HSV-Profi Bakery Jatta Hamburger Pass-Spiel

HSV-Profi Bakery Jatta wird vorgeworfen, unter falscher Identität nach Deutschland gekommen zu sein. Klar ist: Einen Asylbetrug hat der Fußballer nicht begangen. Auch eine Abschiebung ist unwahrscheinlich.

HSV-Profi Bakery Jatta kommt zum Training seiner Mannschaft
Christian Charisius DPA

HSV-Profi Bakery Jatta kommt zum Training seiner Mannschaft

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Was ist der aktuelle Stand im Fall Jatta?

In der Angelegenheit um HSV-Profi Bakery Jatta sind zahlreiche Fragen noch offen. Ob Jatta unter falschem Namen oder einer falschen Altersangabe 2015 aus Gambia nach Deutschland gekommen ist - darüber gibt es bisher nur Verdachtsmomente, die die "Sport Bild" aufgebracht hat. Das Blatt beruft sich auf Angaben von zwei Trainern aus Gambia, die sagen, Bakery hieße tatsächlich mit Nachnamen Daffeh und sei zwei Jahre älter, als bisher angenommen wurde. Er sei damit nicht als minderjähriger Flüchtling nach Deutschland gekommen, sondern damals schon volljährig gewesen.

Das zuständige Bezirksamt Hamburg-Mitte prüft den Fall jetzt noch einmal. Der Hamburger SV hatte das Alter des Jungprofis 2016 vor der Verpflichtung medizinisch untersuchen lassen, weil schon damals darüber spekuliert worden war, und hatte danach keine Bedenken, Jatta unter Vertrag zu nehmen.

Wie ist der offizielle Status von Jatta?

Nach seiner Ankunft in Deutschland erhielt Jatta wegen seiner Minderjährigkeit zunächst einen Duldungsstatus. Danach bekam er eine Aufenthaltserlaubnis, die kürzlich erst bis ins Jahr 2022 verlängert wurde. Das Bundesamt für Migration hat zudem mitgeteilt, dass Jatta nie einen Asylantrag gestellt hat.

Welcher Vorwurf steht überhaupt im Raum?

Jatta könnte sich der Urkundenfälschung schuldig gemacht haben. Das würde dann wahrscheinlich ein Strafverfahren nach sich ziehen, welches sich auch auf die Arbeitserlaubnis und die Spiellizenz niederschlagen könnte. Der Verdacht des Asylbetrugs, der nach den ersten Meldungen in der Öffentlichkeit am Mittwoch ebenfalls aufkam, hat sich bereits erledigt, da Jatta überhaupt kein Asyl beantragt hat.

Wie reagiert der Verein, wie die Verbände?

Der HSV hat sich am Donnerstag eindeutig zu seinem Spieler bekannt. Jatta werde "auch weiterhin voll umfänglich am Trainings- und Spielbetrieb eingeplant", teilte der Verein mit. Bakery Jatta sei "ein wertvoller Spieler und voll integrierter, geschätzter Teamkollege". Der Klub erwarte zudem, dass DFB und DFL eine "schnelle Aufklärung des Sachverhaltes" anstreben. Sportdirektor Jonas Boldt beklagte zudem, dass sich der Spieler durch die Veröffentlichungen einem "gesellschaftlichen Spießrutenlauf ausgesetzt" sehe.

Beide Verbände haben sich am Donnerstag am frühen Abend ebenso dazu zu Wort gemeldet. DFB und DFL stellten klar: "Da es bisher keinen Beweis für eine falsche Identität des Spielers gibt, behält die Spielberechtigung für Bakery Jatta, geboren am 6. Juni 1998, aktuell ihre Gültigkeit." Das heißt: Jatta darf auch am Sonntag beim Pokalspiel beim Chemnitzer FC (18.30 Uhr) auflaufen. Für den HSV ist das eine wichtige Nachricht: Jatta ist mittlerweile Stammspieler und Leistungsträger der Mannschaft. Und spätestens seit seinem Tor im DFB-Pokalhalbfinale gegen RB Leipzig auch ein Publikumsliebling.

Muss der Spieler eine Abschiebung befürchten?

In letzter Konsequenz wäre das möglich, wenn Jatta tatsächlich falsche Angaben gemacht haben soll. Der Bezirksamtsleiter Mitte, Falko Droßmann, sagte dem NDR: "Die Gründe für die damalige Duldung sind dann ja weggefallen, und dann wird auch der Aufenthalt rückwirkend verwirkt."

Dennoch ist eine Abschiebung wenig wahrscheinlich. Jatta ist als Profifußballer nachweislich integriert, hat einen bestehenden Vertrag mit dem Arbeitgeber Hamburger SV. Spitzensportler wie Jatta erhalten zudem gewöhnlich leichter eine Arbeitserlaubnis. Zudem wird zwar theoretisch auch von Hamburg nach Gambia abgeschoben, in der Praxis geschieht dies allerdings selten: 2018 wurden nach Angaben des "Hamburger Abendblatts" drei Menschen in das westafrikanische Land abgeschoben, 2019 noch niemand.

Gibt es mögliche Konsequenzen für den Verein?

Die sind möglich, wenn der Verein aktiv an einer Täuschung beteiligt war. Der HSV hat dies zurückgewiesen und auf die gültige Aufenthaltserlaubnis und den gültigen Reisepass des Spielers verwiesen.

Welche Folgen hat es für den Spielbetrieb der zweiten Liga?

Höchstwahrscheinlich keine. Der 1. FC Nürnberg hat zwar Einspruch gegen die Wertung der 0:4-Heimniederlage vom Montag eingelegt, weil dort auch Jatta für den HSV gespielt hat. Die Chance, dass der Verein damit durchkommt, ist allerdings gering. Nürnbergs Trainer Damir Canadi hat das Spiel nach eigenem Bekunden bereits "abgehakt".

Der SV Darmstadt, Gegner des HSV am ersten Zweitligaspieltag (1:1), verzichtet auf Protest. "Wir haben bewusst auf einen Einspruch verzichtet, weil in unseren Augen offensichtlich kein bewusst unsportliches Verhalten seitens des Hamburger Sportvereins vorliegt", teilte das Darmstädter Präsidium mit. Der HSV habe "glaubhaft versichert, gültige Dokumente des Spielers zu besitzen".

Anmerkung: In einer früheren Version des Textes wurde der Duldungsstatus mit einer Aufenthaltserlaubnis gleichgesetzt. Wir haben den Fehler korrigiert.



insgesamt 93 Beiträge
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Seite 1
mailo 09.08.2019
1. Schlechte Verlierer
Armes Nürnberg
alles_auf7 09.08.2019
2. Siehe Shakespeare
Also: Viel Lärm um nichts. So viel Theater wegen einer Luftblase der Blödzeitung. Wofür die Geld ausgeben, unglaublich.
Europa-Realist 09.08.2019
3. 06. Juni 1998 => 21 Jahre?
Jeder sollte vor dem Gesetz gleich behandelt werden. Ob das in diesem Fall in Hamburg noch möglich sein wird, ist äußerst fraglich. Nach dem äußeren Erscheinungsbild bestehen aber bereits Zweifel an den Altersangaben, wenn nun auch noch zwei ehemalige Trainer in Gambia unabhängig voneinander ein anderes Alter und sogar einen anderen Namen des Spielers bestätigen, sind mehr als nur Indizien für einen "Fehler" vorhanden. Dass die HSV-Führung ihre Hände nun in Unschuld waschen möchte, obgleich bei dieser zunächst selbst altenkundig Zweifel an den Angaben des Spielers bestanden, ist zwar verständlich, weil so Unannehmlichkeiten für sich und den Verein vermieden werden könnten, macht am Ende aber vermutlich alles nur noch schlimmer. Solange der Spieler erfolgreich Fußball spielt, wird er geschützt sein, was aber, wenn die Erfolge ausbleiben? Die Stimmung kann sich auch drehen ... Deshalb: Klärt die Sache möglichst zügig uns akribisch auf!
kohle+reibach 09.08.2019
4. Der HSV...
...wäre dumm, wenn er den Spieler jetzt noch einsetzt. Denn wenn herauskommt, das Bakery Jatta nicht der ist, der er vorgibt zu sein, können sämtliche Gegner Protest gegen die jeweilige Spielwertung einlegen. Wie es auch schon Nürnberg getan hat. So viel Dummheit würde aber zur HSV Klubführung passen.....
uksubs 09.08.2019
5. theater
nürnberg sollte die beschwerde schnell zurückziehen, in dem wissen, dass alles andere nur von kräften wie der afd instrumentalisiert werden
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