Fotostrecke

Fotostrecke: 1954, 1974, 1990, 2014

Foto: Ina Fassbender/ REUTERS

Hall of Fame des Fußballs Grindel ist das Feiern vergangen

Eigentlich sollten im Dortmunder Fußballmuseum die Helden der Vergangenheit in der Hall of Fame gefeiert werden. Doch der SPIEGEL-Bericht über die Einkünfte des DFB-Chefs schlägt auf die Stimmung.

Fast am Ende des Abends sprach er dann doch. Nachdem zunächst Sepp Maier, Franz Beckenbauer, Günter Netzer und auch Lothar Matthäus schon in die Hall of Fame aufgenommen worden waren, die Heroen des deutschen Fußballs, und ihnen danach der Trainer Sepp Herberger an die Seitenlinie gestellt wurde, hatte Reinhard Grindel doch noch seinen Auftritt. Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes trat auf die Bühne des Dortmunder Fußballmuseums und hielt die Laudatio auf die Stürmer Uwe Seeler, Helmut Rahn und Gerd Müller.

Grindel begann staatsmännisch, er war schließlich auch mal Politiker. Der Gewinn der Weltmeisterschaft 1954, zu verdanken wesentlich auch zwei Toren von "Boss" Rahn, sei für viele die wahre Geburtsstunde der Bundesrepublik Deutschland gewesen. Bei Uwe Seeler hob er besonders hervor, dass der Hamburger nie abhob: "Und wenn, dann nur, um ein schönes Kopfballtor zu erzielen." Das eigentliche Thema des Abends allerdings berührte er nicht: die Vorwürfe gegen ihn selbst, ausgelöst durch den SPIEGEL-Bericht über seine Einkünfte.

Dabei war es am Abend ein Termin, eigentlich genau nach dem Geschmack Grindels. Die Helden des deutschen Fußballs waren fast vollständig versammelt, um die Aufnahme in die Hall of Fame zu feiern. Der rote Teppich war ausgerollt, die Scheinwerfer leuchteten, die Fotografen rangelten um die beste Position. Heino und Hannelore flanierten auch über den roten Teppich, warum auch immer.

Reinhard Grindel aber war, um die Fragen zu meiden, durch einen Seiteneingang ins Fußballmuseum gegangen, auf dem ein Fluch zu liegen scheint.

Und wieder das verfluchte Fußballmuseum

Als es im Oktober 2015 eröffnet wurde, überlagerte die Titelgeschichte des SPIEGEL über "Das zerstörte Sommermärchen" die Veranstaltung. Im Mai 2018, als Joachim Löw seinen vorläufigen Kader für die Weltmeisterschaft bekannt gab, mussten der Bundestrainer und vor allem Grindel die Frage beantworten, wie sie denn die Fotos von Mesut Özil und Ilkay Gündogan mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan bewerten.

Und auch die Gala zur Eröffnung der Hall of Fame wurde wieder von einem anderen, dem DFB unangenehmen Thema überlagert: Die Zukunft von Grindel, vom SPIEGEL "Präsident Peinlich" genannt, scheint offener denn je. Am späten Montagabend meldete dann die "Bild"-Zeitung  noch, Grindel habe vor etwa anderthalb Jahren von einem ukrainischen Fußball-Oligarchen eine Luxusuhr als Geburtstagsgeschenk angenommen.

Kritiker aus dem DFB und vor allem wohl auch der DFL sollen darauf drängen, dass der Präsident auf eine erneute Kandidatur beim Bundestag im September verzichtet. Es werden schon Nachfolger gehandelt, Christoph Metzelder etwa, der allerdings auch als Sportdirektor beim FC Schalke 04 im Gespräch sein soll. Auch Philipp Lahm, der an der Seite von Grindel erfolgreich für die deutsche Bewerbung zur EM 2024 warb und Cheforganisator des Turniers ist, gilt als Kandidat. "Heute ist der 1. April", lachte der Weltmeister von 2014 in Dortmund das Gerücht weg.

Rekordnationalspieler Matthäus mied einen frontalen Angriff auf Grindel, forderte aber indirekt, dass eine schnelle Entscheidung über den Chefposten beim größten Sportfachverband der Welt fällt: "Beim DFB wird gerne zu lange rumgeeiert." Und Ligapräsident Reinhard Rauball, dessen Verhältnis zu Grindel als getrübt gilt, gab sich bedeckt: "Ich bin einer der wenigen, der die Dinge, die er zu sagen hat, intern sagt."

Ein ehemaliger Funktionär der DFL fand die deutlichsten Worte. "Das Erscheinungsbild des DFB ist schon seit längerer Zeit verbesserungswürdig", sagte Andreas Rettig. Süffisant fügte der Geschäftsführer des FC St. Pauli an: "Einen Platz in der Hall of Fame würde Grindel hier heute sicher nicht bekommen."

Bundestrainer Löw und auch Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff kamen erst gar nicht in die Verlegenheit, zu ihrem Boss gefragt zu werden. Sie waren gar nicht erschienen.

Mehr lesen über Verwandte Artikel