Krisen-Stürmer Gomez und Klose Die italienische Blockade

Mario Gomez und Miroslav Klose: Die beiden deutschen Stürmer machen in Italien derzeit eine schwere Zeit durch. Während Klose dies verschmerzen könnte, ist Gomez gerade dabei, seine Karriere zu verspielen.

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Miroslav Klose und Mario Gomez haben sich in ihrer Karriere oft gegenseitig im Wege gestanden. Klose floh einst beim FC Bayern, weil er gegen den internen Mittelstürmer-Rivalen Gomez keine Chance auf einen Stammplatz mehr hatte. In der Nationalmannschaft dagegen setzte der Bundestrainer über Jahre immer wieder auf Klose. Zum Nachteil von Gomez, der auch deswegen beim DFB nie so recht den Durchbruch geschafft hat

Jetzt spielen beide in Italien und sind dort vereint. Vereint in der Misere.

Klose ist mittlerweile 36 Jahre alt. In diesem Alter haben die meisten anderen Angreifer längst aufgehört. Normalerweise würde kein Mensch an einen 36-Jährigen mehr den Anspruch anlegen, einen Stammplatz in einer internationalen Spitzenmannschaft haben zu müssen. Aber Klose ist anders. Er ist im Sommer noch Weltmeister in Brasilien geworden, er hält sich immer noch für gut genug, bei dem Tabellendritten der Liga, Lazio Rom, in der Startelf zu stehen. Eigentlich könnte er entspannter auf seine Situation reagieren als er es tut.

Bei Gomez sieht das anders aus. Er ist sieben Jahre jünger als Klose, seine Situation hat eine weit größere Dramatik. Im Sommer 2013 ist er von den Bayern zum AC Florenz gewechselt, die Herzen der Tifosi flogen ihm zu, ein Heilsbringer sollte er sein. Der Klub hat mit 15 Millionen Euro Ablöse und vier Millionen Euro Jahresgehalt auch reichlich Geld für ihn ausgegeben. 1969 war der AC zuletzt italienischer Meister, das ist auch für geduldigste Fans zu lange her. Mit Gomez an der Spitze wollte Florenz ganz groß angreifen.

Derbe Kritik von Florenz-Trainer Montella

18 Monate später ist die Gomez-Bilanz so ernüchternd, dass sein Trainer Vincenzo Montella am Wochenende zu einer Wutrede ausholte. Gomez sei "nicht mehr der Spieler, der er war", man habe "mehr von ihm erwartet" und, als dickster Keulenschlag: "Als ich damals verstanden hatte, dass ich nicht mehr in Topform war, bin ich gegangen und habe meine Spielerkarriere beendet."

Gomez-Berater Ulrich Ferber keilte am Dienstag zwar pflichtgemäß zurück, diese Aussagen seien "in keiner Weise nachvollziehbar". Die Zahlen sind allerdings auf Montellas Seite. Gomez hatte in dieser Spielzeit bisher 13 Einsätze, dabei machte er einen Treffer. Der Datenanbieter Opta hat in Gomez' gesamter Florenz-Zeit eine Chancenverwertung von gerade 19 Prozent erhoben, von 16 Großchancen nutzte er drei.

Alle 61 Minuten stand er laut Opta im Abseits, es gibt nur drei Spieler der Serie A, die diesen Wert noch übertreffen. Es geht weiter: Lediglich alle 3,2 Minuten kommt er in der Liga an den Ball, nur der Römer Mattia Destro hat unter den Angreifern hier einen ebenso schlechten Wert aufzuweisen.

Ganz weit weg von der Normalform

Zuletzt verschoss Gomez gegen Parma einen Strafstoß auf eher bemitleidenswerte Art. Am vergangenen Wochenende gegen Palermo schoss Florenz zwar vier Tore, aber Gomez war weit davon entfernt, daran beteiligt zu sein. So weit entfernt wie von der Verfassung, die ihn in der Bundesliga einst 115 Tore hat schießen lassen.

Italien sollte der Neuanfang für Gomez sein, alles sah nach dem richtigen Karriereschritt aus. Nun ist es seine größte Leidenszeit geworden. Als läge ein Fluch auf seinem Wechsel nach Florenz. In der Vorsaison zog er sich schon nach drei Spieltagen einen Innenbandanriss zu, sein Knie entzündete sich, die Genesung zog sich in die Länge, Gomez kündigte regelmäßig sein Comeback an und musste es regelmäßig verschieben. Am Ende der Saison standen fünf kümmerliche Startelfeinsätze.

Der Bundestrainer strich ihn bei der frühestmöglichen Gelegenheit aus dem WM-Kader, die Kollegen feierten in Brasilien anschließend ihren größten Triumph. Gomez saß derweil in Europa und hoffte auf die nächste Saison.

In dieser Spielzeit hat er schon wieder sechs Wochen wegen einer hartnäckigen Oberschenkelgeschichte gefehlt. Jetzt allerdings ist er seit dem 10. Spieltag wieder einsatzfähig, bis auf einen Treffer beim 4:0-Erfolg bei Cagliari Calcio ist in neun Partien nichts Zählbares herausgekommen. In der Nationalelf bekam er gegen Argentinien bei der WM-Revanche im August eine Chance, er hatte drei Großchancen, vergab sie alle und wurde fürchterlich ausgepfiffen.

Es läuft nicht bei Gomez. Und in Florenz fällt ihnen plötzlich auf, wie teuer dieser Stürmer ist, der ihnen bisher so wenig eingebracht hat. Die Opta-Statistik sagt: Mit Gomez hat der AC Florenz im Schnitt bisher 1,5 Punkte gemacht - ohne ihn 1,7.

insgesamt 17 Beiträge
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nummer50 14.01.2015
1. Schade
Ich fand Gomez war in der Vergangenheit immer ein ganz toller Spieler, ob bei Stuttgart oder in München. Jetzt hat er anscheinend so richtig die Seuche erwischt. Hoffe mal, dass diese zeitnah zu Ende geht.
ja-sager 14.01.2015
2. da gibts nur eins...
Gomez muss zu Dortmund wechseln...dort passt er hin, hat einen Trainer, der aus Unbekannten Nationalspieler formt, hat ein Umfeld, das Arbeit auf dem Platz honoriert. Das fehlende Selbstvertrauen kommt innerhalb weniger Wochen zurück....und Gomez ist wieder ein Mann für die Nationalmannschaft.
NaljiaSkal 14.01.2015
3.
Gomez war am Ende bei den Bayern schon nicht mehr richtig in Form und in der Nationalmannschaft hat er nie was gerissen. Und jetzt noch das Formtief bei Florenz? Ich hoffe Jogi lässt ihn für die EM2016 zuhause, da haben wir echt bessere im Angebot.
derwo 14.01.2015
4. Kopfspieler
Gomez war schon immer ein absoluter Kopfspieler, aber er war schon so oft abgeschrieben: Ich bin mir sicher, spätestens nächste Saison ballert er sich zurück.
kartackel 14.01.2015
5. Ich fand Gomez noch nie so super..
.. aber auch nicht schlecht! Er kann was, aber das muss die Mannschaft und der Trainer auch unterstützen.. Er ist keiner der sich den Ball holt und dann mal durchgeht. Davon ab is er wohl menschlich auch nich einfach und charakterlich, schenkt man diversen Gerüchten aus der Müncher Zeit Glauben, ne knappe Null. In der Nationalmannschaft kann ich mich auch nicht an viel Positives erinnern. Hätte er 10 vielleicht auch 15 Jahre früher gespielt, wäre er wohl um einiges größer in die Fußballgeschichte (Verein und Nationalmannschaft) eingegangen. Den Stürmertyp braucht man heute nicht mehr..
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