Halbfinalkrimi Elfmeterheld Wiese bringt Bremen ins Pokalfinale

Nervenprobe nach 120 Minuten Pokalschlacht: In einem packenden Nordduell zwischen Hamburg und Bremen fiel die Entscheidung vom Elfmeterpunkt - mit dem besseren Ende für Werder. Zum Mann des Abends avancierte Bremens Schlussmann Tim Wiese, der überragend hielt.

Die norddeutschen Derbywochen starteten mit einem Pokal-Krimi: Im ersten von vier Aufeinandertreffen der beiden Erzrivalen binnen 19 Tagen bezwang Werder Bremen den Hamburger SV im Halbfinale des DFB-Pokals 3:1 nach Elfmeterschießen. Schlussmann Tim Wiese hielt dabei drei Hamburger Versuche. Nach regulärer Spielzeit und Verlängerung hatte es 1:1 (0:1) gestanden, die Treffer erzielten Per Mertesacker für Bremen (11. Minute) und Ivica Olic (67.) für Hamburg. HSV-Kapitän David Jarolim sah wegen groben Foulspiels die Rote Karte (90. +2). Die Bremer treffen damit im Endspiel in Berlin am 30. Mai auf das Team aus Leverkusen, das sich im ersten Halbfinale gegen den Zweitligisten aus Mainz durchgesetzt hatte.

Tim Wiese sprintete vom Strafraum zur Mittellinie, so flink, dass selbst die pfeilschnellen Werder-Angreifer Mühe hatten, ihm zu folgen. Soeben hatte der Schlussmann mit einer überragenden Leistung im Elfmeterschießen den Einzug der Bremer ins Finale des DFB-Pokals gesichert. "Das ist einer der schönsten Abende in meiner Torhüterkarriere. Wir haben ein klasse Spiel gemacht und verdient gewonnen. Die Sprüche vor dem Spiel gehören dazu", kommentierte Wiese nach der Partie seine Leistung und die Kontroverse im Vorfeld.

Schließlich war er es gewesen, der die ohnehin schon hitzige Stimmung vor dem Nordduell mit markigen Sprüchen in Richtung Publikum und HSV-Team noch weiter angefacht hatte. Entsprechend quittierten die Heim-Fans in der Hamburger Arena jede Ballberührung des 27-Jährigen mit einem Pfeifkonzert.

Nach elf Minuten allerdings verstummte der Großteil der 56.000 Besucher, Getöse drang nur noch aus dem Gästeblock. Spielmacher Diego, mit einer Muskelverhärtung im Oberschenkel zuletzt in der Ligapartie gegen Berlin geschont, stand bei Werder in der Startformation. Seinen Freistoß von halblinks knapp hinter der Strafraumgrenze konnte Rost noch an die Latte lenken, beim Nachschuss des gedankenschnellen Mertesacker war der ehemalige Bremer machtlos.

Bis zur ersten echten Gelegenheit des HSV, dem der Rückstand sichtlich zusetzte, vergingen 18 Minuten. Aus etwas mehr als 20 Metern probierte es Angreifer Paolo Guerrero mit einem Flachschuss, auf dem regennassen Rasen sicher nicht die schlechteste Angriffsoption. Der Ball strich jedoch knapp am linken Pfosten vorbei.

Wirklich laut wurde im Verlauf der ersten Halbzeit auf Hamburger Seite eigentlich nur noch Frank Rost, der seine Vorderleute mit deutlichen Anweisungen zu mehr Engagement in Angriff und mehr defensiver Konsequenz animieren wollte. Grund für den Wutausbruch: die zahlreichen Tormöglichkeiten der Gäste. Verteidiger Naldo testete in der 22. Minute mit einem wuchtigen Freistoß Rosts Reaktionsvermögen auf der Linie, sieben Minuten später war es der starke Boenisch, der mit seinem Schuss am HSV-Keeper scheiterte. Zur Pause blieb es bei der knappen Bremer Führung.

Der erste Angriff nach dem Seitenwechsel brachte dann die bis dahin beste HSV-Chance: Nach scharfer Hereingabe von links war der eingewechselte Jonathan Pitroipa wohl mindestens so überrascht wie die Abwehrreihe, als Wiese am Ball vorbeisprang. So konnte der Mittelfeldspieler den Torwartfehler nicht bestrafen.

Besser machte es dann Olic, der einen Schuss von Guy Demel zum Ausgleich ablenkte. Kurz zuvor hatte Hamburgs Abwehrspieler Michael Gravgaard mit einer ungeschickten Aktion fast für ein Eigentor gesorgt.

Wirklich hitzig wurde die Partie erst in der Nachspielzeit der zweiten Halbzeit: Auf der linken Seite foulte HSV-Spielführer Jarolim den durchbrechenden Mesut Özil, Schiedsrichter Knut Kircher wertete die Aktion als grobes Foul und zückte die Rote Karte.

In Unterzahl mussten die Hamburger in die Verlängerung, während der zuvor eingewechselte Angreifer Markus Rosenberg an Rost scheiterte (94.). Zwei Minuten später köpfte Naldo nach einem Eckball aufs Tor, wieder reagierte der Hamburger Schlussmann glänzend. Trotz zahlreicher guter Chancen auf beiden Seiten fielen keine Treffer mehr aus dem Feld. Die beste Möglichkeit vergab Pitroipa in der 120. Minute, als er allein auf den heranstürmenden Wiese zulief. Mit einer mutigen Tat rettete der Bremer Torwart seine Mannschaft ins Elfmeterschießen.

DFB-Pokal-Finale

Leverkusen - Bremen 30.05.09 in Berlin

Ausgerechnet vor der nun wieder lautstark pfeifenden HSV-Kurve parierte Wiese bereits den zweiten Hamburger Strafstoß von Jérome Boateng. Auch die Versuche drei und vier durch Olic und Marcell Jansen entschärfte der Keeper - und sicherte seinem Verein damit den 13. Finaleinzug der Vereinsgeschichte. "In Pokalspielen haben wir immer ein klares Ziel vor Augen. Da setzt sich die Mannschaft hervorragend durch. Bei der Roten Karte hatte ich einfach Angst um Mesut Özil, alles andere ist mir egal", sagte Werder-Coach Thomas Schaaf nach der Partie.

Sein Hamburger Kollege Martin Jol hätte am liebsten selbst ins Spielgeschehen eingegriffen: "Wir haben gekämpft bis zum Ende und haben das mit zehn Mann nicht schlecht gemacht. Im Elfmeterschießen waren die Spezialisten wie Petric, Jarolim und Guerrero schon draußen. Vielleicht hätte ich einen Elfmeter nehmen sollen. Wir haben uns viel über Flanken erhofft, aber hatten vorne keine Anspielpunkte."

Das nächste Nordderby steht am 30. April auf dem Programm. Im Uefa-Cup wird zunächst in Bremen gespielt, das Rückspiel folgt am 7. Mai in Hamburg. Nur drei Tage später trifft man sich dann zum Duell in der Liga, bei dem wiederum die Bremer Gastgeber sein werden.

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