Gladbacher Erfolg gegen Dortmund Die bessere Borussia

Gladbach hat das Duell der Borussias gewonnen. Nicht nur auf dem Spielfeld sind die Gastgeber den Dortmundern aktuell um Meilen voraus: Die Gladbacher zeichnet genau das aus, was dem BVB verloren gegangen ist.

Gladbachs Mittelfeldspieler Nordtveit: Sieg gegen den BVB
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Gladbachs Mittelfeldspieler Nordtveit: Sieg gegen den BVB

Von , Mönchengladbach


Als Patrick Hermann in der Nachspielzeit ausgewechselt wurde, erhoben sich die Anhänger von Borussia Mönchengladbach und feierten den Mann, der ihnen einen Moment zum Träumen beschert hatte, mit stehenden Ovationen. Das Dribbling über 55 Meter, mit dem der 24 Jahre alte Offensivspieler Raffaels Treffer zum 2:0 gegen Borussia Dortmund (Endstand: 3:1) vorbereitet hatte, war die Szene der Partie.

"Ein phantastisches Tor, das war ein Top-Konter, ein Dribbling und Schnelligkeit zusammen", schwärmte sein Trainer Lucien Favre, derweil Dortmunds Mittelfeldspieler Sebastian Kehl etwas ratlos konstatierte: "Ich habe versucht, noch ein taktisches Foul zu machen, aber ich kam da nicht mehr hin".

Herrmann war einfach zu schnell unterwegs, "immer wenn die Gegner kamen, habe ich den Ball angeschnipst", sagte er. Der Applaus, den er bei seiner Auswechslung bekam, honorierte allerdings weit mehr als diese Schlüsselszene. Denn Patrick Herrmann ist der Mann der Stunde. Vier Treffer hat er in den vergangenen vier Partien erzielt, hinzu kommen zwei Torvorlagen. "Er hat ein Näschen dafür, einen Lauf anzusetzen", sagte Sportdirektor Max Eberl. Und nicht zuletzt hat Herrmann unter der Woche einen neuen, bis 2019 gültigen Vertrag bei der Borussia unterschrieben. Und das, obwohl diverse andere Spitzenklubs an einer Verpflichtung des begabten Offensivspielers interessiert waren.

Gladbach hat, was dem BVB fehlt: Leichtigkeit und Zuversicht

Gerüchten zufolge zählte auch Dortmund zu den Interessenten, doch der BVB ist für viele aufstrebende Spieler in diesem Frühjahr nicht so attraktiv wie der Konkurrent vom Niederrhein. Herrmann bestätigte, dass er unterschiedlichen Avancen ausgesetzt war, "natürlich gab es Interessenten", sagte er. Die Frage, ob die Dortmunder zu diesen Klubs zählten, beantwortet BVB-Trainer Jürgen Klopp dann aber mit einem knackigen: "Nö".

Der BVB wäre wohl ohnehin chancenlos gewesen. Denn die Gladbacher zeichnet im Moment vieles von dem aus, was den kriselnden Dortmundern in den vergangenen Monaten verloren gegangen ist: Leichtigkeit, Tempo, ein homogener Kader, Selbstvertrauen und ein Blick in die Zukunft, der von Zuversicht geprägt ist.

Zwar haben auch die Dortmunder gar nicht so schlecht gespielt. Sebastian Kehl kritisierte aber, das Team sei "im letzten Drittel nicht torgefährlich genug" gewesen und habe "naive Tore zugelassen". Das erste bereits nach 29 Sekunden. Mats Hummels war bei einem schnellen Doppelpass zwischen Max Kruse und dem hellwachen Herrmann ausgerutscht, Roman Weidenfeller hielt den ersten Schuss, dann staubte Oscar Wendt ab. Es folgte das Raffael-Tor nach Herrmanns Tempodribbling (32.), und nachdem Håvard Nordtveit das 3:0 erzielt hatte (67.), war die Partie entschieden.

"Dann höre ich auf mit Fußball"

Dass in Mönchengladbach derzeit ein Fußballprojekt heimisch ist, das irgendwie spannender ist, als der Dortmunder Versuch, wieder auf die Beine zu kommen, war aber schon vorher klar. Dieser verdiente 3:1-Sieg und Herrmanns Verbleib waren lediglich weitere Kennzeichen dieses Umstands. "Wir sind sehr froh, mit den Vertragsverlängerungen von Granit Xhaka, Martin Stranzl, Thorgan Hazard, Herrmann und der Verpflichtung von Lars Stindl schon einen guten Anfang zur Vorbereitung der neuen Saison geschafft zu haben", sagte Max Eberl.

Dem Dortmunder Kollegen Michael Zorc ist der Gladbacher Sportdirektor damit um Meilen voraus, und das macht Vieles einfacher. "Natürlich wirkt es sich auf die Entscheidungen von anderen Spielern aus, wenn wichtige Leute ihre Verträge hier verlängern", sagte Herrmann. Aber natürlich spielt auch die ganz konkrete sportliche Perspektive eine wichtige Rolle.

Nach zuletzt vier Siegen am Stück, darunter Erfolg beim FC Bayern und nun gegen die Dortmunder, wird es immer wahrscheinlicher, dass eine Entscheidung für Mönchengladbach sehr bald mit Einsätzen in der Champions League belohnt werden wird. Sechs Spieltage vor Saisonende liegen die Gladbacher zwölf Punkte vor dem Tabellenfünften, dem FC Schalke. "Wenn wir das noch verspielen, dann höre ich auf mit Fußball", kündigte Granit Xhaka an. Und am 32. Spieltag kommt Bayer Leverkusen in den Borussia-Park. Dann könnte es zu einem Endspiel um Tabellenplatz drei kommen, der die direkte Teilnahme an der "Königsklasse" garantiert.

Borussia Mönchengladbach - Borussia Dortmund 3:1 (2:0)
1:0 Wendt (1.)
2:0 Raffael (32.)
3:0 Nordtveit (67.)
3:1 Gündogan (77.)
Mönchengladbach: Sommer - Jantschke, Brouwers, Dominguez, Wendt - Nordtveit, Xhaka - Herrmann (90.+3 Dahoud), Johnson (77. Hazard) - Max Kruse, Raffael (89. Hahn)
Dortmund: Weidenfeller - Sokratis, Subotic, Hummels, Schmelzer (70. Dudziak) - Gündogan, Kehl - Blaszczykowski, Kagawa (63. Ramos), Mchitarjan - Aubameyang (77. Immobile)
Schiedsrichter: Manuel Gräfe (Berlin)
Zuschauer: 54.010 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Brouwers (2) -

insgesamt 25 Beiträge
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spon-facebook-10000676057 12.04.2015
1. Ich mach mir die Welt, widewide sie mir gefällt...
Wenn ich Anhänger eines Vereins wäre, der seine sportlich erfolgreichste Zeit durch unseriöses wirtschaften erkauft hat würde ich mich auch in eine Scheinwelt verkriechen. Und ganz nebenbei: 3 BVB Jugendspieler (nach DFB-Statuten) in der erweiterten Startelf: Schmelzer, Durm, Sahin 5 FCB Jugendspieler in der erweiterten Startelf: Badstuber, Alaba, Lahm, Schweinsteiger, Müller FAZIT: BVBs erweiterte Startelf besteht aus mehr gekauften Spielern! 13 BVB direkte Bundesliga-Transferspieler in der erweiterten Startelf: Weidenfeller, Subotic, Hummels, Sokratis, Ginter, Pisczek, Kirch, Großkreutz, Kehl,Bender, Gündogan, Reus, Ramos 7 FCB direkte Bundesliga-Transferspieler in der erweiterten Startelf (wohlwollend mit ablösefreien Spielern): Neuer, Dante, Götze, Rode, Weiser, Pizarro, Lewandowski FAZIT: BVBs erweiterte Startelf besteht aus mehr direkt von anderen Bundesligisten gekauften Spielern!
moe.dahool 12.04.2015
2.
Wahrscheinlich sollte es "ist" und nicht "sei" heißen, 2as widerrum heißt, der BVB tut genau das, was den Bayern so gerne vorgeworfen wird, er schwächt Konkurrenten, in dem er Spieler abwirbt. Dafür haben die Fanboys des BVB bestimmt eine gute Erklärung.
obs 12.04.2015
3. BMG rockt
Favre ist der Wahnsinn, manchmal ein bisschen pedantisch :-), aber ein ansoluter Fachmann und sympatisch. Er hat Marco Reus gross gemacht, und ich hoffe nun Patrick Hermann ist der nächste...
spon-facebook-515787246 12.04.2015
4. *glückwunsch*
Glückwunsch an Borussia Mönchengladbach. Das war ein hervorragend herausgespielter Sieg und die richtige Antwort auf das enttäuschende Pokalaus. In dieser Form muss die Champions-League tatsächlich kein Traum bleiben...
benjorito 12.04.2015
5. Es reicht!
Ein vorweg, ich bin BVB-Fan, seit 20 Jahren Mitglied und Dauerkarteninhaber, und noch nie war ich so stinksauer. Was dieser unfassbar teure Kader inzwischen Woche für Woche sowohl taktisch als auch spielerisch abliefert ist ein Armutszeugnis. Kopfloses Anrennen, gepaart mit haarsträubenden individuellen Fehlern und nicht selten auch offenbar fehlender Motivation, dazu eklatante Abschlussschwäche und wirre Aufstellungen...bis hierhin und nicht weiter. Klopps Verdienste in Ehren, aber niemand will nach den immer gleichen Fehlern die gleichen peinlichen Ausreden hören. Es sind 6 Punkte bis zum Relegationsplatz, für das Wort "Europa" alleine sollte es Geldstrafen im 6-stelligen Bereich hageln. Es muss die Reißleine gezogen und ausgemistet werden, und zwar oben angefangen und solange es überhaupt noch Geld für die Spieler gibt? 40 Mio. für Hummels? Briefmarke drauf und ab.
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