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100. Nordderby: Junuzovic vollendet Hunts Geniestreich

Foto: Oliver Hardt/ Bongarts/Getty Images

Sieg im 100. Nordderby Bremen feiert Hunts Hacke

Was für ein Hackentrick: Bremen feiert den Geniestreich von Aaron Hunt und den Erfolg im weitgehend friedlichen 100. Nordderby. Werder scheint ein wirksames Mittel im Abstiegskampf gefunden zu haben. Der Hamburger SV hingegen noch nicht.

Der Mann, der das Jubiläums-Nordderby entschieden hatte, schlich eingehüllt in eine dicke Trainingsjacke zwischen seinen Mannschaftskollegen umher - fast schon schüchtern. Aaron Hunt wirkte so gar nicht wie jemand, der soeben Historisches vollbracht hatte. Mit leiser Stimme sprach der Bremer Mittelfeldspieler über die Szene in der 19. Minute: das Tor durch Zlatko Junuzovic und seine Vorlage mit der Hacke. Durch einen "Geniestreich" wie Trainer Robin Dutt es später nannte, hatte Hunt den Siegtreffer im nicht nur historisch aufgeladenen Duell mit dem Hamburger SV ermöglicht und sich so seinen Platz in der Fußball-Geschichte gesichert.

100 Spiele wie im Märchen, so hatten Bremer Fans das am häufigsten ausgetragene Spiel in der Fußball-Bundesliga in einer spektakulären Choreografie genannt. Am Ende der jüngsten Auflage freute sich Werder-Manager Thomas Eichin über ein Happy End: "So musst du den Abstiegskampf angehen. Wir sind sehr glücklich." Sechs Punkte hat Bremen nun Vorsprung auf den Hamburger SV, aber in Eichins Stimme lag die Zuversicht, dass seinem Club am Samstag mehr gelungen sein könnte als ein weiterer "Prestige-Erfolg" gegen den Nachbarn im Norden, wie Sebastian Prödl lächelnd sagte.

Der erste Bremer Sieg im Jahr 2014 war tatsächlich nicht nur die Folge von Hunts Vorlage in bester Zlatan-Ibrahimovic-Manier. Es war der Sieg der besseren Strategie. "Wir haben uns in der ersten halben Stunde zu sehr auf das Bremer Spiel eingelassen", sagte Hamburgs Tolgay Arslan nach dem Schlusspfiff enttäuscht. In der Tat schafften es die Bremer vor allem in den ersten 45 Minuten mit langen Bällen in die Spitze, das vom neuen HSV-Coach Mirko Slomka gewünschte Pressing in der Mitte zu umgehen. "Wir wussten, dass es Hamburg dort sehr eng machen würde, sagte Hunt.

Hamburg im Angriff zu harmlos

Anders als beim überraschenden 3:0-Erfolg gegen Borussia Dortmund in der Vorwoche blieben die Gäste so ohne Zugriff. Akzente habe der HSV gehabt, sagte Marcell Jansen. Es war eine treffende Beschreibung für ein Team, das wie Werder mitten im Abstiegskampf steckt, das es in Bremen aber zunächst über die "spielerische Klasse" (Slomka) versucht hatte. "Bissiger war Werder nicht", sagte Arslan etwas trotzig, aber auch nicht zu unrecht. Mehr Ballbesitz und mehr gewonnene Zweikämpfe wies die Statistik am Ende für die Gäste aus. Klare Chancen - mit Ausnahme des Lattentreffers von Hakan Calhanoglu (43.) - hatte der HSV aber nicht.

Und so bleibt Slomka, der mit Hannover 96 in der Hinrunde alle Auswärtsspiele verloren hatte, diese Serie vorerst auch in Hamburg erhalten. Ein "rassiges Derby" habe er gesehen, sagte der Coach. Zwei gute Phasen kurz vor und kurz nach der Pause, eine "gewisse Dominanz", hätten aber nicht gereicht. Daran änderte auch die Einwechselung des genesenen Rafael van der Vaart nichts, vom Niederländer war in der zweiten Hälfte genauso wenig zu sehen wie von Calhanoglu, der gegen den BVB mit einem Freistoßtor aus 40 Metern den Schlusspunkt gesetzt und Hoffnung auf die schnelle Wende unter Slomka gemacht hatte.

Für den besonderen Moment sorgte diesmal Hunt: "Ich denke nie daran, ob eine solche Aktion schief gehen kann. Ich mache es einfach." "Deshalb hat er gespielt", sagte Dutt über den gerade wieder fit gewordenen Offensivmann und den schönsten sportlichen Moment in einem weitgehend friedlichen Derby.

15 Personen in Gewahrsam genommen

Mehr als 1000 Polizeibeamte waren im Einsatz. Viel mehr als eine kaputte Scheibe am Mannschaftsbus der Gäste, die Werder-Anhänger beschädigt hatten, passierte aber nicht. 15 Personen seien in Gewahrsam genommen worden, sagte ein Polizeisprecher SPIEGEL ONLINE am späten Samstagabend. Auf dem Osterdeich nahe des Stadions mussten Wasserwerfer auffahren, um aggressive Fangruppen beider Lager zu trennen. Den üblichen verbalen Sympathiebekundungen in der Arena folgte kurz nach dem Wiederanpfiff das Abbrennen von Pyrotechnik im Bremer Fanblock, das Spiel wurde kurzzeitig unterbrochen.

Keine Plattform wolle er diesem Teil der Fans bieten, sagte Dutt. Der 49-Jährige, der während der insgesamt 96 Minuten nahezu jeden gewonnenen Zweikampf seiner Elf bejubelt hatte, wollte sich viel mehr über den bestandenen Härtetest seines Teams freuen . Geknistert habe es im Vorfeld, sagte der Coach. "Extrem hoch", sei der Druck gewesen, ergänzte Prödl. "Ich hoffe, dass uns dieser Dreier Auftrieb gibt im Abstiegskampf."

Von dem bekommt Werder noch genug. Am kommenden Wochenende gastieren die Bremer bei Abstiegskonkurrent Nürnberg. "Wir dürfen nicht nachlassen", sagte Hunt, bevor er in der Kabine verschwand. "Sonst zählt der Sieg gegen den HSV nichts."

Werder Bremen - Hamburger SV 1:0 (1:0)
1:0 Junuzovic (19.)
Bremen: Wolf - Ignjovski, Prödl, Lukimya, Garcia - Bargfrede (79. Elia) - Junuzovic, Obraniak - Hunt (66. Makiadi) - Di Santo (57. Gebre Selassie), Petersen
Hamburg: Adler - Diekmeier, Djourou, Rajkovic (68. Lasse Sobiech), Jansen - Badelj, Arslan - Rincon (46. van der Vaart), Jiracek (79. Zoua) - Lasogga, Calhanoglu
Schiedsrichter: Florian Meyer (Burgdorf)
Zuschauer: 42.100 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Di Santo (4), Junuzovic (2) - Lasogga, Calhanoglu
Schüsse: 15:11
Ecken: 4:5
Ballbesitz: 39:61 Prozent

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