfen wir uns dabei aber nicht leisten", so DFB-Präsident Theo Zwanziger vielsagend. Dem Gremium sollen nach Wunsch der beiden Verbände unter anderem Vertreter aus Politik, Justiz, Polizei, den Fußball-Verbänden, der Fanszene sowie der Koordinationsstelle Fanprojekte (Kos) angehören.

Ansonsten einigte sich die Runde, an der kaum Fanvertreter teilnahmen, auf die üblichen Strategien: Die Vereine sollen mehr in die Pflicht genommen, Fanprojekte stärker gefördert werden. Zudem wolle man in Sachen Pyrotechnik hart bleiben und das Thema Legalisierung nicht weiter verfolgen.

Immerhin wurde eine Rückkehr zur Gesprächsbereitschaft angekündigt: "Der Dialog mit den Fans ist ein Schlüsselfaktor, um dem Problem Herr zu werden", sagte Friedrich im Anschluss an die Gesprächsrunde, an der neben den Vertretern von DFB und DFL Kommunale Spitzenverbände sowie der vom DFB mitfinanzierten Kos teilgenommen hatten.

Konkrete neue Ideen wurden dagegen nicht mitgeteilt - weil sowohl Friedrich als auch Zwanziger, zu dem Ergebnis kamen, dass es sich bei den "Problemfans" um eine Zahl im "Promillebereich" handele. Vielmehr wurde das Treffen am Ende zur Evaluierung des bereits seit eineinhalb Jahren bestehenden Zehn-Punkte-Planes für mehr Sicherheit umetikettiert.

mig/sid/dapd

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