Halbzeitanalyse Angriffsfußball statt Abwehrschlacht


Bereits die Anfangsphase der Partie zwischen Italien und Frankreich hatte es in sich. Waren viele vor dem Spiel von einem von Taktik und Defensivriegeln geprägtem Spiel ausgegangen, wurden die 69.000 Zuschauer im ausverkauften Berliner Olympiastadion früh angenehm überrascht. Beide Mannschaften gingen von Beginn an hohes Tempo und versuchten, die Stürmer in Szene zu setzen.

Die erste Schocksekunde hatten die Franzosen zu überstehen. Nach einem Zusammenprall mit Fabio Cannavaro blieb Frankreichs einzige Spitze Thierry Henry verletzt am Boden liegen, konnte dann aber nach einer längeren Behandlung weiter spielen. Kurz, nachdem Henry das Feld wieder betreten hatte, durfte er sich auch schon über den Führungstreffer der "Equipe Tricolore" freuen.

Frankreichs Flügelflitzer Florent Malouda war über die linke Abwehrseite in den Strafraum der Italiener eingedrungen und von Innenverteidiger Marco Materazzi zu Fall gebracht worden. Zinedine Zidane trat zum Elfmeter an und verwandelte in dieser ihm eigenen, einzigartigen Manier (7.). Mit einem gefühlvollen Schlenzer unter die Latte erzielte der Kapitän, der heute zum letzten Mal für Frankreich auflief, einen der abgebrühtesten Elfmetertreffer in der WM-Geschichte.

Durch das frühe Tor blieb keine Zeit für taktische Spielchen bei den defensivstarken Italienern, die bis zum Finale lediglich einen Gegentreffer hinnehmen mussten. Beim 1:1 in der Vorrunde gegen die USA hatte Cristian Zaccardo bezeichnenderweise ins eigene Netz getroffen. Das Team von Trainer Marcello Lippi, der vier Spieler des italienischen Skandalclubs Juventus Turin von Beginn an aufs Feld schickte, spielte munter nach vorne.

In der 19. Minute wurden die Sturmbemühungen dann belohnt. Nach einer Ecke von Andrea Pirlo übersprang Elfmeter-Verursacher Materazzi den französischen Abräumer Patrick Vieira und traf per Kopf zum 1:1-Ausgleich. Torwart Fabien Barthez war in dieser Situation chancenlos. Auch die beste Möglichkeit der Italiener, noch vor der Pause in Führung zu gehen, resultierte aus einer Ecke. Doch in der 36. Minute traf die einzige Spitze der "Squadra Azzurra", Luca Toni, mit einem Kopfball nur die Latte.

Italien - Frankreich 1:1 zur Pause
0:1 Zidane (7.)
1:1 Materazzi (19.)
Italien: Gianluigi Buffon - Gianluca Zambrotta, Fabio Cannavaro, Marco Materazzi, Fabio Grosso - Mauro Camoranesi, Andrea Pirlo, Gennari Gattuso, Simone Perrotta - Francesco Totti - Luca Toni.
Frankreich: Fabien Barthez - Eric Abidal, William Gallas, Lilian Thuram, Willy Sagnol - Patrick Vieira, Claude Makelele - Florent Malouda, Zinédine Zidane, Franck Ribéry - Thierry Henry.
Schiedsrichter: Elizondo (Argentinien)
Zuschauer in Berlin: 69.000 (ausverkauft)

mig



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