Graumarkt im Fußball HSV und BVB punkten gegen Ticketschieber

Die Bundesliga hat einen wichtigen Etappensieg gegen Ticketbörsen im Web errungen: Vor Gericht stoppten der Hamburger SV und Borussia Dortmund den Weiterverkauf ihrer Eintrittskarten durch die Anbieter - und sichern sich damit die Kontrolle darüber, wer in die Arenen kommt.
HSV-Fans: Internettickets werden für sie zum Risiko

HSV-Fans: Internettickets werden für sie zum Risiko

Foto: A3912 Marcus Brandt/ dpa

Hamburg - Die Internet-Ticketbörse "Viagogo" schwärmt auf ihrer Website: "Bei Heimspielen genießen die Zuschauer mit Dortmund-Tickets ein Fußball-Event in großartiger Umgebung. BVB-Tickets bescheren Ihnen so ein unvergessliches Erlebnis in einmaliger Atmosphäre." Damit könnte bald Schluss sein.

Denn Bundesligist Borussia Dortmund hat gegen "Viagogo" vor dem Landgericht Dortmund einen wichtigen Sieg errungen. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE wird dem Anbieter gerichtlich untersagt, weiter Eintrittskarten für Heimspiele des BVB über seine Plattform zu verkaufen. Ein ähnliches Urteil, das SPIEGEL ONLINE ebenfalls vorliegt, hat das Landgericht Hamburg gegen die Online-Ticketbörse "Seatwave" verhängt. Der Hamburger SV war gegen "Seatwave" vorgegangen.

Die HSV-Verantwortlichen sprechen von einem "Musterprozess" und davon, dass mit der Gerichtsentscheidung "der Grundstein für eine erfolgreiche Beseitigung des Zweitmarkthandels mit Eintrittskarten im Internet gelegt" worden sei. "Seatwave" und "Viagogo" gaben trotz Nachfrage zunächst keine Stellungnahme zu den Urteilen ab.

Vereine fürchten um "soziale Preisstruktur"

"Viagogo" hat allerdings seit seinem Einstieg in den deutschen Markt 2007 betont, dass man es für völlig legal halte, ein Ticket, das rechtmäßig erworben worden sei, auch weiterzuveräußern - unabhängig davon, dass ein Verein wie der HSV dies in seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen untersagt habe. Bei "Viagogo" stellen Privatleute ihre erworbenen Tickets zum Kauf ein und können den Preis dafür selbst festlegen. Ein ähnliches Prinzip wie bei Ebay, nur dass hier der Preis feststeht und nicht durch Versteigerung in die Höhe getrieben wird.

Der Anbieter rechnet sich selbst nicht zum Graumarkt der Ticketbörsen. Er ist unter anderem offizieller Partner des FC Bayern München und organisiert dessen Online-Tauschbörse. Zudem bietet die Firma allerdings auch Karten für WM-Spiele und für internationale Partien an - und für Begegnungen der anderen Bundesliga-Clubs, was diese auf Dauer nicht so hinnehmen wollen.

Vielen Fußball-Bundesligisten stören sich schon länger an den Internetbörsen. Die Vereine wollen die alleinige Hoheit über den Ticketverkauf behalten. Jeder andere, der in dem lukrativen Geschäft mitverdienen will, ist da unwillkommen. Die Clubs argumentieren damit, dass im Internet zum Teil unangemessene Aufpreise für die Eintrittskarten verlangt würden. Der Hamburger SV sieht dadurch "die soziale Preisstruktur der Eintrittskarten" gefährdet. "Der Weiterverkauf dieser Tickets zu erhöhten Preisen führt zu dem unerwünschten Zustand, dass die Fans des HSV in der Praxis vielfach deutlich höhere Preise für den Stadionbesuch zahlen müssen", so Kai Voerste, der Leiter des Ticketings bei dem Bundesligisten.

Tatsächlich zahlt man im freien Verkauf zum Beispiel für das Bundesligaspiel zwischen Hamburg und dem 1. FC Nürnberg maximal 84 Euro. Bei "Viagogo", wo die Karteninhaber selbst die Preise für das Ticket festlegen, muss man bis 269 Euro je Karte für dasselbe Spiel hinblättern. Für hoch attraktive Partien, die schnell ausverkauft sind, wie das Champions-League-Endspiel in Madrid am 22. Mai, sind Preise bis zu 6000 Euro pro Ticket fällig.

Trend geht zur Personalisierung von Tickets

Was den Clubs allerdings wohl mindestens genauso wichtig ist: Mit dem Weiterverkauf der Tickets verliert der Verein die Überwachung darüber, wer sich eine Eintrittskarte für sein Heimspiel kauft. Was dazu führen könne, so Voerste, dass "bekannte Gewalttäter" sich "bei unkontrolliertem Weiterverkauf" Zutritt zu den Spielen verschaffen könnten. In diesen Wochen, wo die Bundesliga wieder verstärkt über Fangewalt debattiert, ein Argument, das Gewicht und Gehör findet.

Der HSV gehört zu den Vorreitern der Liga, was die Reglementierung von Eintrittskarten angeht. Bereits seit 2008 sucht er die gerichtliche Auseinandersetzung mit den privaten Ticketanbietern im Internet. Mit dem Ziel, den Verkauf von HSV-Heimspieltickets jenseits der Oberhoheit des Vereins komplett zu untersagen - auch beim Marktführer Ebay, an den sich der Club jedoch bisher juristisch noch nicht so recht herangetraut hat.

In dieser Saison hat der Hamburger SV die Personalisierung der Tickets eingeführt. Die Käufer der Eintrittskarten werden handschriftlich vermerkt - eine Übertragung von Karten ist allerdings nach wie vor möglich, indem der Käufer den Namen dessen angibt, dem er die Karte übertragen hat. Eine Entwicklung, die von vielen HSV-Fans sehr kritisch gesehen wird.

Bezahlte Eintrittskarten eventuell gesperrt

Vielen Ligafunktionären reicht das allerdings immer noch nicht aus. Nachdem in der Vorwoche 150 Hertha-Fans nach dem Schlusspfiff den Innenraum des Berliner Olympiastadions stürmten und ihren Frust an der Ersatzbank ausließen, hat unter anderem Wolfgang Holzhäuser, der Geschäftsführer von Bayer Leverkusen, eine konsequente Einführung personalisierter Tickets verlangt - Verhältnisse, wie man sie aus England, den Niederlanden oder Italien kennt. Auch in der Bundesliga wächst die Zahl der Anhänger: So hat der DFB den 1. FC Nürnberg dazu verurteilt, für zwei Auswärtsspiele lediglich personalisierte Sitzplatzkarten an seine Fans auszugeben.

Der Protest der Fangruppen dagegen, den Stadionbesuch immer weiter in ein Korsett aus Kontrolle und Reglement zu zwängen, hat sich bereits formiert.

So weit, wie es Holzhäuser vorschwebt, wollen der Hamburger SV und Borussia Dortmund nicht gehen. Sie wollen den Internetbörsen vor allem das Geschäft vermasseln. Nicht zuletzt mit dem Hinweis, dass Fans, die ihre Karten über "Viagogo" oder "Seatwave" erstehen, nicht sicher sein können, auch tatsächlich damit ins Stadion zu kommen. "Jeder, der dort eine Eintrittskarte erwirbt, muss damit rechnen, dass diese Karte gesperrt ist und ihm der Zutritt zur Arena verweigert wird", sagt Voerste.

Der HSV bietet mittlerweile eine eigene Alternative an, Eintrittskarten zu tauschen. Wer ein Ticket besitzt, aber aus irgendwelchen Gründen dann doch nicht zum Heimspiel gehen kann, muss nicht fürchten, künftig auf der bezahlten Karte sitzen zu bleiben. Der HSV hat auf seiner Website eine eigene Tauschbörse  eingerichtet. Gewinne können die Verkäufer hier allerdings nicht machen. Die Preise sind die aus dem offiziellen freien Verkauf.

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