Bundesliga-Spitzenreiter HSV Aufstand der Luschen

Man reibt sich die Augen: Der Hamburger SV steht nach dem Sieg gegen Köln auf dem ersten Tabellenplatz. Doch nicht nur das Ergebnis ist kurios, das Spiel war es ebenfalls - und hatte 13 Minuten Überlänge.

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Spitzenreiter. Spitzenreiter? Spitzenreiter! Wo soll das nur hinführen? Der Hamburger SV gewinnt gegen Köln 3:1 (2:0) und steht auf Platz eins der Bundesliga-Tabelle - erstmals seit dem 3. Oktober 2009. Zwei Spiele, sechs Punkte, davon kann der 1. FC Köln nur träumen. Mit null Punkten hat der Europa-League-Teilnehmer einen Fehlstart hingelegt.

Die Tore: Die ersten beiden Treffer für den HSV fielen nach Standardsituationen - und mit tatkräftiger Unterstützung der Kölner. Beim 1:0 von André Hahn (28. Minute) konnten die Gastgeber den Ball nicht klären. Auch vor dem 2:0 von Bobby Wood (34. Minute) bekamen die Kölner den Ball nicht weg. Den Anschlusstreffer von Frederik Sörensen in der Nachspielzeit konnte Lewis Holtby zwei Minuten später kontern. Hier geht es zum Spielbericht.

On-off-Spieler: Luca Waldschmidt kam erst in der 29. Minute für den verletzten Aaron Hunt ins Spiel, der Hamburger Nichtabstiegsheld der vergangenen Saison musste jedoch in der 62. Minute das Feld wieder verlassen - aus taktischen Gründen. Für den 21-Jährigen kam Gideon Jung, der die Position von Mergim Mavraj besetze, nachdem dieser vom Platz geflogen war.

Schiedsrichter-Tausch: Referee Felix Brych wechselte sich in der 49. Minute selbst aus. Wegen einer Verletzung am rechten Bein konnte er nicht weitermachen und humpelte, gestützt von Kölns Kapitän Matthias Lehmann, vom Platz. Für ihn übernahm der vierte Offizielle Sören Storks die Pfeife. Und der stand gleich im Mittelpunkt.

Kölns Matthias Lehmann stützt Schiedsrichter Felix Brych
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Kölns Matthias Lehmann stützt Schiedsrichter Felix Brych

Gelb-Rot nach einer Minute: Storks war exakt 49 Sekunden auf dem Platz, da musste er schon eine folgenschwere Entscheidung treffen. Der Schiedsrichter zeigte HSV-Abwehrspieler Mavraj Gelb-Rot, nachdem dieser seinen Gegenspieler Córdoba am Trikot festgehalten hatte. Die erste Gelbe Karte hatte der Verteidiger bereits in der dritten Minute gesehen. In der Bundesliga-Geschichte hatte ein Ersatz-Schiedsrichter noch nie einen Platzverweis ausgesprochen.

Ramsch-Rekord: Dennis Diekmeier schießt nur selten Tore. Moment, das ist falsch. Er schießt überhaupt keine Tore. Und weil der HSV-Verteidiger nun 183 Spiele ohne Torerfolg hinter sich gebracht hat, darf er sich Rekordhalter nennen: Mehr Spiele ohne Treffer hat kein anderer Bundesliga-Spieler am Stück absolviert. Als Diekmeier im Vorfeld der Partie auf die "Bestmarke" angesprochen wurde, sagte er übrigens: "Jetzt hole ich mir den Rekord. Und dann fange ich an zu treffen." Optimistisch.

Überlänge: Von diesem Spiel konnten die Beteiligten offenbar nicht genug bekommen. 13 Minuten Nachspielzeit gab es, vor allem natürlich aufgrund des Schiedsrichterwechsels. Hört sich deftig an, doch die Besucher der Bezirksligapartie zwischen Bottrop und BW Wesel können darüber nur müde lächeln: 2007 gab es dort 28 Minuten extra!

Scheinattacke: Kyriakos Papadopoulos ist eigentlich ein harter Bursche, doch auch ein starker Verteidiger hat mal einen schwachen Moment. Nach dem Anschlusstreffer war Kölns Córdoba im HSV-Strafraum an dem Griechen vorbeigelaufen und hatte ihn leicht berührt. Der Getroffene fiel theatralisch zu Boden, Schiedsrichter Storks bemühte den Videobeweis - und zeigte Papadopoulos die Gelbe Karte wegen Schwalbe.

Kyriakos Papadopoulos
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Kyriakos Papadopoulos

Ärger über Eurosport Player: Wer sich auf einen gemütlichen Fußballabend vor dem Laptop gefreut hatte, wurde enttäuscht - zumindest, wenn er die Partie über den Eurosport Player verfolgen wollte. Aufgrund technischer Probleme sahen viele Fans anstelle der Tore nur Fehlermeldungen.

Aufstand der Luschen: "Der HSV ist ein Phänomen, weil die Luschen immer hier hängen bleiben" - das hatte Geldgeber Klaus-Michael Kühne jüngst im SPIEGEL-Interview gesagt. Ob das bei den Profis einen Nerv getroffen hat? Angesichts der jüngeren HSV-Historie sollte man jedoch ein paar Spieltage abwarten, bevor man zu einer Beurteilung dieser Frage kommt.



insgesamt 28 Beiträge
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cirus27 26.08.2017
1. wer ist schon neymar? wer will schon dembélé?
weltspitzenklassefussball wird nur beim HSV gespielt. und auch keine ablenkung durch den albernen dfb-pokal mehr: volle konzentration auf die meisterschaft! oh: jetzt hat der wecker geklingelt... schade!
Robert_Rostock 26.08.2017
2.
Es gibt im Fußball wenig, was alberner ist als das Abfeiern der Tabellenführung am zweiten Spieltag. Mit Sicherheit gehört aber das Abfeiern der Tabellenführung nach dem Freitagspiel des zweiten Spieltages dazu.
social_d 26.08.2017
3. Sechs mal Deutscher Meister
Dreimal Pokalsieger, immer erste Liga, HSV!
micheleyquem 26.08.2017
4. Peinliches Spiel...
DIe ein kleines bisschen weniger schlechte Mannschaft hat gewonnen. Sogar der Schiri erfand eine Ausrede und ging schon nach einer knappen Stunde nach Hause... Köln gegen Arsenal? Es darf gelacht werden.
karliboy 26.08.2017
5. Glückwunsch HSV!
Nach den letzten Jahren darf der HSV durch die gute Arbeit von Markus Gisdol doch wohl auch mal wieder etwas Auftrumpfen. Und der hochgelobte Effzeh wurde auch nur durch eben einen druckvollen HSV zu seinen Fehlern gezwungen. Nur so kommen Fehler zustande! So ist das nunmal im Fußball. Und nun darf sich endlich mal Herr Kühne mit Fug und Recht mal so richtig freuen.
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