Gladbachs Remis gegen Bayern Geht doch

So nah dran war noch kein Bundesligist: Mönchengladbach brachte den FC Bayern an den Rand einer Niederlage. Trainer Lucien Favre hat Schwachstellen bei den Münchnern entdeckt. Alles Wichtige zum Top-Spiel.

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Ausgangssituation: Es war das Spitzenspiel der Bundesliga, zumindest theoretisch. Mönchengladbach, vor dem Spieltag Zweiter, empfing den FC Bayern, wie immer: Erster. Manch ein Bundesliga-Kenner dürfte daran gezweifelt haben, ob Gladbach den Bayern ebenbürtig sein würde - zu stark waren die Münchner zuletzt beim heroischen 7:1-Sieg in Rom und dem 6:0 gegen Bremen.

Das Ergebnis: 0:0. Gladbach holt einen Punkt gegen den Top-Favoriten, und der kam keinesfalls glücklich zustande. Um es mit den Worten von TV-Kommentator Marcel Reif zu sagen: "Die Bayern haben einen Gegner. Endlich."

Die erste Halbzeit: Die Zweifler durften sich zunächst bestätigt fühlen. Bayern erdrückte die Borussen in den ersten Minuten. Das lag vor allem am Gegenpressing. Immer dann, wenn ein Pass mal nicht ankam, stürzten sich drei, vier Münchner auf den unglücklichen Gladbacher, dem der Ball vor die Füße gesprungen war. So kam Bayern früh zu zwei Chancen, die Thomas Müller (7. Minute) und David Alaba (10./Pfosten) vergaben. Doch Gladbach befreite sich zunehmend von dem Druck und kam noch vor der Pause zu Chancen. Max Kruse (34.) und André Hahn (45.) scheiterten knapp, und beide Gelegenheiten entsprangen demselben Muster: Ballgewinn tief in der eigenen Hälfte, Diagonalball nach außen, hoher Diagonalball nach innen, Abschluss. Dagegen sollte Bayerns Defensive im gesamten Spielverlauf kein Mittel finden.

Gladbachs Flügelstürmer Hahn: "Wie hat Neuer den gehalten?"
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Gladbachs Flügelstürmer Hahn: "Wie hat Neuer den gehalten?"

Die zweite Halbzeit: Begann mit der bis dahin größten Chance des Spiels, doch Manuel Neuer hielt die Bayern mit seiner Parade gegen Hahn im Spiel (52.). Fortan lief die Partie etwa so: Die Gäste haben den Ball, bringen aber nur eher harmlose Schüsse zustande (Götze/65., Bernat/62., 88.). Gladbach verteidigte kompakt und konterte, meist nach dem bewährten Muster. Patrick Herrmann (58.), Álvaro Domínguez (66.) und Raffael (67., 78.) vergaben Gelegenheiten auf die Führung. Der eingewechselte Claudio Pizarro hätte kurz vor Schluss beinahe dafür gesorgt, dass das Spiel den üblichen Ausgang nahm, doch Gladbachs Torwart Yann Sommer sicherte seinem Team den Punkt (90.+3).

Karten des Spiels: Die Bayern waren in der Bundesliga bislang nicht nur die erfolgreichste, sondern auch die fairste Mannschaft. 76-mal hatten sie in den ersten acht Spieltagen zu Fouls gegriffen - 38-mal weniger als das zweitfairste Team. Vier Gelbe Karten hatten die Münchener gesehen. Gegen Gladbach taten die Bayern etwas dafür, sich dem Rest der Liga anzugleichen. Elfmal foulte der Meister, Mario Götze (45.), Dante (48.) und Medhi Benatia (62.) wurden verwarnt. Dass die Münchener zu solch ungewohnten Mitteln greifen mussten, war ein Verdienst der Borussia.

Parade des Spiels: Es lief die 52. Minute. Gladbachs Hahn passte den Ball nach vorne zu Kruse, der einige Meter vordribbelte, dann den durchgestarteten Hahn mit einem hohen Pass bediente. Der bullige Flügelstürmer trat wuchtig nach dem Ball, er traf ihn perfekt. Tor, dachten viele. Doch Nationaltorwart Manuel Neuer tauchte hinab und bekam eine Hand an den Ball. Das sah selbst in der Zeitlupe noch spektakulär aus.

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Serien des Spiels: 15 Pflichtspiele hat Gladbach in dieser Saison bereits absolviert. Kein einziges wurde verloren. Gladbach steht verdient auf Platz zwei. Bis zur Winterpause stehen weitere echte Prüfsteine an: Spiele gegen Hoffenheim, Dortmund, Leverkusen. Andererseits: Schwerer als gegen die Bayern kann es nicht mehr werden. Auch die Münchner sorgten für eine Serie: Seit sieben Bundesligaspielen sind sie ohne Gegentor. Das gab es zuletzt 2011.

Erkenntnis des Spiels: Es war das Spitzenspiel der Bundesliga. Wirklich. Auch wenn es für die Borussia nicht zum Sieg gereicht hat: Man kann dem FC Bayern beikommen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten waren die Gladbacher das gefährlichere Team, sie ließen es mit ihren weiten Diagonalbällen phasenweise leicht aussehen, den Rekordmeister in Bedrängnis zu bringen. BVB-Trainer Jürgen Klopp wird das registriert haben. Der kommende Gegner der Bayern ist: Borussia Dortmund.

Borussia Mönchengladbach - Bayern München 0:0
Mönchengladbach:
Sommer - Korb, Stranzl, Dominguez, Wendt - Kramer, Xhaka - Hahn (81. Johnson), Herrmann (81. Traore) - Max Kruse, Raffael (90. Hazard)
München: Neuer - Rafinha (66. Ribery), Benatia, Dante, Bernat - Lahm, Alonso, Alaba - Thomas Müller (74. Pizarro), Götze (84. Shaqiri) - Lewandowski
Schiedsrichter: Zwayer (Berlin)
Zuschauer: 54.010 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Wendt - Götze, Dante, Benatia

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Teigkonaut 26.10.2014
1. Kompliment
Favre hat seine Mannschaft perfekt eingestellt, die Bayern hatten nur wenige Chancen. In der zweiten Halbzeit hätte die Burussia in Führung gehen können. Benatia hat eher wie ein Ringer als wie ein Fußballer gespielt und Glück gehabt, dass der Schiedsrichter großzügig war.
uliehagen 26.10.2014
2.
Sicher kann man die Bayern besiegen, unbesiegbar sind sie nicht. Das Bayern an der Spitze steht der Liga, liegt nicht nur an ihn, wo sind denn die Mannschaften, die auch den Titel holen wollen? Dortmund ? Leverkusen? Die Bayern sind gut, aber die angeblich anderen Mitfavoriten , sind auch ne riesige Endtäuschung ,bis jetzt.
spiff82 26.10.2014
3. Gute Arbeit von Gladbach
Konterfußball ist immer gefährlicher, aber das haben die Gladbacher eben auch fast perfekt gespielt und legitim ist es sowieso. Am Ende haben sie es sogar das ein oder andere mal ohne Konter gefährlich vors Bayern Tor geschafft. Es braucht halt eine Mannschaft mit der Qualität von Gladbach oder Dortmund. Nur hinten rein stellen reicht bei den meisten Gegnern nicht. Dann kassiert man irgendwann ein Ding. Wenn man aber hinten konzentriert spielt, die entsprechende Klasse hat und dann auch nach vorne mit starken Kräften kontern kann, dann ist Bayern bezwingbar. Ich als Bayern Fan fand dieses Spiel extrem spannend. Leicht war es für uns definitiv nicht aber ich hatte auch nichts anderes erwartet. Nächste Woche wird es ähnlich laufen. Trotz der desolaten Leistung des BVB in der Liga dürfte die Motivation gegen Bayern entsprechendes bewirken. Man kann nicht immer hoch überlegen gewinnen. Respekt vor der Leistung der Gladbacher. Gegen solch einen Gegner brauchst du ein frühes Tor. Dann kann es anders laufen. Wenn du aber zur Halbzeit noch nicht führen kannst, weil hinten ständig dicht ist, dann wirds auch den Rest des Spieles schwer. Und wenn du Pech hast, fängst du dir einen dieser brandgefährlichen Konter... Mit Gladbach ist es wenigstens ein Club den ich recht gern mag :)
FrankDr 26.10.2014
4. Gladbach
Auch wir Bayernfans freuen uns auf Spiele bei denen der Gegner gewinnen will und mitspielt. Das ist in der Bundesliga ja quasi gar nicht mehr der Fall. Umso schöner, dass es die Gladbacher waren. Respekt. Gutes Match abgeliefert. Jedes Team eine Halbzeit gefährlicher, viel Tempo. Toller Fußball
ruphartt 26.10.2014
5.
Ich bin Bayern-Fan und mit dem Ergebnis zufrieden. Prinzipiell wünsche ich mir natürlich das sie gewinnen aber gegen Gladbach hatte ich auf ein unentschieden gehofft. Einfach weil ich den Hut vor der Borussia ziehe. Da wird unaufgeregt und besonnen ein Team aufgebaut. Ohne Zeitdruck. Ein intelligentes Management und ein Toptrainer. An der Borussia aus Gladbach können sich viel Bundeligavereine ein Beispiel nehmen. Ich drücke der Borussia die Daumen das sie ihren weg so weiter gehen kann und wird.
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