Golf-Cup in Katar Ein bisschen Frieden

Seit 2017 haben Saudi-Arabien und andere Golfstaaten eine Blockade gegen Katar verhängt. Doch nun reisen sie zum Golf-Cup in Doha. Ein Zeichen für eine politische Annäherung auf dem Fußballplatz?

Katarische Fans bei einem Spiel der Nationalmannschaft im Oktober
Ibraheem Al Omari/ REUTERS

Katarische Fans bei einem Spiel der Nationalmannschaft im Oktober

Aus Doha berichtet


Streng gucken die Spieler. In schwarzen Hosen und grünen Shirts oder weißen Hemden ziehen sie stumm ihre Rollkoffer durch den Flughafen von Doha. Er wurde für sie abgesperrt. Der Teambus der Fußball-Nationalmannschaft Saudi-Arabiens wartet am Ausgang. Jemand hält ein rotweißes "Welcome to Qatar"-Schild hoch. Die Spieler steigen ein. Abfahrt mit Eskorte.

Es ist eigentlich eine Szene wie bei jeder Ankunft eines Teams am Austragungsort eines Fußballturnier. Doch diese hier ist besonders. Denn es handelt sich um die Anreise Saudi-Arabiens zum Arabien Gulf Cup in Doha, Katar, die man in einem Video sehen kann. Beide Nachbarländer sind seit Jahren verfeindet. Es besteht immer noch eine Blockade Katars durch Saudi-Arabien und andere Golfstaaten. Aber nun scheint sie sich leicht zu lösen - und die ersten Anzeichen dafür werden im Fußball sichtbar.

Handelt es sich um einen diplomatischen Coup?

Der Golf-Cup in Doha begann am Dienstag mit der Partie Katar gegen Irak. Noch Ende Oktober hatten Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Bahrain ihre Teilnahme daran abgesagt. Vor zwei Jahren hatte das Turnier wegen eines Boykotts gegen Katar von dort nach Kuwait verlegt werden müssen.

Katarische Fans
Karim Sahib/ AFP

Katarische Fans

Doch Anfang November sagten die Blockade-Staaten plötzlich zu. Die Hintergründe blieben unklar. Die Arabian Gulf Cup Football Federation (AGCFF) teilte mit, sie "begrüße die Antwort der Föderationen", es sei "ein letzter Versuch gewesen, um die Brüder unter dem Schirm des Turniers wieder zu vereinen." Katars Außenminister Mohammed bin Abdulrahman bin Jassim Al Thani erklärte, es gäbe "Gespräche über den anhaltenden Golf-Disput. Es gibt amerikanische Bemühungen, was Katar begrüßt, um die Einheit des Golf-Kooperationsrats zu wahren und zu dem zurückzukehren, was sie einmal war", sagte er. Lesen Sie, wie der Sport für Katar zum Ersatzspielfeld geworden ist

2017 hatte eine Allianz von Golfstaaten und Ägypten die Blockade gegen Katar verhängt. Alle diplomatischen Beziehungen zu dem Emirat wurden abgebrochen und die Grenzen geschlossen. Begründet wurde das vor allem mit der Unterstützung des Terrors in der Region durch die Al-Thani-Familie. Katars Herrscherhaus pflegt gute Beziehungen zu den Muslimbrüdern. Auch andere radikale Gruppen sollen sie unterstützen, so lautete der Vorwurf. Der Boykott sollte Katar isolieren und schließlich wirtschaftlich in die Knie zwingen. Doch das gelang nicht. Einer Liste mit Forderungen - darunter der Schließung des Nachrichtensenders Al-Jazeera - ist Katar nicht nachgekommen.

Nun sind Saudi-Arabien, die VAE und Bahrain zum Golf-Cup angereist. Ist das als Ende der Blockade zu verstehen?

Die Verschärfung der Irankrise spielt eine Rolle

"Es handelt sich hier mehr als um Symbolpolitik. Es ist ein erstes Zeichen der Annäherung. Faktisch brechen Saudi-Arabien, die VAE und Bahrain ihre eigene Blockade gegen Katar", sagt Stephan Roll, Experte für die Golfregion von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) dem SPIEGEL. "Wie nachhaltig das ist, muss man allerdings noch abwarten."

Roll berichtet, dass es im Hintergrund Verhandlungen zwischen den Konfliktparteien unter Führung Kuwaits gebe. Und er verweist darauf, dass sich die politische Großwetterlage in der Region mit der Verschärfung der Irankrise radikal verändert habe. "Der Game-Changer war der Angriff auf die saudischen Öl-Raffinerie in Abkaik im September, der mutmaßlich von Iran ausging. Riad wurde hierdurch sehr deutlich das Scheitern der eigenen Regionalpolitik vor Augen geführt. Auch in Bezug auf den Umgang mit Katar könnte das ein Umdenken ausgelöst haben", sagt Roll. Die Einigkeit auf der arabischen Halbinsel ist nun wichtiger als zuvor.

Im Januar gewann Katar bei der Asienmeisterschaft in den Vereinigten Arabischen Emiraten den Titel
Roslan Rahman/ AFP

Im Januar gewann Katar bei der Asienmeisterschaft in den Vereinigten Arabischen Emiraten den Titel

Die Blockadestaaten sind jetzt zumindest bereit, für ein Turnier nach Katar zu reisen. Und es ist davon auszugehen, dass sie dort freundlicher empfangen werden, als Katar noch im Januar bei der Asienmeisterschaft in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Damals sangen noch Einheimische und Saudis gemeinsam gegen Katar an. Wer für Katar jubelte, dem drohten Haftstrafen. Als der blockierte Gast dann das Halbfinale gegen die VAE gewann, flogen Schuhe nach den Spielern - ein Zeichen größerer Abneigung gibt es in der arabischen Welt kaum. Katar gewann auch das Finale. Es war der erste große Titel für das Emirat - und politisch ein Desaster für die Blockadestaaten.

Fußball hat auch eine innenpolitische Wirkung

Ob jetzt zum Golf-Cup überhaupt Fans von außerhalb nach Katar anreisen werden, ist ungewiss. Am Flughafen steht zwar das Motto "Everyone is welcome to Doha". Doch Direktflüge gibt es seit der Blockade nicht mehr. Den Nachbarn bleibt nur der Umweg über andere Staaten.

Interesse an solchen Turnieren ist durchaus da. "Fußball ist in der Region mit Abstand der beliebteste Sport", sagt Danyel Reiche dem SPIEGEL. Der Politikwissenschaftler lehrt im Libanon unter anderem zu dem Verhältnis von Sport, Politik und Gesellschaft. Die Region ist sein Spezialgebiet. Reiche glaubt, dass die Motivation der Blockadestaaten, jetzt doch am Golf-Cup teilzunehmen, auch von sportlich strategischer Natur sein könnte.

Katars Mittelfeldspieler Karim Boudiaf während der Asienmeisterschaft in Katar: Für die WM 2022 ist das Land als Ausrichter automatisch qualifiziert.
KArim Sahib/ AFP

Katars Mittelfeldspieler Karim Boudiaf während der Asienmeisterschaft in Katar: Für die WM 2022 ist das Land als Ausrichter automatisch qualifiziert.

Katar ist als Ausrichter automatisch für die WM 2022 qualifiziert. Aber auch Saudi-Arabien und die VAE wollen zum Turnier. "Wenn sich diese Länder qualifizieren, werden die Führungen es ihrer Bevölkerung nicht verkaufen können, aus politischen Gründen nicht teilzunehmen", sagt Reiche. Dafür sei es auch innenpolitisch etwa für den saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman zu wichtig, die junge Bevölkerung bei Laune zu halten. Fußball sei da ein probates Mittel. Für eine wirkliche politische Annäherung sehe er aber keine ernsthaften Anzeichen, so Reiche.

Stephan Roll, der Golf-Experte, sieht das anders. Und er glaubt, dass der Sport durchaus eine Rolle bei der Annäherung der Parteien in der Katar-Krise spielen könnte. Dass sich der Konflikt aber jemals völlig auflösen wird, ob durch Sport als Diplomatie oder durch echte politische Entscheidungen, glaubt Roll nicht. "Dafür ist zu viel Porzellan zerschlagen worden."

Am Montag jedenfalls hält der Spielplan des Golf-Cups eine delikate Ansetzung bereit: Dann treffen Katar und die VAE aufeinander. Erst im Halbfinale könnte es dann zur Begegnung mit Saudi-Arabien kommen.

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