Griechenland Ein Volk im Freudentaumel

Die Hellenen sind nach dem EM-Sieg von Otto Rehhagels Elf völlig aus dem Häuschen. Feuerwerke, Freudentränen und Feste - Griechenland kam in der Nacht nicht zur Ruhe. "Die Hauptstadt und das Land brennen und beben", hieß es im Rundfunk. Auch in Deutschland hupten sich die Fans durch die Nacht.


Frankfurt/Athen - Sekunden nach dem Abpfiff des Finales mit dem sensationellen 1:0-Sieg von Otto Rehhagels Team über Portugal fiel das Land in einen kollektiven Freudentaumel. In Athen stiegen Leuchtkugeln in den Himmel und verwandelten die Nacht zum Tag. Hunderttausende Menschen stürzten tobend und schreiend auf die Straßen. Viele weinten vor Glück. Auf dem Lykabettus-Hügel im Zentrum Athens wurden Salutschüsse abgefeuert - sonst eigentlich nur an Nationalfeiertagen üblich.

Sämtliche Straßen der griechischen Hauptstadt waren in der Nacht verstopft. Tausende Autokorsos mit Hupkonzerten fuhren durch die Stadt. "Ich kann es nicht fassen", sagte ein 14-jähriger Junge am Omonoia Platz im Zentrum Athens. Ähnliche Szenen zeigte das Fernsehen aus der nordgriechischen Hafenstadt Thessaloniki. Auf der Touristeninsel Rhodos feierten mit den Griechen auch Hunderte Touristen aus Deutschland. "Hier feiern wir alle den Sieg der Griechen mit deutscher Unterstützung", sagte ein Tourist im Radio.

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Griechenland: Ein Volk im Freudentaumel

Auch die Griechen auf der Mittelmeerinsel Zypern feierten den sensationellen Sieg. In Nikosia herrscht Ausnahmezustand, berichtete das zyprische Radio. "Wir gratulieren den Spielern und Otto Rehhagel, weil sie allen Griechen in der ganzen Welt die Gelegenheit gegeben haben, sich endlos zu freuen. Dieser Sommer mit den Olympischen Spielen und diesem EM-Erfolg ist ein griechischer Sommer", sagte der griechische Ministerpräsident Kostas Karamanlis im griechischen Fernsehen aus Portugal.

Die Stadt Athen bereitet sich unterdessen auf eine der größten Feiern in ihrer Geschichte vor. Die griechische Regierung will die Ankunft von Otto Rehhagel und seiner Mannschaft wie die eines Olympiasiegers zelebrieren. Die Fußball-Europameister sollen heute Abend im Olympiastadion, dem "Panathinaikon Stadion", Austragungsort der ersten Olympischen Spiele 1896, bejubelt werden. "Alle morgen ins Panathinaikon Stadion. Wir empfangen unsere Helden", rief das griechische Fernsehen seine Zuschauer zum Kommen auf.

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Europameister Griechenland

Das Team von Otto Rehhagel polarisiert. Sind die Griechen verdient kontinentaler Champion geworden? Oder ist der Triumph der defensiv orientierten Mannschaft ein Rückschritt? Was sagen Sie dazu?

Auch in Deutschland fuhren Zehntausende Griechen mit Autokorsos hupend durch die Innenstädte. In der Innenstadt von Frankfurt am Main waren Ringstraßen schnell von den Autos der feiernden Fans verstopft. Am Opernplatz, den die Polizei für den Verkehr abgesperrt hatte, versammelten sich mehr als 3000 Menschen, die mit Sekt und Feuerwerken ausgelassen feierten.

In der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden zogen mehrere hundert Griechen mit Fahnen und Schals in den weiß-blauen Nationalfarben durch die Innenstadt. Unmittelbar nach Spielende hatten die Fußballfans den Sieg ihrer Mannschaft mit Jubel und Böllerschüssen gefeiert. Anschließend fuhren sie hupend mit ihren Autos Richtung Stadtzentrum.

Auf der Münchner Leopoldstraße feierten mehr als 10.000 Menschen. Die Fans sangen, tanzten, schwenkten griechische Fahnen und brannten Feuerwerkskörper ab. Einen Autokorso hatte die Polizei verhindert, indem sie die Straße vorher gesperrt hatte.

In Köln strömten nach Polizeiangaben unmittelbar nach dem Abpfiff Tausende Menschen auf ein eigens abgesperrtes Teilstück des Innenstadtrings. Minuten nach Spielende hatten sich 3000 bis 4000 überwiegend griechische Fans eingefunden. "Die feiern und freuen sich", sagte ein Polizeisprecher. In Berlin versammelten sich zahlreiche Fans am Kurfürstendamm.

Selbst im fernen Australien feierten die Griechen den größten Erfolg in der Geschichte des griechischen Fußballs. In den Metropolen Melbourne und Sydney gingen nach dem Sieg Zehntausende jubelnd auf die Straße. Selbst der in Australien zu Besuch weilende thailändische Ministerpräsident Thaksin Shinawatra und sein australischer Kollege John Howard gratulierten der griechischen Mannschaft.



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