HSV-Erfolg beim FC St. Pauli Derbysieg statt Spielabbruch

Der Druck beim zuletzt schwächelnden Hamburger SV war groß vor dem Spiel beim FC St. Pauli. Aber im Derby feierte das Team einen überzeugenden Sieg - den die Fans fast noch verhindert hätten.

Pierre-Michel Lasogga (l.)
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Pierre-Michel Lasogga (l.)

Aus dem Millerntor-Stadion berichtet


Was passiert eigentlich, wenn ein Fußballspiel wegen des dauerhaften Einsatzes von Pyrotechnik auf den Tribünen abgebrochen werden muss? Weder St. Pauli-Trainer Markus Kauczinski noch sein HSV-Kollege Hannes Wolf konnten diese Frage nach dem jüngsten Hamburger Stadtderby beantworten.

Schon vor dem Anpfiff hatten beide Fanlager mit ihren Choreos für eine beeindruckende Atmosphäre gesorgt, die selbst in der Bundesliga selten zu beobachten ist. Weil aber nach Anpfiff vor allem gezündelt wurde, entschied sich Schiedsrichter Felix Brych nach starker Rauchentwicklung aus dem Gästeblock bereits nach fünf Minuten für eine kurze Spielunterbrechung. In der 82. Minute, beim Stand von 0:3, schickte er beide Teams sogar in die Kabine, diesmal gab es allerdings Feuer im St. Pauli-Block. Auch ein Spielabbruch schien möglich.

Als die Partie dann doch wieder lief und Douglas Santos in der 88. Minute das 4:0 schoss, brannte dann wieder im HSV-Block ein Bengalo. Wild gestikulierend versuchten die Spieler ihre Fans zur Vernunft zu bringen. Auch Trainer Wolf überkam in diesem Moment Panik, wie er nach dem Spiel verriet. Der Hamburger SV war kurz davor, sich selbst um einen denkwürdigen Derbysieg zu bringen. Doch so weit kam es nicht.

Klassenunterschied auf dem Platz

Der HSV hat in dieser Saison selten geglänzt, aber konstant genug gepunktet, um in der Tabelle fast durchgängig auf einem Aufstiegsplatz zu stehen. Gerade in den vergangenen Wochen schien es jedoch, als könnte das sicher geglaubte Ziel Wiederaufstieg noch einmal in Gefahr geraten. Vor dem Derby beim FC St. Pauli hätte der Druck auf die Mannschaft kaum größer sein können.

Beim Gastgeber war die Hoffnung groß, die schwierige Situation beim Stadtrivalen noch zu verschärfen. Und schließlich war dieses Spiel doch eigentlich perfekt geeignet für einen Derby-Helden mit Namen Alexander Meier gewesen. Den verlorenen Sohn des HSV, den sie nach seiner Rückkehr ans Millerntor inniger lieben als je zuvor.

Der HSV hatte keine Lust auf Millerntor-Romantik und so konnte die Alternative für den Spieler des Tages nur Pierre-Michel Lasogga lauten. Der Angreifer köpfte nicht nur die Führung (32. Minute), sondern entschied die Partie auch mit seinem zweiten Treffer zum 3:0 endgültig (61.). Zwischendurch hatte Khaled Narey auf 2:0 erhöht (53.).

Dabei gab es ihn schon, diesen Meier-Moment, als der Stürmer aus 20 Metern frei zum Schuss kam und das Stadion kurz ganz laut wurde. Doch es lief bereits die 79. Minute und Meier traf nur neben das Tor. Dass Santos bei seinem 22-Meter-Schuss zum 4:0 (88.) kaum noch gestört wurde, zeigte, wie deutlich der FC St. Pauli sich dem großen Stadtrivalen gegen Ende der Partie schon ergeben hatte.

"Es war richtig, dass der HSV gewonnen hat"

Wie chancenlos sein Team war, ordnete Kauczinski nach der Partie ein. "Es gibt keinen Zweifel, dass der HSV die bessere Mannschaft war. Wir haben heute seine Klasse gesehen", sagte der St. Pauli-Coach. "Mit solchen Topteams können wir nicht mithalten." Glück für den FC St. Pauli: Davon gibt es in der Liga nur wenige - und die Aufstiegsränge sind auch nach dieser Niederlage nur vier Punkte entfernt.

Jubel beim HSV
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Jubel beim HSV

Zu den Topteams zählt unbestritten der Hamburger SV, gerade wenn er so auftritt wie in diesem Derby. Dass sich seine Mannschaft genau diesen Tag ausgesucht hatte, um seine ganze Klasse zu zeigen, machte Trainer Wolf sichtlich glücklich. Er sprach von einem "Erlebnis, das gut tut". Und das nicht nur, weil es ein Prestigeerfolg war, sondern auch ein Sieg gegen einen direkten Aufstiegskonkurrenten, dem der HSV nun wieder sieben Punkte voraus ist.

Doch was wäre nun gewesen, wenn die Spieler nach ihrem Abgang in der 82. Minute tatsächlich nicht aufs Feld zurückgekehrt wären? Dann hätten die HSV-Fans heute eher keinen Derbysieg feiern dürfen, sondern müssten auf die Entscheidung des Sportgerichts warten. Es wäre ein weiteres denkwürdiges Ereignis in einer an denkwürdigen Ereignissen nicht gerade armen Klubhistorie gewesen. Doch darauf kann man beim HSV gut verzichten.

Anmerkung: In einer früheren Version hieß es, die Spielunterbrechung in der 82. Minute kam durch den Pyroeinsatz der HSV-Fans zustande. Tatsächlich ging diese Unterbrechung auf den Einsatz von Pyrotechnik durch St. Pauli-Fans zurück. Diese Angabe haben wir korrigiert.



insgesamt 34 Beiträge
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dragondeal 10.03.2019
1. Wäre
eine interessante Entscheidung vor dem Sportgericht geworden. Zwar war das Verhalten der HSVler wohl übler, aber gezündelt wurde auf beiden Seiten und dafür, was von dem Zeug ins Stadion kommt, ist in erster Linie der Heimverein verantwortlich.
tommix68 10.03.2019
2. Die Farben Hamburgs...
... sind damit geklärt. Wie man auf Twitter lesen konnte skandierten die Ultras ja schon vor dem Spiel: Sieg oder Spielabbruch! Somit ist die Intention der 'Pauli-Fans' ganz klar. Und wenn man den Trainer hört: "Mit solchen Topteams können wir nicht mithalten." Glück für den FC St. Pauli: Davon gibt es in der Liga nur wenige... Ja sorry, was glaubt ihr was euch erwartet, solltet ihr aufsteigen?
nextgen 10.03.2019
3. stolz
ich denke der hsv erkennt wieder zu was er fähig ist und wo er hingehört.Mit stolz kann der HSV vieles erreichen.ich denke nächste Saison in der buli spielt der HSV um die Plätze 6 bis 9.
Fairplayground 10.03.2019
4. Peinlich, was die Südkurve da aufgeführt hat
Man kann gewinnen, man kann verlieren. Aber was die Südkurve da aufgeführt hat, war nur noch peinlich. Infantile Sprüche, riskante Pyroaktionen, Fake-Aktionen im G20-Style. Das war würdelos und hat mit St.Pauli nullkommanix zu tun.
simkk 10.03.2019
5. Spiel gesehen?
Der Autor scheint einige Dinge nicht mitbekommen zu haben, etwa dass es aus dem Block des FC St. Pauli mindestens ebenso heftige Pyroaktionen gab. Davon lese ich im Beitrag gar nichts, genauso wenig davon dass gerade die Heimfans in der 82. Minute einen Abbruch provozieren wollten und es aus dem Gästeblock nach dem zweiten Treffer bis zum Abpfiff äußerst ruhig blieb. Hauptsache, man kann die HSV Fans als hohle Dumpfbacken, die beinahe ihren eigenen Sieg verschenken, abtun. Zündelnde Idioten gab es auf beiden Seiten nicht zu knapp...
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