Fifa-Chef über WM alle zwei Jahre Infantinos nächster fragwürdiger PR-Vorstoß

Der Kampf um die Verkürzung der WM-Intervalle geht weiter: Der unter Druck stehende Fifa-Boss Infantino appelliert nun daran, »die ganze Welt« einzubinden.
Fifa-Boss Infantino mit WM-Pokal

Fifa-Boss Infantino mit WM-Pokal

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ULMER / imago images/ULMER Pressebildagentur

Mit Blick auf die Debatte über eine Fußball-WM im Zwei-Jahres-Rhythmus hat Fifa-Boss Gianni Infantino die Haltung Europas kritisiert. »Wir sehen, dass Fußball sich in eine Richtung entwickelt, wo wenige alles haben und die Mehrheit hat nichts. In Europa findet die WM zweimal pro Woche statt, weil die besten Spieler in Europa spielen«, sagte der Präsident des Fußball-Weltverbandes vor dem Europarat in Straßburg.

Sogar in Europa gebe es ein großes Ungleichgewicht, sagte Infantino weiter. Die große Mehrheit Europas sehe nicht die besten Spieler und nehme nicht an den Top-Wettbewerben teil.

Die Änderung des WM-Rhythmus ist seit Monaten großes Streitthema im Fußball – die Europäische Fußball-Union und die südamerikanische Konföderation Conmebol sind dagegen. Bislang werden die Weltmeisterschaften alle vier Jahre ausgerichtet.

Beide Seiten kämpfen derzeit darum, ihren Standpunkt durchzusetzen. Der Streit um den künftigen WM-Rhythmus ist auch ein Streit der PR-Strategen, die ihr gesamtes Instrumentarium dafür auspacken. Altstars, die für die Fifa werben. Milliardenverdienste, die Infantino in Aussicht stellt.

Uefa-Boss Aleksander Čeferin versucht, sein Produkt Fußball-EM nicht zu entwerten, wenn die WM zu oft stattfindet. Die Topvereine fürchten, dass ihre Spieler zu viele Kräfte in den Turnieren lassen, statt sich im Sommer für die kommende Saison in Liga und Champions League zu regenerieren. Jeder hat seine eigenen Interessen und alle versuchen, sie als Werte des Fußballs zu verkaufen.

Diesen PR-Kampf muss man im Hinterkopf behalten, um die neuen Aussagen Infantinos einordnen zu können. »Wir müssen die gesamte Welt miteinbeziehen«, sagte er nun: »Wir müssen den Afrikanern Hoffnung geben, dass sie nicht über das Mittelmeer kommen müssen, um hier vielleicht ein besseres Leben führen zu können. Wir müssen ihnen Möglichkeiten und Würde geben.«

Hier können Sie die Rede sehen:

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Infantino hat unterdessen auch WM-Gastgeber Katar vor der anhaltenden Kritik vor allem in Sachen Menschenrechte in Schutz genommen. »Ein Wandel erfolgt nicht schnell. In Europa dauerte es Jahrhunderte und Jahrzehnte. Dank der WM und dank des Schlaglichts hat sich das System in Rekordzeit in nur wenigen Jahren entwickelt«, sagte Infantino und ergänzte: »Es muss noch viel getan werden, viel geändert werden. Wir müssen den Druck aufrechterhalten, aber auch anerkennen, dass es Änderungen gab.«

Infantino hatte zuletzt mit seinem ungewöhnlichen Umzug nach Katar für Aufregung gesorgt. Seit Oktober wohne Infantino überwiegend in Doha, schreibt die Schweizer Zeitung »SonntagsBlick«. Dort habe er ein Haus für sich und die Familie gemietet. Zwei seiner vier Töchter, so heißt es weiter, gingen im Emirat zur Schule. Die Fifa hatte dies der Zeitung bestätigt. Ein Sprecher sagte, dass der Präsident weiterhin auch am Hauptsitz in Zürich arbeite und auch nach wie vor in der Schweiz Steuern zahle. Er verbringe die Hälfte seiner Arbeitszeit in Doha.

bka/dpa