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Guardiola im FCB-Trainingslager Dreierkette? Wieso nicht!

Pep Guardiola hat Spaß an seinem neuen Job. Beim Auftakt des Bayern-Trainingslagers am Gardasee spricht der Spanier geduldig über Dreierkette, Nachwuchs- und Schlüsselspieler wie Franck Ribéry. Nur einmal verliert der Spanier die Ruhe: beim Thema Mario Gomez.
Von Sebastian Winter

Pep Guardiola schlendert entspannt in den vollbesetzten Konferenzsaal des Kongresszentrums von Riva del Garda. Er trägt Turnschuhe, Jeans und ein weißes Hemd, der oberste Knopf ist offen, irgendwann krempelt der Trainer Bayern Münchens die Ärmel hoch. Guardiola schüttelt sich kurz, er blättert in einem kleinen Notizbüchlein.

Dann sagt er: "Guten Tag, ich kenne die Region etwas und bin überzeugt, dass wir eine angenehme Zeit verbringen werden." Das also ist der erste öffentliche, unverbindliche Satz des Spaniers am Gardasee. Sein Deutsch ist wieder ein wenig besser geworden in den knapp zwei Wochen seit seiner Vorstellung in München.

Guardiola und die Bayern sind also gut angekommen in ihrem einwöchigen Trainingslager inmitten eines 30.000 Quadratmeter großen Parks des am Wasser gelegenen Luxushotels Lido Palace. Kurz vor der Pressekonferenz haben sie bereits die nächste Personalie festgezurrt, Stürmer Claudio Pizarro hat für ein weiteres Jahr bis 2014 unterschrieben. "Ich mag Claudio Pizarro, er ist ein sehr, sehr guter Spieler. Und er spricht sehr gut Spanisch, ist also ein wichtiger Übersetzer", sagt Guardiola.

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Bayern im Trainingslager: Gut gelaunt am Gardasee

Foto: Karl-Josef Hildenbrand/ dpa

Die etwas unglückliche Vorstellung ihres zurzeit verletzten Neuzugangs Mario Götze haben die Bayern in der italienischen Sommerhitze schon verdrängt. Götze hatte am Dienstag bei seiner Präsentation ein T-Shirt mit großem Logo seines Privatausrüsters Nike getragen, was den Bayern-Sponsor Adidas zutiefst verärgert und zu einer peinlichen Posse geführt hatte.

"Mario ist ein großer Fußballspieler"

Aber ein Thema holt Guardiola dann doch ein: Mario Gomez. Der wechselwillige Stürmer ist zwar ins Trainingslager mitgefahren, steht aber Gerüchten zufolge vor dem Absprung nach Florenz. "Heute ist Gomez Fußballspieler von Bayern München. Ich habe mit ihm diese Woche gearbeitet, er ist ein großer Fußballspieler und sehr, sehr korrekt. Er wird jeden Tag mit uns trainieren", sagt Guardiola professionell.

Ein flammendes Plädoyer hört sich anders an, und als während der Pressekonferenz ein Journalist die Nachricht verbreitet, dass der Gomez-Wechsel nach Florenz wohl geplatzt ist, wird Guardiola ungewohnt sarkastisch: "Vielen Dank, Mister Superjournalist", er jedenfalls vertraue den Informationen seines Pressesprechers mehr.

Es ist die einzige Situation, in der der 42-Jährige die Ruhe verliert. Ansonsten stellt er sich souverän den Fragen, meist auf Deutsch, hin und wieder auf Englisch, Spanisch oder Italienisch. Er erzählt, dass die von ihm zuletzt angewandte Rotation, auch mit Franck Ribéry als Stürmer, ein Mittel für ihn sei, um seine Spieler kennenzulernen.

"Wo ist die beste Position für Franck? Er hat immer Außenstürmer gespielt, und die Freundschaftsspiele zeigen mir jetzt, ob Spieler auch auf anderen Positionen spielen können. Es ist gut, die Spieler in einer anderen Rolle zu sehen", sagt Guardiola. Welches System das nun ist, ob ein 4-1-4-1 oder eines mit Dreier-Abwehrkette, das müsse sich weisen. Aber die Fans dürfen sich auf sehr offensiv geprägten Fußball freuen, mit vielen Positionswechseln und rotierenden Spielern.

Vormittags öffentliches, nachmittags Geheimtraining

Guardiola hat zudem einen integrativen Ansatz. Dass er viele Nachwuchsspieler mitgenommen hat und im Trentino mit fast 30 Akteuren zweimal täglich trainiert, zeigt das. "Die Jugendlichen haben Leidenschaft und ich habe es vorgezogen, alle mitzunehmen. Während der Saison liebe ich breite Kader nicht so sehr", sagt er.

Auch Langzeitverletzte wie Abwehrspieler Holger Badstuber sind dabei. "Es ist wichtig, dass er hier ist mit seinen Kameraden, Physiotherapeuten und Ärzten."

Bastian Schweinsteiger und Götze dürften kommende Woche wieder ins Training einsteigen, das erste Testspiel gegen eine Allstar-Auswahl am Freitag kommt für sie zu früh. Am späten Donnerstagabend werden die Bayern-Spieler im Zentrum Riva del Gardas vorgestellt. Viel Rummel, den Guardiola nicht sehr liebt. "Wir brauchen ein bisschen Ruhe. Es sind genug Kameras da am Vormittag", sagt er.

Zumindest nachmittags dürfte sein Wunsch während der kommenden Woche in Erfüllung gehen. Das Trainingsgelände im fünf Kilometer entfernten Städtchen Arco, einem Paradies für Kletterfans, ist dann für die Öffentlichkeit gesperrt.