Haft für Hoyzer Ein Urteil, auf das niemand gewettet hätte

Zwei Jahre, fünf Monate, keine Bewährung: Robert Hoyzer war sprachlos, als er sein Strafmaß vernahm. Der Ex-Schiedsrichter hatte mit Bewährung gerechnet. Der Sapina-Clan hingegen feierte das Urteil wie einen Freispruch - in der Gerichtsklause nebenan.

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Die beiden ehemals dicken Kumpels hatten keinen Blick mehr füreinander. Während der frisch verurteilte Drahtzieher des Bundesliga-Wettskandals, Ante Sapina, gemeinsam mit seinen Brüdern auf der Türschwelle des Berliner Landgerichts Küsschen an seinen Familienclan verteilte, stapfte sein früherer Kompagnon Robert Hoyzer wort- und grußlos an ihm vorbei und verschwand im Wagen seines Anwalts.

Hoyzer: Gute Quote
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Hoyzer: Gute Quote


Dem ehemaligen DFB-Schiedsrichter hatte es nach dem Urteil der 12. Strafkammer die Sprache verschlagen. Statt mit einer Bewährungsstrafe davonzukommen, wie es nach dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft noch den Anschein gehabt hatte, muss Hoyzer ins Gefängnis. Ein Urteil, mit dem nach dem Votum der Staatsanwälte kaum jemand zuvor gerechnet hätte. Oder um in der Hoyzer-Branche zu bleiben: Für dieses Urteil hätte es eine ziemlich gute Wettquote gegeben.

Den Blick starr ins Leere gerichtet konnte der 26-Jährige es augenscheinlich kaum fassen, was die Vorsitzende Richterin Gerti Kramer da zu verkünden hatte. Zwei Jahre und fünf Monate Haft für den ehemaligen Hoffnungsträger der deutschen Schiedsrichter-Gilde, damit fünf Monate mehr, als die Anklage noch in der Vorwoche gefordert hatte - "wir sind sehr enttäuscht von dem Urteil", fand zumindest Hoyzers Verteidigungsteam noch ein paar dürre Worte nach dem Richterspruch. Verbunden mit der Ankündigung, "selbstverständlich in Revision zu gehen", schließlich gehe von dem Urteil "das fatale Signal aus, dass es sich für einen Straftäter offenbar nicht lohnt, von Anfang an umfassend geständig zu sein, sondern erst abzuwarten, was die Staatsanwaltschaft von selbst ermittelt".

Spielsucht als Motiv

Da hatten die Verteidiger Kramers Urteil allerdings fehlgedeutet, denn die Richterin wertete Hoyzers wortreiche Reue aus dem Prozess durchaus als strafmildernd. Trotzdem habe es für das Gericht "keinerlei Hinweis gegeben, dass Hoyzer nur der Köder oder das Opfer von Ante Sapina war". Vielmehr habe er "ohne Not seine tiefste Pflicht als Schiedsrichter verletzt". Dass er zudem noch andere Kollegen wie den ebenfalls auf der Anklagebank hockenden Dominik Marks zur Spielmanipulation angestiftet habe, falle entsprechend ins Gewicht. Und das alles für die 67.000 Euro (plus Plasmafernseher), die Hoyzer von Sapina als Anteil für sein Mittun zugesteckt bekam. "Hoyzer hat daran noch nicht einmal großartig verdient", stellte die Richterin fest.

Ohne unerwähnt zu lassen, dass bei Ante Sapina alle Fäden der Schiebereien zusammen liefen: "Er allein hat bestimmt, wer wann wettete und in welcher Höhe das passiert. Er hat den Gewinn eingestrichen und festgelegt, wie die Manipulationen zu laufen hatten." Spielsucht war sein Motiv, ist das Gericht überzeugt. Eine Neigung, die einher ging mit einer gewissen kriminellen Energie und der Tatsache, dass "der Wettanbieter Oddset ihm die Tat auch sehr erleichtert hat".

Die Quittung für den 29-Jährigen: Zwei Jahre und elf Monate Haft, die Sapina ebenso wie Hoyzer wohl im offenen Vollzug abbüßen darf. Die kroatische Familie feierte das Urteil, das auch Bewährungsstrafen für Antes Brüder Milan und Filip vorsieht, wie einen Freispruch. Nach der Verhandlung zog der gesamte Clan Arm in Arm in die gegenüberliegende Gerichtsklause, um das Urteil zu begießen.

Ein interessierter Herr Marks

Nach Feiern war dem mit einer Bewährungsstrafe davongekommenen Marks zwar nicht zumute, aber erstmals im Prozesslauf regte sich nach dem Urteil ein bisschen Leben im Gesicht des früheren Referees. War er zuvor meist apathisch und mit hängenden Schultern dem Prozessverlauf gefolgt, so schien er jetzt erstmals Anteil zu nehmen, hörte der Urteilsbegründung interessiert zu, wechselte ein paar Worte mit seiner Verteidigerin Astrid Koch.

Die Erleichterung war dem 30-Jährigen überdeutlich anzumerken, war er einer Haftstrafe, die die Staatsanwaltschaft noch gefordert hatte, doch gerade noch entgangen. Dass er niemals Fußballspiele manipuliert habe, wie er vor Gericht behauptet hatte, nahm die Strafkammer ihm zwar nicht ab, "doch ein fehlendes Geständnis ist kein Grund für eine schärfere Strafe", rüffelte Kramer die Staatsanwaltschaft für ihre aus Kammersicht zu harte Strafmaßforderung.

Was wohl dazu führen wird, dass auch die Anklagebehörde den Revisionsweg einschlagen wird. Nach den Hoyzer-Anwälten hat zudem auch Ante Sapinas Rechtsbeistand schon angekündigt, das Urteil nicht hinzunehmen. Damit passiert genau das, was der Deutsche Fußball-Bund an sich vermeiden wollte. Der Wettskandal zieht sich ins WM-Jahr 2006 hinein, die Beteiligten sehen sich vorm Bundesgerichtshof in Karlsruhe wieder. Und schon in der kommenden Woche wird gegen den ehemaligen Fußballprofi Steffen Karl am Berliner Landgericht weiterverhandelt. Oder, wie es Sapinas Verteidiger Stefan Conen sagte: "Mit diesem Urteil ist die Sache noch lange nicht zu Ende."



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