Hamann-Interview "Haben uns in einen Rausch gespielt"

Aus taktischen Gründen zu Beginn des Spiels auf der Bank, zur Halbzeit eingewechselt, am Ende einer der Matchwinner. Dietmar Hamann vom FC Liverpool spricht über den sensationellen Triumph im Finale der Champions League gegen den AC Mailand, Dialoge vor dem Elfmeterschießen und der Möglichkeit, doch noch bei den "Reds" zu verlängern.


Liverpools Hamann (l.) und Torhüter Dudek: Matchwinner unter sich
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Liverpools Hamann (l.) und Torhüter Dudek: Matchwinner unter sich

Frage:

Dietmar Hamann, Sie haben mit dem FC Liverpool nach einem furiosen Finale gegen den AC Mailand die Champions League gewonnen. Was bedeutet Ihnen persönlich der Titel?


Dietmar Hamann: Mit diesem Verein, der den Wettbewerb vor 20, 30 Jahren geprägt hat, nun wieder den Titel zu holen, ist einfach sensationell. Natürlich ist das ein Traum, der wahr geworden ist. Wir alle werden Tage brauchen, um das zu begreifen.


Frage: Nach 0:3 noch 3:3 und dann der Sieg im Elfmeterschießen: Haben Sie jemals so ein verrücktes Spiel erlebt wie dieses Finale?


Hamann: Nein, so einen Spielverlauf habe ich noch nie erlebt. Und das dann auch noch in einem Endspiel - unglaublich. Eigentlich war das Spiel schon entschieden. Normalerweise ist es gegen Milan schon schwer genug, noch einmal zurückzukommen, wenn man 0:1 oder 0:2 zurückliegt. Aber Milan hat in der zweiten Halbzeit etwas weniger gemacht, und wir haben uns nach dem Anschlusstor in einen Rausch gespielt und uns mit zwei, drei Verletzten ins Elfmeterschießen gerettet.


Frage: Im Elfmeterschießen sind Sie als erster Liverpool-Spieler angetreten und haben sicher verwandelt. Wie kam es dazu, und wie haben Sie sich gefühlt, als Sie zum Punkt gegangen sind?


Hamann: Der Trainer hat gefragt, wer schießen will, da habe ich mich gemeldet. Ich war natürlich ein wenig angespannt, aber dass Serginho vor mir verschossen hat, hat es ein wenig einfacher gemacht.


Frage: Beim Anpfiff hatte Ihr Trainer Rafael Benitez noch nicht auf Sie vertraut und Sie stattdessen erst nach der Pause gebracht, als das Spiel schon verloren schien. Wie sind Sie damit umgegangen?


Hamann: Ich hätte natürlich gerne von Anfang an gespielt, aber ich muss die Entscheidung des Trainers akzeptieren. Ich habe die ganze Zeit gewusst, dass ich jederzeit reinkommen kann. Es ist zwar nicht einfach, wenn man beim Stande von 0:3 eingewechselt wird, aber ein Champions-League-Finale spielt man nicht jeden Tag. Für mich war es das erste, und deshalb wollte ich alles geben, damit wir unsere letzte Chance nutzen können.


Frage: Sie haben sich mit Liverpool noch nicht auf eine Verlängerung Ihres auslaufenden Vertrages geeinigt. Angeblich steht Ihr Abschied unmittelbar bevor. War das Finale Ihr letztes Spiel für die 'Reds'?


Hamann: Wenn es so sein sollte, wäre es ein sehr schöner Abschluss. Es ist aber noch keine Entscheidung gefallen. Wir werden uns nun erst mal ein paar Tage freuen, dann werden wir uns nochmal unterhalten, und dann wird, denke ich, nächste Woche eine Entscheidung fallen.


Frage: Unabhängig davon, ob Sie weiter für Liverpool spielen: Wie stehen Sie zu der Diskussion, ob der Klub als Titelverteidiger einen Startplatz für die kommende Saison erhalten soll, obwohl er sich über die Premier League nicht qualifizieren konnte?


Hamann: Ich denke, jeder ist der Meinung, dass der Champions-League-Sieger in der neuen Saison dabei sein soll. Wir haben unseren Teil erledigt. Der Rest liegt nicht in unserer Hand. Aber ich hoffe, dass die Uefa eine entsprechende Entscheidung treffen wird.


Aufgezeichnet von Holger Schmidt (sid)



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