Glückliche Ukraine Ein ganzes Land in Verzückung

Das erste Elfmeterschießen der WM hat ein ganzes Land verzückt. In der Ukraine feierten die Menschen nach dem Sieg ihres Teams über die Schweiz bis tief in die Nacht - obwohl die Leistung dürftig war. Das Team glaubt nun auch an einen Sieg gegen Italien.

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Köln - Andrej Schewtschenko wollte die Arme gar nicht mehr runternehmen, Andrej Woronin umarmte jeden, der ihm in die Quere kam und Trainer Oleg Blochin strahlte fassungslos. Bei ihrer ersten WM-Teilnahme überstand die Ukraine nicht nur die Vorrunde, sondern steht nun in der Runde der letzten acht Teams. "Das ist ein phantastischer Tag für uns und die ganze Nation", sagte Schewtschenko.

Jubelnde Ukrainer: "Das ist ein phantastischer Tag für uns und die ganze Nation"
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Jubelnde Ukrainer: "Das ist ein phantastischer Tag für uns und die ganze Nation"

Vergessen waren die schwachen Auftritte in den ersten Spielen gegen Spanien und Tunesien, vergessen war auch das schwache Achtelfinale, in dem beide Mannschaften wenig Mut zum Risiko zeigten und vorwiegend auf ihre Defensivkünste setzten. Am Ende zählte nur das nackte Ergebnis. Schewtschenko: "Wir haben sehr lange gebangt, aber nun steht da ein wunderschöner Sieg."

In den 120 Minuten hatten die deutschen Zuschauer unter den 45.000 Fans im Kölner Stadion ihrem Ärger über die dürftigen Darbietungen beider Teams mit "Viva Colonia"-Gesängen und "Lukas Podolski"-Sprechchören Luft gemacht. Dramatik kam erst im Elfmeterschießen auf. Ukraines Trainer Oleg Blochin hielt die Nervenbelastung nicht mehr aus und verschwand zwischendurch in der Kabine. "Wir hatten einfach mehr Glück", gestand er hinterher.

Sein Team hatte sich als erstes europäisches Team für die Weltmeisterschaft qualifiziert und überstand zudem als erstes Land aus dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion seit 1986 die Vorrunde. Blochin war als Spieler eine Legende, war 1975 Europas Fußballer des Jahres und gewann mit Dynamo Kiew 1975 und 1986 den Europapokal der Pokalsieger.

Nach zwölf Trainerjahren in Griechenland übernahm er im September 2003 das Nationalteam der Ukraine und löste sein Versprechen, die Mannschaft zur WM zu führen, umgehend ein. Nach dem Fehlstart gegen Spanien (0:4) reichten zwei Erfolge gegen Saudi-Arabien und Tunesien zum Weiterkommen.

Dank des Einzugs in das Viertelfinale füllt sich die Mannschaftskasse des WM-Neulings um 4,5 Millionen Euro. "Wir verstehen selbst noch nicht, was wir da geschafft haben", sagte Bundesliga-Profi Woronin. Bis Freitag haben die Spieler Zeit, das alles zu verarbeiten. Dann können sie ihr Land mit einem Erfolg gegen Italien wieder in Verzückung versetzen.



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