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24. Juni 2013, 16:13 Uhr

Guardiola-Vorstellung

"Guten Tag und Grüße Gott"

Von Sebastian Winter, München

Pep Guardiola meistert seine erste Pressekonferenz als Bayern-Trainer in gutem Deutsch. Der Spanier lobt Vorgänger Jupp Heynckes, sagt wenig über die neue Spielphilosophie - und bremst die Erwartungen. Seine Bitte: "Lasst mir etwas Zeit."

Es ist die größte Trainerpräsentation in der Geschichte des FC Bayern München, auch deshalb haben sie sie in die Fröttmaninger Arena verlegt und nicht, wie üblich, in dem zu eng gewordenen Presseraum an der Säbener Straße abgehalten. Mehr als 240 Journalisten sind zur Vorstellung Pep Guardiolas (hier die Zusammenfassung im Minutenprotokoll) gekommen, aus München und Barcelona, aber auch aus Brasilien, Japan und Katar. Es gibt Obazda mit Brezn, dazu spanische Tapas, eingelegte Paprika, Oliven und Serrano-Schinken.

Neben Guardiola sitzt Bayern-Präsident Uli Hoeneß, er erzählt, wie der neue Bayern-Trainer ihn und Bayern-Vorstand Karl-Heinz Rummenigge in sein New Yorker Apartment am Central Park eingeladen hatte und sie vier Stunden lang über Fußball sprachen. Rummenigge sagt: "Wir hatten den Eindruck, dass Pep ein Faible für München hat. Er wird die Bundesliga befruchten."

Und es wird schnell klar, dass Guardiola sein Versprechen einlöst, viele Fragen auf Deutsch zu beantworten. "Guten Tag und Grüße Gott, meine Damen und Herren", sagt Josep Guardiola i Sala gleich zu Beginn, der 42-jährige Spanier, der in Santpedor in der Provinz Barcelona aufwuchs. Seine Sprachkenntnisse sind beachtlich. Aber es stellt sich heraus, dass sie noch nicht entwickelt genug sein müssen, um kompliziertere Sachverhalte zu erklären. Und, was ihn beruhigt haben dürfte, auch keine kritischen Nachfragen zu dunkleren Kapiteln wie Steuerproblemen im Jahr 2009 oder seiner Sperre als Spieler in Italien nach einem Dopingverstoß.

Guardiola erzählt also, dass es eine Ehre für ihn sei, nun beim "größten Verein der Welt" zu arbeiten. Er geht dabei, auch wegen der Sprachbarriere, die den zuletzt oft als Fußball-Messias Dargestellten menschlicher werden lässt, erstaunlich wenig auf seine künftige Spielphilosophie ein. Er liebe es anzugreifen, und: "Ich muss mich meinen Spielern anpassen, sie sind anders als die von Barcelona. Aber das System ist egal."

Ein bisschen nervös

Womöglich ist es auch ein cleverer Schachzug, noch nicht zu viel preiszugeben von Taktik und Systemtheorie, die Guardiola sicherlich schon im Kopf hat für die neue Mannschaft. Auch weil der Druck ohnehin schon in den Himmel wächst für den in Barcelona längst Vergötterten: "Ich bin mir bewusst, hier viel Druck zu haben, und ein bisschen nervös", sagt der Katalane, der auch von einer privaten Herausforderung spricht. Denn seine Frau Cristina Serra und drei Kinder ziehen mit ihm nach München, wie auch vier Weggefährten, die ihm schon in Barcelona als Spielanalytiker, Scout, Fitnesstrainer und persönlicher Vertrauter dienten.

Guardiola wirkt in dieser Situation fast zurückhaltend, als würde die Szenerie ihn auch ein wenig erdrücken. Und er versucht, die aufgeladenen Erwartungen zumindest etwas zu bremsen. "Es wäre arrogant zu sagen, dass eine neue Ära eingeleitet wird. Lasst mir etwas Zeit, mein Deutsch ist nicht gut genug. Ich versuche, das hohe Niveau von Jupp Heynckes fortzusetzen." Der Erfolgstrainer Guardiola, der als Spieler und Trainer des FC Barcelona alles gewann, was eine Clubmannschaft gewinnen kann, möchte den Erfolgstrainer Heynckes bald treffen und sich mit ihm austauschen, wenn die Zeit es erlaubt.

Die Inszenierung sah dann noch die Übergabe des neuen Dienstwagens an Guardiola vor. Wie vor Ligaspielen der Bayern hallte ein mächtiger Herzschlag durch das dieses Mal menschenleere Rund, bevor Guardiola den Rasen betrat. Er spielte ein paar Pässe mit dem Bayern-Maskottchen und zwei Kindern, nahm einen Blumenstrauß und den Autoschlüssel entgegen, setzte sich auf die Trainerbank und schrieb noch Autogramme. Guardiola wirkte jetzt sehr gelöst, schäkernd mit Bayern-Sportvorstand Matthias Sammer zog er sich zurück.

"Sobald ich das Feuer nicht mehr spüre, gehe ich zum Präsidenten, um mich zu verabschieden, aber bis dahin lebe ich den Job kompromisslos", hatte der damalige Barcelona-Trainer Guardiola dem SPIEGEL Ende 2009 gesagt. Als das Feuer 2012 erlosch, zog sich Guardiola zurück, um bei einem Sabbatjahr in New York Kraft zu tanken. Kompromisse wird der Workoholic auch in München kaum machen. Trotz aller Bescheidenheit ist es ja doch so: Sie haben Guardiola geholt, um auf Jahre hinaus die Fußballwelt zu dominieren.

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