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04. Februar 2015, 14:07 Uhr

Fan-Gewalt

NRW startet zentrale Erfassung von Intensivtätern

In Deutschland sollen gewalttätige Fußballfans künftig zentral erfasst werden. Nordrhein-Westfalen realisiert das Konzept als erstes Bundesland. Auch weil die bisherige Methode versagt hat.

Hamburg - Als erstes Bundesland setzt Nordrhein-Westfalen ein bundesweites Programm gegen gewalttätige Fußballfans um. Es sieht vor, "Intensivtäter Gewalt und Sport" zentral zu erfassen. Ein entsprechendes Konzept hatte die Innenministerkonferenz bereits im Dezember beschlossen. Nun stellte es der Innenminister von Nordrhein-Westfalen, Ralf Jäger, am Mittwoch in Düsseldorf vor. "Wir nehmen die Intensivtäter von Krawallen in Manndeckung", sagte er. "Diese Rädelsführer sind das größte Problem, weil sie prügeln und andere zu Gewalt anstiften."

Ein paar wenige Intensivtäter, die andere Anhänger zur Gewalt verführen? Bei Fanvertretern stößt Jäger mit dieser Maßnahme auf wenig Verständnis.

"Wenn Jäger das so gemeint hat, ist das Unsinn", sagt Thomas Weinmann, 53, aus dem Vorstand des Fanprojekts aus Mönchengladbach. Mit dem normalen Fan habe ein gewaltbereiter Fan überhaupt nichts zu tun. "Die kämen nie auf die Idee, uns zu Gewalt anzustiften. Und wir kämen nie darauf mitzumachen."

Eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe hatte das Konzept erarbeitet und der Innenministerkonferenz vorgeschlagen, "länderübergreifend Regelungen zu Organisation, Zuständigkeiten sowie Standards einer zentralisierten und personenorientierten Befassung" mit Intensivtätern zu treffen. Dies geht aus einem vertraulichen Bericht hervor, der SPIEGEL ONLINE vorliegt.

Zentrale Koordinierung in Duisburg

Durch die zentrale Erfassung von Straftaten sollen die Ermittler für jeden Intensivtäter einen Überblick erhalten, wann und wo er bundesweit auffällig geworden ist. Die Ermittlungen gegen die Straftäter können so an ihrem Heimatort gebündelt werden, egal ob sie die Straftaten in Hamburg, Berlin oder München begangen haben. Außerdem sollen die Intensivtäter leichter erfasst und bereits an der Anreise zu Fußballspielen gehindert werden können. "Jeder Gewalttäter muss spüren, dass die Polizei und Justiz ihm bundesweit auf den Füßen steht", sagte Jäger.

Vertreter der Polizei lobten das neue Konzept: "Wir begrüßen den Vorstoß von Nordrhein-Westfalen. Nun sind die anderen Bundesländer aufgefordert, das sinnvolle Konzept möglichst schnell zu übernehmen", sagt der NRW-Landesvorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, Sebastian Fiedler, SPIEGEL ONLINE.

Für Nordrhein-Westfalen wird nun in Duisburg eine Koordinierungsstelle geschaffen, der 16 Schwerpunktbehörden im Land mit ihren Ermittlungen über die 150 geführten Intensivtäter zuarbeiten. Hier sitzt bereits jetzt die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS), sie koordiniert bundesweit die Polizeieinsätze bei Fußballspielen. Bei der ZIS wird auch die Liste "Gewalttäter Sport" verwaltet, auf der gewalttätige Fußballfans bisher gesammelt wurden. Mit teilweise zweifelhaften Methoden.

"Die Liste Gewalttäter Sport wurde unnötig aufgebläht", sagt Thomas Weinmann aus Mönchengladbach. Er kenne Fans, die auf einem Fanmarsch von der Polizei eingekesselt worden seien und erst bei einer Urlaubsreise nach Mallorca vom Grenzbeamten davon erfahren hätten, auf der Liste zu stehen. "Das neue Konzept ist ein Nullstart, weil die Liste 'Gewalt und Sport' nicht mehr brauchbar ist", sagt er.

Das Konzept könnte auch über den Fußball hinaus Auswirkungen haben.

In dem vertraulichen Bericht der Arbeitsgruppe heißt es weiter, dass eine "besondere Kennzeichnung von 'Intensivtätern Gewalt und Sport'" vorgesehen werde. Dabei gelte das Konzept vorranging für gewalttätige Fußballfans, es solle aber auch auf andere Bereiche ausgeweitet werden können.

frz/jdl

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