Hall of Fame des Fußballs Grindel ist das Feiern vergangen

Eigentlich sollten im Dortmunder Fußballmuseum die Helden der Vergangenheit in der Hall of Fame gefeiert werden. Doch der SPIEGEL-Bericht über die Einkünfte des DFB-Chefs schlägt auf die Stimmung.

Ina Fassbender/ REUTERS

Von , Dortmund


Fast am Ende des Abends sprach er dann doch. Nachdem zunächst Sepp Maier, Franz Beckenbauer, Günter Netzer und auch Lothar Matthäus schon in die Hall of Fame aufgenommen worden waren, die Heroen des deutschen Fußballs, und ihnen danach der Trainer Sepp Herberger an die Seitenlinie gestellt wurde, hatte Reinhard Grindel doch noch seinen Auftritt. Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes trat auf die Bühne des Dortmunder Fußballmuseums und hielt die Laudatio auf die Stürmer Uwe Seeler, Helmut Rahn und Gerd Müller.

Grindel begann staatsmännisch, er war schließlich auch mal Politiker. Der Gewinn der Weltmeisterschaft 1954, zu verdanken wesentlich auch zwei Toren von "Boss" Rahn, sei für viele die wahre Geburtsstunde der Bundesrepublik Deutschland gewesen. Bei Uwe Seeler hob er besonders hervor, dass der Hamburger nie abhob: "Und wenn, dann nur, um ein schönes Kopfballtor zu erzielen." Das eigentliche Thema des Abends allerdings berührte er nicht: die Vorwürfe gegen ihn selbst, ausgelöst durch den SPIEGEL-Bericht über seine Einkünfte.

Dabei war es am Abend ein Termin, eigentlich genau nach dem Geschmack Grindels. Die Helden des deutschen Fußballs waren fast vollständig versammelt, um die Aufnahme in die Hall of Fame zu feiern. Der rote Teppich war ausgerollt, die Scheinwerfer leuchteten, die Fotografen rangelten um die beste Position. Heino und Hannelore flanierten auch über den roten Teppich, warum auch immer.

Reinhard Grindel aber war, um die Fragen zu meiden, durch einen Seiteneingang ins Fußballmuseum gegangen, auf dem ein Fluch zu liegen scheint.

Und wieder das verfluchte Fußballmuseum

Als es im Oktober 2015 eröffnet wurde, überlagerte die Titelgeschichte des SPIEGEL über "Das zerstörte Sommermärchen" die Veranstaltung. Im Mai 2018, als Joachim Löw seinen vorläufigen Kader für die Weltmeisterschaft bekannt gab, mussten der Bundestrainer und vor allem Grindel die Frage beantworten, wie sie denn die Fotos von Mesut Özil und Ilkay Gündogan mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan bewerten.

Und auch die Gala zur Eröffnung der Hall of Fame wurde wieder von einem anderen, dem DFB unangenehmen Thema überlagert: Die Zukunft von Grindel, vom SPIEGEL "Präsident Peinlich" genannt, scheint offener denn je. Am späten Montagabend meldete dann die "Bild"-Zeitung noch, Grindel habe vor etwa anderthalb Jahren von einem ukrainischen Fußball-Oligarchen eine Luxusuhr als Geburtstagsgeschenk angenommen.

Kritiker aus dem DFB und vor allem wohl auch der DFL sollen darauf drängen, dass der Präsident auf eine erneute Kandidatur beim Bundestag im September verzichtet. Es werden schon Nachfolger gehandelt, Christoph Metzelder etwa, der allerdings auch als Sportdirektor beim FC Schalke 04 im Gespräch sein soll. Auch Philipp Lahm, der an der Seite von Grindel erfolgreich für die deutsche Bewerbung zur EM 2024 warb und Cheforganisator des Turniers ist, gilt als Kandidat. "Heute ist der 1. April", lachte der Weltmeister von 2014 in Dortmund das Gerücht weg.

Rekordnationalspieler Matthäus mied einen frontalen Angriff auf Grindel, forderte aber indirekt, dass eine schnelle Entscheidung über den Chefposten beim größten Sportfachverband der Welt fällt: "Beim DFB wird gerne zu lange rumgeeiert." Und Ligapräsident Reinhard Rauball, dessen Verhältnis zu Grindel als getrübt gilt, gab sich bedeckt: "Ich bin einer der wenigen, der die Dinge, die er zu sagen hat, intern sagt."

Ein ehemaliger Funktionär der DFL fand die deutlichsten Worte. "Das Erscheinungsbild des DFB ist schon seit längerer Zeit verbesserungswürdig", sagte Andreas Rettig. Süffisant fügte der Geschäftsführer des FC St. Pauli an: "Einen Platz in der Hall of Fame würde Grindel hier heute sicher nicht bekommen."

Bundestrainer Löw und auch Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff kamen erst gar nicht in die Verlegenheit, zu ihrem Boss gefragt zu werden. Sie waren gar nicht erschienen.



insgesamt 11 Beiträge
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beathovenr66 02.04.2019
1. Goldener Handschlag...
ist schon seit einiger Zeit in Vorbereitung und fällig. Der CDU Mann fällt weich, eine parteinahe Stiftung wird sich finden. Der DFB ist klug beraten, sich um einen Mann aus der Praxis zu bemühen.
vliege 02.04.2019
2. Jetzt erst?
Präsident Peinlich war doch von Anfang an eine Fehlbesetzung. Lässt man auch die immer ungenierter grassierende Vorteilsnahme ausser Acht, waren die Auftritte mehr als peinlich. Die Interviews Emotions/ Ahnungslos war das typische Politiker Geseiere. Die Parteisoldaten werden in jegliche Institutionen gehievt. Ob im Sport, bei den öffentlich-rechtlichen oder wo auch immer. Nach Fachkompetenz wird weniger gefragt. Das richtige Parteibuch zählt da inzwischen mehr.
golfstrom1 02.04.2019
3. DFB-Führung
Wie Grindel den DFB seit Jahren führt ist an Peinlichkeit nicht zu überbieten. Hier sieht man, dass der DFB in seiner Spitze extrem weit von seiner Basis mittlerweile weggerückt ist. Der DFB ist nun mal nicht nur die A-Nationalmannschaft. Diese ist sicherlich das Zugpferd und Aushängeschild des DFB aber der Kern sind die vielen tausenden Amateurvereine von Flensburg bis Garmisch-Partenkirchen und von Aachen bis Frankfurt/Oder. Und hier muss eine Veränderung geschaffen werden. In den Amateurvereinen beklagt man seit einigen Jahren eine deutliche Entfremdung zur Verbandsspitze. Die wichtigen Themen des Alltags werden unzureichend bedient vom DFB. Der DFB ruht sich an der Basis auf die Erträge der A-Nationalmannschaft aus. Ein Philipp Lahm oder Christoph Metzdelder täten in dieser Rolle als ehemalige Fußballer dem DFB sehr gut. Beide sind nach wie vor eng an ihren Heimatvereinen dran und kennen die Probleme der Basis. Zudem sind sie als ehemalige Profis und Nationalspieler gut vernetzt und können aufgrund ihrer Rhetorik und Intelligenz Brücken bauen zwischen Amateursport, Bundesligavereinen, Nationalmannschaften und Verbandsspitze.
theinvisibleone 02.04.2019
4. Überfällig
Ein Rücktritt Grindels ist schon längst überfällig. Nicht nur sein mediales Auftreten und seine Interviews sind höchst peinlich. Auch inhaltliche Entscheidungen (z.B. langfristige Vertragsverlängerung des Trainers VOR der WM, bei mieser Turnier-Vorbereitung; Causa Özil/Gündogan) ließen jegliche Fachkompetenz vermissen. Dass er vielleicht sogar noch dem ein oder anderen Geschenk verfallen ist, setzt dem ganzen natürlich noch die Krone auf. Eigentlich unfassbar, nach den Korruptions-Enthüllungen der Blatters, FIFA-Funktionäre etc. der vergangenen Jahre.
rösti 02.04.2019
5. Ja
Herr Grindel ist nur dem System treu geblieben.. Sich als Moral- Apostel hinstellen ( Özil/Gündogans ) und dann sich kleine Präsente schenken zu lassen, für kleine Gefälligkeiten ohne moralischen Bedenken einer Schuld. Hier im Fußball (DFB) fließt viel durch die Zentrale und wo Geld ist Macht.....und wo Macht ist gibt es immer Leute, die sich einen Vorteil mit kleinen Geschenken erkaufen möchten. Aber diese kleinen Geschenke sind wahrscheinlich nur Beiwerk von kleineren Bittstellern, die Großen beigaben sind so gestrickt, das das diese nicht entdeckt werden, diese Leute sind Profis! Solange die Amateur Vereine eine zu Melkende Kuh ist, die man mit man mit ein paar Lederbällen abspeist und die Profivereine sich am Geld trog satt essen können, wird sich am System DFB nichts ändern.
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