Hallen-Kick Unterhaching rettet die Ehre der Bundesliga

Weil sich die Kicker der Eliteklasse in der Halle bevorzugt schonen, schlägt auf dem Kunstrasen die Stunde der Zweitligisten. In Stuttgart haben sich zwei für das Hallenmaster qualifiziert.


Stuttgart - Mauerblümchen SpVgg Unterhaching hat beim überwiegend biederen Buden-Gekicke in Stuttgart eine komplette Blamage der Bundesligisten verhindert. Die Bayern gewannen am Sonntag beim ersten Qualifikationsturnier zum DFB-Hallenpokal das Endspiel gegen FSV Mainz 05 mit 4:3 und damit auch 175.000 Mark Siegprämie. Der Zweitligist hat dennoch wie der Drittplatzierte SSV Reutlingen die Endrunde am kommenden Wochenende in Dortmund erreicht. Für Unterhaching war es der zweite Turniersieg in Stuttgart nach 1998.

"Wir haben in der Halle mehr Ehrgeiz als die Bundesligisten", begründete der Mainzer Abderrahim Ouakili, der beste Akteur des Turniers und einer der wenigen wirklichen Ballzauberer in der nicht ausverkauften Schleyer-Halle, den starken Auftritt der vermeintlichen "Kleinen". "Zudem wird in der Zweiten Liga auf wenig Raum viel aggressiver gespielt." Sein Trainer Eckhard Krautzun wies angesichts von 165.000 Mark Preisgeld auf einen weiteren Aspekt hin: "Wir brauchen das Geld eher als die Bundesligisten."

Für die meisten "Großen" war das Hallen-Gastspiel offensichtlich nur lästige Pflicht. Bis auf den SC Freiburg und den TSV 1860 München traten sie mit nur wenigen Stammakteuren an oder gaben, wie Trainer Ralf Rangnick angesichts der bislang 36 Pflichtpartien seines VfB Stuttgart, zahlreichen Amateuren eine Chance. "Wir würden grob fahrlässig im Sinne des Vereins handeln, wenn wir hier viele unserer Stammspieler einsetzen würden", begründete Rangnick den Rückgriff auf den Regionalliga-Nachwuchs des abstiegsgefährdeten Bundesliga-Vorletzten.

So war es kein Wunder, dass bis auf Unterhaching keiner der sechs Erstligisten das Viertelfinale überstand. Für Titelverteidiger 1. FC Kaiserslautern, TSV 1860 München und Eintracht Frankfurt kam bereits in den Gruppenspielen nach überwiegend schwachen Vorstellungen das frühe Aus. Der SC Freiburg, der noch mit den ansehnlichsten Fußball zeigte, unterlag am Sonntag im Viertelfinale 2:3 gegen Unterhaching. Die 1b-Auswahl des VfB scheiterte im spannendsten Spiel 8:9 (4:4) im Neunmeterschießen an den Nerven starken Reutlingern.

Der SSV Reutlingen bezog zwar im Halbfinale mit 2:7 gegen Unterhaching die höchste "Packung" des Turniers, war aber im für die Dortmund-Qualifikation wichtigen Spiel um Platz drei wieder voll da: Im schwäbischen Zweitliga-Duell ließ der Aufsteiger hier Bundesliga- Absteiger SSV Ulm 1846 keine Chance und gewann 3:0. "Ich glaube, unser Trainer Armin Veh wird sich gar nicht so freuen, dass wir uns für Dortmund qualifiziert haben", sagte der von mehreren Erstligisten umworbene Reutlinger Nachwuchsstar Denis Lapaczinski. Die 155.000 Mark Prämie stimmten die SSV-Verantwortlichen aber auf jeden Fall zufrieden.

Die Zweitligisten nutzten insgesamt ihre Chance, sich vor etwa 12.000 Zuschauern an beiden Turniertagen von ihrer besten Seite zu zeigen. Auch die Stuttgarter Kickers und der 1. FC Saarbrücken schafften den Einzug ins Viertelfinale. "Wir können auch Fußball spielen", setzte Krautzun einen Seitenhieb gegen das Oberhaus. Doch trotz ihrer vielen Coups konnten auch die "Kleinen" nicht für große spielerische Höhepunkte sorgen. Von Budenzauber konnte keine Rede sein, und die meist müde Stimmung auf dem Hallenrasen übertrug sich auch auf die Fans. "Die Zuschauer hätten ein paar bessere Spiele verdient", äußerte Torschützenkönig Ouakili Mitleid mit den Besuchern. Ulms Trainer Hermann Gerland schob die Schuld für die fußballerische Magerkost zu Recht weiter. "Die Frage nach der mangelnden Qualität sollten Sie besser den Bundesliga-Kollegen stellen", sagte er.

Von Jens Marx, dpa



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