Gladbach-Manager Pander "Drei Punkte mehr, und die Welt ist heil"

Fünf Niederlagen in den vergangenen sechs Spielen - Borussia Mönchengladbach steckt in der Krise. Manager Peter Pander räumt im Interview mit SPIEGEL ONLINE zwar Probleme ein, kritisiert aber das Anspruchsdenken rund um den Verein. Trainer Jupp Heynckes nimmt er in Schutz.


SPIEGEL ONLINE: Herr Pander, Ihr Club steckt mitten in einer Negativserie. Müssen Sie den Trainer in Frage stellen?

Peter Pander: Gewisse Dinge kann man erst bewerten, wenn man einen längeren Zeitraum betrachtet. Wir haben erst den 13. Spieltag hinter uns. Jürgen Klinsmann wurde auch schon zum Teufel gewünscht, dann kam nach zwei Jahren diese wunderbare WM. Ich finde es gut, an personellen Konzepten festzuhalten und nicht gleich zu den üblichen Maßnahmen zu greifen.

Gladbach-Manager Pander: "Das ist eine Erfolgsgeschichte"
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Gladbach-Manager Pander: "Das ist eine Erfolgsgeschichte"

SPIEGEL ONLINE: Aber die Situation ist prekär. Wenn Sie Pech haben, steht der Borussia eine Saison im Abstiegskampf bevor. Sollte nicht eine große Mannschaft heranwachsen?

Pander: Wir sind unseren eigenen Ansprüchen bisher nicht gerecht geworden, aber wir haben niemandem hier die Deutsche Meisterschaft oder einen Uefa-Cup-Platz versprochen. Man muss sich mal vorstellen: Wenn wir drei Punkte mehr hätten, würden wir viele der kritischen Artikel gar nicht lesen müssen. Leider wird nur ergebnisorientiert diskutiert. Hat man drei Punkte mehr, ist die Welt plötzlich heil.

SPIEGEL ONLINE: Jenseits aller Ergebnisse ist die fußballerische Leistung aber schon ziemlich dürftig.

Pander: Es gibt eben gewisse Probleme. Der Kader ist durch viele Verletzte enorm durchgerüttelt worden. Wir mussten teilweise mehrere Amateurspieler aufbieten. Das wird alles vergessen. W sind niemals irgendwo auswärts abgeschossen worden, haben in Berlin und in Frankfurt unglücklich verloren, aber das wird nicht bemerkt. Offenbar kann man das nicht erwarten.

SPIEGEL ONLINE: Jupp Heynckes hat viel probiert, oft die Formation verändert, viele Spieler mussten auf den unterschiedlichsten Positionen auflaufen. Überfordert er das Team manchmal?

Pander: Als wir mit einer jungen Mannschaft gegen Wolfsburg gewonnen haben, war alles ganz toll. Als wir dann mit den gleichen jungen Spielern die Auswärtsspiele in Berlin und Frankfurt verloren, war alles negativ. Man muss da schon die Balance halten.

SPIEGEL ONLINE: Die ganze Dimension der Misere lässt sich kaum mit fünf verletzten Defensivspielern erklären. Viele der fußballerischen Probleme wurden aus der vergangenen Saison mitgebracht, und von den Neuzugängen hat sich bisher niemand als durchschlagende Verstärkung präsentiert.

Pander: Wir haben einen Christopher Heimeroth geholt, der hat in Hamburg exzellent gehalten. Wieso sollte er ein Fehleinkauf sein? Michael Delura hatte zunächst gute Spiele, und war in letzter Zeit vielleicht nicht ganz so gut. Sebastian Svärd hat noch gar nicht gespielt, der hat im Moment Muskelprobleme, den kann man gar nicht bewerten. David Degen war lange verletzt, hat gegen Wolfsburg sein erstes Spiel gemacht und direkt getroffen. Und der fünfte ist Federico Insua. Alles Fehleinkäufe? In der Sache kann man das gar nicht bewerten.

SPIEGEL ONLINE: Es ist aber keiner dabei, von dem man sagen kann: Ja, großartiger Spieler, der macht das Team wirklich stärker.

Pander: Insua hat das am Anfang gezeigt, aber er ist dann als neuer Spieler genau wie die Mannschaft in ein Wellental geraten. Was wir sehen ist ein Problem der gesamten Mannschaft. Wenn fünf Abwehrspieler verletzt sind, können wir nicht darüber diskutieren, ob ein Mittelfeldspieler die Ursache ist. Insua hat ein großes Potenzial. Wir haben noch einige Spiele vor uns, da kann er seine Klasse zeigen.

SPIEGEL ONLINE: Wie schon in Wolfsburg scheinen Sie auch in Mönchengladbach den erhofften Schritt ins obere Tabellendritteln nicht hinzubekommen. Gibt es Parallelen?

Pander: Diese Erwartungen haben andere geschürt. Mit Wolfsburg war ich einmal im Uefa-Cup und drei mal im UI-Cup, das ist eine Erfolgsgeschichte und nichts anderes. Bei Borussia Mönchengladbach muss man bedenken, dass der Club, der 1999 mehr oder weniger bankrott war, ein Stadion gebaut und sich in der Bundesliga etabliert hat. Viele unterschätzen, wie viel das wert ist. Man muss nur nach Köln schauen, und sieht wie schnell es auch ständig hoch und runter gehen kann.

SPIEGEL ONLINE: In Köln wird jetzt mehr Geld in die Hand genommen, man ist auch bereit, sich zu verschulden, um den Erfolg zurück zu holen. Ist das eine Strategie, die für Mönchengladbach denkbar ist?

Pander: Nein, hier wird nur das Geld ausgegeben, das zur Verfügung steht. In diesem Punkt ist der Verein geläutert. Unser Konzept ist, junge Spieler heranzuführen. Das lässt sich nicht innerhalb von einem Jahr entwickeln. Und ich bin gerade einmal eineinhalb Jahre hier. Der Verein hat sich mühsam wieder nach oben kämpfen müssen. Wir stehen mitten im Leben und wollen im nächsten Jahr versuchen, dass wir uns in besseren Tabellenregionen wieder finden. Diese Zeit muss man uns geben.

Das Interview führte Daniel Theweleit



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