Guerreros Ausraster "Das ist ein Foul der übelsten Sorte"

Es war der Aufreger des Fußball-Wochenendes: Gegen Stuttgart grätschte HSV-Stürmer Paolo Guerrero VfB-Keeper Sven Ulreich um und flog vom Platz. Ihm droht eine lange Sperre. Selbst Trainer und Mitspieler üben scharfe Kritik am Peruaner - dabei hatte der sich zuletzt als Musterprofi gegeben.
Schiedsrichter Sippel (l.), Guerrero: Peruaner droht lange Sperre

Schiedsrichter Sippel (l.), Guerrero: Peruaner droht lange Sperre

Foto: Getty Images

Hamburg - Knapp eine Stunde war gespielt, die Partie längst verloren, als Paolo Guerrero für die hässlichste Szene des 24. Spieltags sorgte: An der Eckfahne in der gegnerischen Hälfte rauschte der HSV-Stürmer heran und sprang dem Stuttgarter Torwart Sven Ulreich von hinten in die Beine.

Den Zuschauern stockte der Atem. Ulreich schrie auf vor Schmerz, wurde minutenlang behandelt und musste am Ende der Partie, die der VfB 4:0 gewann, froh sein, dass ihm Guerrero mit seiner Blutgrätsche nicht die Beine gebrochen hatte. Schiedsrichter Peter Sippel hatte gar keine andere Wahl, als dem Peruaner die Rote Karte zu zeigen.

"Paolo ist heißblütig, aber das geht natürlich nicht", sagte Trainer Thorsten Fink über die Szene, "im ersten Moment wollte er noch den Ball spielen, aber dann war es ihm glaube ich egal. Da muss Paolos Reaktion anders sein." Fink kündigte eine harte Strafe an: "Aber darüber werden wir intern sprechen."

"Das erinnerte an Gentile gegen Maradona"

Der ehemalige Weltklasse-Schiedsrichter Markus Merk forderte im Fernsehen eine lange Sperre für Guerrero: "Das ist ein Foul der übelsten Sorte, wie wir es selten sehen. Alles andere als sechs Spiele Sperre würde mich wundern", sagte er und verglich die Aktion mit einem der brutalsten Fouls der Fußball-Geschichte: "Das erinnerte an Gentile gegen Maradona."

Selbst Guerreros Mitspieler waren geschockt. Marcell Jansen bezeichnete die Aktion als "Schwachsinn. An der Eckfahne muss ich kein Zeichen setzen. Das hilft der Mannschaft nicht und passt zum Tag. Wir haben uns gegenseitig verunsichert", so Jansen weiter.

Es ist nicht das erste Mal, dass Guerrero mit einer krassen Unsportlichkeit in die Schlagzeilen gerät. In guter Erinnerung ist noch sein Flaschenwurf gegen einen Zuschauer aus dem April 2010, für den er fünf Spiele gesperrt wurde und eine Geldstrafe von 100.000 Euro zahlen musste.

Der "kleine Krieger", so Guerreros Spitzname, war nach seinem ersten Bundesliga-Platzverweis ganz kleinlaut: "Ich kann mich nur bei meiner Mannschaft entschuldigen." Zuletzt hatte er behauptet, aus seinen Fehlern gelernt zu haben. "Wenn ich trainiere, dann schaue ich auf meine Mitspieler, die sind 19 und ich 28. Ich bin einfach älter und sicher ein Vorbild für diese jungen Spieler, das muss ich zeigen und korrekt werden." Am Samstag flüchtete Guerrero wortlos aus dem Stadion.

luk/sid/dpa