Glücklicher Sieg Marek Heinz rettet die Tschechen

Fast eine Überraschung im Auftaktspiel der Gruppe D. Gegen den Außenseiter aus Lettland taten sich die mitunter als Turnierfavoriten gehandelten Tschechen äußerst schwer. Erst zwei Tore in den letzten 17 Minuten verhinderten eine Blamage gegen die sich tapfer wehrenden Letten. Zur Halbzeit hatten sie noch vorn gelegen.


Luftduell in Aveiro: Torschütze Maris Verpakovskis (r.) setzt sich gegen den Tschechen Rene Bolf durch
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Luftduell in Aveiro: Torschütze Maris Verpakovskis (r.) setzt sich gegen den Tschechen Rene Bolf durch

Aveiro - Tschechien kam im Auftaktspiel von Deutschlands Vorrunden-Gruppe D gegen den EM-Neuling Lettland in Aveiro lediglich zu einem glücklichen 2:1 (1:0)-Sieg. Nachdem der baltische Außenseiter bei seiner EM-Premiere durch Maris Verpakovskis in der Nachspielzeit der ersten Hälfte völlig überraschend in Führung gegangen war, konnten die Tschechen die Partie erst in der Schlussphase durch Treffer von Milan Baros (73.) und Marek Heinz (85.) noch wenden.

"Schwerstes Spiel"

"Es war nicht leicht, dieses Spiel noch umzudrehen", gestand Torschütze Heinz, der in der 56. Minute als dritter Stürmer eingewechselt worden war, "das Tor zum 0:1 hat uns sehr weh getan. Aber ich hatte immer das Gefühl, dass wir dieses Spiel nicht verlieren würden." Der Torschütze zu 1:1, Milan Baros, ergänzte: "Die Letten waren sehr gut in der Abwehr, es war sehr schwer, sie zu schlagen. Das Wichtigste ist, dass wir die drei Punkte haben. Bei einem Unentschieden oder einer Niederlage hätten wir für die nächsten beiden Spiele sehr unter Druck gestanden."

Auch für den Dortmunder Tomas Rosicky ist die Schwerstarbeit mit dem Sieg beim Auftaktspiel erledigt: "Ich denke, das war das schwerste Spiel in unserer Gruppe, denn die Letten haben wie eine Mauer am Strafraum gestanden. Gegen die Niederlande und Deutschland wird es leichter." Auch Tomas Ujfalusi vom Hamburger SV fiel ein Stein vom Herzen: "Die Letten sind stark bei Kontern, das haben sie bewiesen. Gott sei Dank haben wir noch zwei Tore gemacht und sind als Sieger vom Platz gegangen." Trainer Karel Brückner ergänzte: "Wir wussten zur Halbzeit, wir haben noch die zweiten 45 Minuten. Deshalb sind wir trotz des Rückstandes nicht in Panik geraten."

Vor 21.744 Zuschauern im Estadio Municipal in Aveiro musste sich der Favorit Tschechien von Beginn an in Geduld üben. In seinem ersten EM-Endrundenspiel zog sich Lettland mit zwei Viererketten weit in die eigene Hälfte zurück und ließ einen Angriff des Gegners nach dem anderen zu.

Die DFB-Späher Ulli Stielike und Jörg Daniel im Stadion von Aveiro staunten nicht schlecht über die Letten, die sich aber nicht nur aufs Tore verhindern verlegten. Wie schon in der Relegation gegen den WM-Dritten Türkei verhielt sich die Mannschaft von Trainer Aleksandrs Starkovs taktisch diszipliniert. Während die technisch versierten Tschechen lange Zeit vergeblich das Abwehrbollwerk der Balten zu durchbrechen versuchten, lauerten die Letten auf gefährliche Konter.

Erleichterte Tschechen: Marek Jankulovski (l.) und Keral Poborsky feiern mit Torschütze Milan Baros (M.) den Ausgleich
REUTERS

Erleichterte Tschechen: Marek Jankulovski (l.) und Keral Poborsky feiern mit Torschütze Milan Baros (M.) den Ausgleich

Tschechiens Kapitän Pavel Nedved, 2003 Fußballer des Jahres in Europa, kurbelte zwar unermüdlich das Angriffsspiel seines Teams an, doch auf präzise Flanken wartete der lange Dortmunder Jan Koller im Sturmzentrum vergeblich, und auch im Abschluss fehlte es den Tschechen an Genauigkeit.

Konter vor dem Pausenpfiff

Mit zunehmender Spielzeit rannten sich die Tschechen an der dicht gestaffelten Abwehr des Außenseiters fest. Aus einer solchen Situation entstand auch das 1:0 für Lettland. Baros vertändelte den Ball am gegnerischen Strafraum, der schnelle Andrejs Prohorenkovs ließ auf der linken Seite Rene Bolf stehen, und Verpakovskis hatte keine Mühe, die Eingabe seines Mitspielers zu verwerten. HSV-Verteidiger Tomas Ujfalusi leistete sich gegen den gefährlichsten Stürmer der Letten einen eklatanten Stellungsfehler.

In der zweiten Halbzeit warf das tschechische Team alles nach vorn, um einen Fehlstart in die EM zu vermeiden. Zunächst vergaben Baros (64.), Koller (65.) und Nedved (70.), doch nach einer Traumflanke von Rekordnationalspieler Poborsky, der auf der rechten Seite zwei Gegenspieler ausgespielt hatte, machte Baros seinen Fehler vor dem Gegentor wieder wett und erzielte den Ausgleich (73.). Der eingewechselte Heinz, der früher in der Bundesliga für den HSV stürmte, nutzte die drückende Überlegenheit der Tschechen schließlich zum Siegtor (85.).

Lettland Trainer Aleksandrs Starkovs registrierte die knappe Niederlage dennoch mit Stolz: "Wir waren sehr aufgeregt vor unserem ersten Spiel auf so hohem Niveau. Wir hatten ein wenig Angst, nicht mithalten zu können, aber ich bin zufrieden, wie das Spiel gelaufen ist. Wir haben uns gut verkauft gegen einen großen Gegner wie Tschechien. Die Tschechen waren am Ende stärker und sehr gut organisiert. Trotz der Niederlage haben wir Selbstvertrauen für das Spiel gegen Deutschland getankt."

Tschechien - Lettland 2:1 (0:1)
0:1 Verpakovskis (45.+1)
1:1 Baros (73.)
2:1 Heinz (85.)
Tschechien: Cech - Grygera (56. Heinz), Bolf, Ujfalusi, Jankulovski - Poborsky, Rosicky, Galasek (64. Smicer), Nedved - Koller, Baros (87. Jiranek)
Lettland: Kolinko - Isakovs, Zemlinskis, Stepanovs, Blagonadezdins - Bleidelis, Astafjevs, Lobanovs (90. Rimkus), Rubins - Verpakovskis (81. Pahars), Prohorenkovs (72. Laizans)
Schiedsrichter: Gilles Veissiere (Frankreich)
Zuschauer: 21.744
Gelbe Karten: keine



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