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Gladbacher Manager: Immer im Kampf mit der Krise

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Gladbachs Sportdirektor Eberl Manager Unbeugsam

Am Anfang galt er als Nobody, als Notlösung - aber mit Hartnäckigkeit hat er wichtige Ziele erreicht: Borussia-Manager Max Eberl, erst 37 Jahre alt, hat nach turbulenten Jahren wieder Ruhe in den Verein gebracht. Genauso zäh und besonnen zieht er nun in den Kampf gegen den drohenden Abstieg.
Von Mike Lukanz

Irgendetwas müssen die Lizenzspieler Borussia Mönchengladbachs nicht verstanden haben, als Sportdirektor Max Eberl zum Trainingsauftakt im Sommer davon sprach, den "Weg der kleinen Schritte" weitergehen zu wollen. Gemessen an den Ergebnissen in der noch jungen Bundesligasaison vollzieht die Mannschaft derzeit eher Sprünge denn Schritte - aber auch in die falsche Richtung. 33 Tore fielen in den sieben bisherigen Pflichtspielen der Elf vom Niederrhein, "kleine Schritte" sehen anders aus. In acht Spielen war erst ein Sieg dabei.

Nach der Auswärtsniederlage in Hoffenheim steht das Team auf dem viertletzten Platz in der Tabelle, da wird normalerweise auch die Trainerfrage schon einmal gestellt. Für den Gladbacher Manager jedoch verbieten sich Zweifel an Coach Michael Frontzeck: "Ich bin zu 100 Prozent davon überzeugt, dass wir mit diesem Team unsere Ziele erreichen." Eine Hartnäckigkeit, die den 37-Jährigen schon sein gesamtes Fußballerleben begleitet und ihn dahin gebracht hat, wohin er es als Profi nie schaffte: an die Spitze der Hierarchie.

Dabei schien der Weg zu einer glänzenden Fußballkarriere geebnet. 1989 gewann Eberl zusammen mit Christian Nerlinger und Markus Babbel als B-Jugendlicher des FC Bayern München die Deutsche Meisterschaft, der bis dato erste Jugendtitel für den Verein von der Isar. Sein damaliger Trainer, Rudolf Reupold, erinnert sich: "Max war seinerzeit der erste Spieler, der es beim FC Bayern von der E-Jugend bis zu den Profis schaffte, dazu braucht es verdammt viel Energie."

Verletzungen haben ihn immer gebremst

Eberl gelang zwar wie Nerlinger und Babbel zwei Jahre später der Sprung in Bayerns Profikader, doch zu mehr als einem Kurzeinsatz in der Saison 1991/92 reichte es für ihn im Dress des Rekordmeisters nicht. Es folgten der Wechsel zum VfL Bochum, dazu regelmäßige Einsätze in den Jugend-Nationalmannschaften. Doch Verletzungen warfen ihn in dieser Zeit immer wieder zurück, zwischenzeitlich drohte gar die Sportinvalidität. Mit Ehrgeiz und Willen arbeitete Eberl sich wieder heran, Armin Veh lotste ihn 1997 zum damaligen Zweitligaaufsteiger Greuther Fürth, mit dem er im ersten Jahr sogleich die Klasse hielt.

Dass Borussia Mönchengladbach ihn im Januar 1999 aus Fürth an den Bökelberg holte, bezeichnet Eberl heute noch als "drei Karriereschritte nach vorne." Und: "Es ist rückblickend ein großes Geschenk, mit Borussia noch fünf Jahre in der Bundesliga und der 2. Bundesliga gespielt zu haben." Mit der Zeit war er dankbarer geworden. Seine ehemaligen Mannschaftskameraden aus der B-Jugend Bayern Münchens, Babbel und Nerlinger, sammelten Titel mit großen Clubs und der Nationalmannschaft. Eberl hingegen war zufrieden, auf solidem Niveau Bundesliga zu spielen. Bis er vor sechs Jahren Trikot und Stollenschuhe gegen Sakko und ein eigenes Büro tauschte. Und seine Arbeit im Hintergrund fand mit den Jahren nicht nur in der Branche Anerkennung, sondern auch und vor allem im Verein.

Das war nicht von Anfang an so gewesen: An seinen ersten Auftritt nach der aktiven Karriere kann sich der ehemalige Rechtsverteidiger Eberl noch gut erinnern. Es war 2004, ein Vortrag als neuer Jugendkoordinator vor Trainern und Scouts der Borussia. Seine Stimme war zittrig, er spürte die Skepsis, die im Auditorium herrschte. In einer Pause auf der Herrentoilette wurde das unbehagliche Gefühl dann Gewissheit: Eberl hörte, wie sich zwei Teilnehmer des Vortrags abfällig und skeptisch über die Qualifikationen ihres neuen Vorgesetzten äußerten. "Da musste ich schon schlucken", blickt Eberl heute zurück, "aber ich war überzeugt, dass ich das kann. Also habe ich mich da reingekämpft."

Anfangs galt er als Notlösung

Als Borussia im Herbst 2008 einmal mehr einen neuen Sportdirektor suchte, fiel die Wahl recht schnell auf den seinerzeit erst 35 Jahre alten Eberl. Anfangs galt er unter vielen Journalisten noch als Notlösung, als schwacher Mann neben Trainer Hans Meyer. Schon wieder waren die Zweifler und die Skeptiker da. "Natürlich war es für Borussia ein Risiko, einem vermeintlichen Nobody in dieser Situation die Verantwortung zu übertragen. Aber ich wusste, dass es mit Hans Meyer möglich war, die Wende zu schaffen."

Der Klassenerhalt glückte, Meyer ging am Saisonende. Nun lag es an Eberl alleine, den Verein weiter zu führen, sportlich wie strukturell. Im Sommer 2009 präsentierte man an der Hennes-Weisweiler-Allee eine Philosophie, eine Art Leitfaden für den gesamten Verein. "Es galt, dem Club wieder ein Gesicht zu geben. Ein Trainer sollte sich den Ideen des Vereins anpassen und nicht umgekehrt", so Eberl.

Die Idee zu dieser Philosophie entstand in den Jahren, in denen er im Hintergrund als Jugenddirektor und Teil des sogenannten "Kompetenzteams" arbeitete. Passenderweise lieferte ihm schon sein eigener Arbeitgeber ausreichend Beispiele, wie es nicht geht: Sieben Trainer, drei Sportdirektoren und unzählige Spieler gaben sich am Niederrhein binnen zehn Jahren die Klinke in die Hand. Dass er von den zahlreichen Personalwechseln letztlich sogar profitierte, streitet Eberl gar nicht ab: "Es kann schon sein, dass ich unter normalen Umständen niemals Manager eines Bundesligisten geworden wäre."

Der sportlich turbulente Auftakt in die Saison ist auch an Eberl nicht spurlos vorbeigegangen ("Natürlich schläft man da schlecht"). Statt einer weiteren ruhigen Spielzeit herrscht Unruhe unter den Fans, der Boulevard wetzt schon die Messer. Der 37-Jährige gibt sich gelassen: "Wir werden nicht durchknallen, sondern mit Ruhe und Bedacht weitergehen. Am Ende werden wir dann sehen, was wir erreicht haben." Er weiß aus eigener Erfahrung, dass auch viele kleine Schritte am Ende zum Ziel führen. Wenn man nur hartnäckig genug bleibt.

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