Gladbacher Trainer Schubert Gekommen, um zu bleiben

Borussia Mönchengladbach eilt in der Bundesliga unter André Schubert von Sieg zu Sieg. Der Interimstrainer soll deshalb in der Länderspielpause zum Chefcoach befördert werden. Was macht die einstige Übergangslösung so unersetzlich?
Gladbachs Trainer Schubert: Kurz vor der Beförderung

Gladbachs Trainer Schubert: Kurz vor der Beförderung

Foto: AP/dpa

André Schubert geht mit einer Gesamtbilanz von sieben Siegen, zwei Remis und einer Niederlage in sein vermutlich letztes Spiel als Interimstrainer von Borussia Mönchengladbach. Manager Max Eberl kündigte für die auf das Heimspiel gegen den FC Ingolstadt (15.30 Uhr, High-Liveticker SPIEGEL ONLINE) folgende Länderspielpause ein Gespräch mit Schubert an, und es gilt als ausgemacht, dass der Übergangstrainer zum festen Nachfolger von Lucien Favre befördert wird.

Mit jedem Sieg wurde zuvor der Druck auf den Verein, auf Eberl, größer. Spieler wie Ersatzkapitän Granit Xhaka stellten sich auf Schuberts Seite. Eberl selbst wurde bei jeder Gelegenheit zu einer Beförderung befragt. Und Schubert lieferte die Ergebnisse, die aus der Borussia wieder einen Champions-League-Kandidaten machten. "Wir sehen, was passiert und registrieren das sehr wohlwollend", sagte Eberl im Anschluss an das 1:1 gegen Juventus.

Nach dem zweiten Remis gegen Turin stand für die Gladbacher unterm Strich das vorzeitige Aus in der Königsklasse. Weil in beiden Spielen gegen Juve die Leistungen aber stimmten, war im Borussia-Park kein Frust spürbar. Stattdessen wurde die Mannschaft bejubelt und mit dem Erreichen der Europa League ein neues Ziel ausgegeben - am liebsten mit Schubert als verantwortlichem Trainer.

Schubert änderte wenig - das aber richtig

Als Favre nach der 0:1-Niederlage im 100. rheinischen Derby beim 1. FC Köln zurücktrat, fand der aus der Reserve hochgezogene Schubert eine verunsicherte Mannschaft vor. Gegen den FC war kein Aufbäumen erkennbar gewesen, die Spieler hatten sich nicht gegen die fünfte Niederlage in Folge gewehrt. Und trotzdem änderte der Neue bis zum nächsten Heimspiel gegen den FC Augsburg nur vereinzelte Sachen.

Schubert ließ die Borussia weiterhin im 4-4-2 auflaufen. Die von Favre in Köln erstmals ausprobierte Doppelsechs mit Xhaka und Top-Talent Mahmoud Dahoud begann auch gegen Augsburg. Er setzte unverändert auf den zuvor so verunsicherten Raffael als Sturmspitze. Nach 21 Minuten führten die "Fohlen" dann gegen Augsburg 4:0, am Ende stand ein verdienter 4:2-Erfolg.

Nicht nur gegen den FCA, dessen Coach Markus Weinzierl als Wunschlösung von Eberl galt, verordnete Schubert der Borussia eine etwas passivere Spielweise. Lag der Ballbesitz-Wert unter Favre in den ersten Saisonspielen noch bei durchschnittlich 57 Prozent, so sank die Zahl bei Schubert auf teilweise unter 50 Prozent. Zusätzlich setzte er Lars Stindl als Angreifer neben Raffael ein - bei Favre spielte der Zugang von Hannover 96 im defensiven Mittelfeld oder auf der Außenbahn.

Dem Schweizer wurden nicht nur die Experimente mit Stindl zum Verhängnis. In den fünf Bundesliga-Partien hatte er fünf verschiedene Innenverteidiger-Pärchen sowie vier unterschiedliche Paarungen im defensiven Mittelfeld aufgestellt. Schubert beendete die Testphase und stabilisierte das Zentrum mit Álvaro Dominguez/Andreas Christensen in der Innenverteidigung, mit Xhaka/Dahoud im Mittelfeld und eben Raffael/Stindl im Angriff. In der Bundesliga folgten sechs Siege mit einem Torverhältnis von 21:6.

Die Sache mit der Kommunikation

Um Eberls zögerliche Haltung zu verstehen, ist ein Blick in Schuberts Vita nötig. Der Jahrgangsbeste des Trainerlehrgangs 2004 stieg fünf Jahre später beim SC Paderborn in den Profifußball ein. Mit den Ostwestfalen stieg er in die 2. Bundesliga auf, wechselte 2011 zum FC St. Pauli. Und genau dort begannen die Probleme, die Schubert noch mit sich herumträgt.

In Hamburg spielte der heute 44-Jährige um den Bundesliga-Aufstieg mit - und stand trotzdem kurz vor der Entlassung. Führungsschwäche, mangelhafte Kommunikation, zu hohes Anspruchsdenken, Ungeduld, so wird die Kritik auf St. Pauli in mannschaftsnahen Kreisen noch heute formuliert.

Schubert ging danach als Trainer in den Jugendbereich und will dort in Sachen Mannschaftsführung die entscheidenden Dinge gelernt haben. Das bestätigte der derzeit verletzte André Hahn in der "Sport Bild", Schubert rede "viel mit den Spielern, seine Ansprache ist top". Eberl weiß das und will in dem angekündigten Gespräch dennoch den langfristigen Plan seines Trainers in Erfahrung bringen.

Prominente Vorbilder

Die Beförderung ist trotzdem nur noch Formsache. Und bei der Borussia wird niemand etwas dagegen haben, wenn Schubert in die Fußstapfen berühmter Interimsvorgänger tritt. Bundestrainer Joachim Löw wurde 1996 beim VfB Stuttgart als Co-Trainer von Rolf Fringer nach dessen Entlassung zum Übergangschef bestimmt, startete mit neun Siegen in den ersten elf Partien und gewann später den DFB-Pokal.

Andere Beispiele gefällig? Der junge Christoph Daum sollte den 1. FC Köln 1986 bis zum Ende der Saison führen, blieb nach dem guten Start mit fünf Siegen und zwei Remis aber vier Jahre und etablierte den FC an der Bundesliga-Spitze. Armin Veh wurde beim VfB Stuttgart von Aufsichtsratschef Dieter Hundt gar als "Übergangslösung" bezeichnet, um anderthalb Jahre später Deutscher Meister zu werden.

Auch in Gladbach gab es schon viele große Trainer. Mit Schubert lebt, wenn auch leicht verzögert, die Hoffnung, den nächsten gefunden zu haben.

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