Haching - Bochum Bochum im Bann des Abstiegsgespensts

Auch Altmeister Rolf Schafstall hat beim abstiegsbedrohten VfL keinen frischen Wind in das Team bringen können.


Mauerfall: Bochums Christiansen zirkelt die Kugel um die Unterhachinger Abwehrrecken
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Mauerfall: Bochums Christiansen zirkelt die Kugel um die Unterhachinger Abwehrrecken

Unterhaching - Die Chance auf den Klassenerhalt wird immer geringer, der Abstand zum rettenden Ufer immer größer und die Erklärungsversuche immer verzweifelter: Nach dem 1:2 (1:1) im Kellerduell der Fußball-Bundesliga bei der SpVgg Unterhaching taumelt der VfL Bochum der Zweiten Liga entgegen. Schon sieben Punkte beträgt der Rückstand auf einen Nicht-Abstiegsplatz. Nach der 14. Pleite im 24. Saisonspiel übten sich die Westfalen nur noch verbittert in Durchhalteparolen.

"Wenn wir drei Spieltage vor Schluss noch sieben Punkte zurück liegen, dann ist es vorbei. Jetzt noch nicht", sagte Torwart Hein van Duijnhoven. "Wir müssen weiter kämpfen, uns gegenseitig aufbauen und Kraft geben", forderte Sebastian Schindzielorz. Und Trainer Rolf Schafstall, dem auch in seinem dritten Spiel mit dem VfL kein Erfolg gelang, meinte traurig: "Ich bin Realist: Es wird immer schwerer, wir haben nur noch zehn Spiele. In Köln müssen wir wieder einen neuen Anlauf nehmen." Und unbedingt gewinnen. Denn sonst, sagte Peter Peschel, "ist es aus."

Blankes Nervenkostüm
Doch die Vorzeichen sind nicht günstig, denn die Nerven liegen blank bei Bochum. In einem typischen Kellerduell vor 9.000 Zuschauern im Hachinger Sportpark sah zunächst Yildiray Bastürk die Gelb-Rote Karte wegen wiederholten Foulspiels (60.), eine Minute vor dem Ende kassierte der eingewechselte Frank Fahrenhorst nach einer Notbremse gar "Rot". Beide fehlen im Schicksalsspiel gegen Köln. Doch damit nicht genug der Sorgen: Denn Bochum bangt zudem um den Einsatz von Abwehrchef Thomas Stickroth, Manndecker Axel Sundermann und Torwart van Duijnhoven.

Stickroth und Sundermann mussten von Schafstall in Unterhaching bereits frühzeitig ausgewechselt werden, was die ohnehin löchrige VfL-Abwehr zusätzlich schwächte. Dennoch war der Tabellenletzte lange auf dem richtigen Weg. Thomas Christiansen beendete in der 27. Minute mit seinem Treffer zum 1:0 eine 321-minütige Torflaute. Doch statt dann "ein Tor nachzulegen", ließ sich der Tabellenletzte zurückdrängen - und verlor die so wichtigen Punkte.

Oliver Straube gelang zunächst das 1:1 (37.). Und der zur Pause eingewechselte Andre Breitenreiter schaffte sechs Minuten vor Schluss mit seinem siebten Saisontor das glückliche 2:1. "Wir haben einen großen Gegner: Wir selbst", jammerte der starke van Duijnhoven. Und Schafstall blieb nichts anderes übrig, als einzugestehen: "Die Mannschaft will ja, aber in den entscheidenden Situationen steht sie blank da."

Haching kontert auch zuhause


Ganz anders die Hachinger: Sie setzten sogar gegen den Letzten im eigenen Stadion nur auf Konter, agierten viel zu ängstlich und erarbeiteten sich kaum Chancen. Dennoch wurden sie dafür belohnt, kletterten auf Platz 14 und verließen erst einmal die Abstiegsränge. "Wir haben", resümierte Danny Schwarz ehrlich, "das gespielt, was uns letzte Saison so stark gemacht hat: Auf Fehler warten und eiskalt zuschlagen." Mehr nicht.

Ob das zum Klassenerhalt reicht, ist fraglich. Der zweite Sieg in Folge im "wichtigsten Spiel der Saison" (Libero Alexander Strehnel) sollte für die Zukunft zumindest Selbstvertrauen geben.

Von Jörg Kottmeier, sid

SpVgg Unterhaching - VfL Bochum 2:1 (1:1)
Unterhaching: Tremmel - Strehmel - Herzog, Seifert - Haber (61. Cizek), Zimmermann, Oberleitner, Schwarz (74. Ahanfouf), Straube - Rraklli (46. Breitenreiter), Spizak
Bochum: van Duijnhoven - Stickroth (22. Mamic) - Milinovic, Sundermann (34. Fahrenhorst) - Colding, Peschel (63. Bemben), Schindzielorz, Mandreko - Bastürk - Maric, Christiansen
Schiedsrichter: Meyer (Braunschweig)
Tore: 0:1 Christiansen (27.), 1:1 Straube (37.), 2:1 Breitenreiter (84.)
Zuschauer: 9000
Rote Karte: Fahrenhorst nach einer Notbremse (89.)
Gelb-Rote Karte: Bastürk wegen wiederholten Foulspiels (60.)
Gelbe Karten: Schwarz (2) - Milinovic (4), Maric (4)



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