Verwirrung um HSV-Profi Der Fall Bakery Jatta

Seit 2016 spielt Bakery Jatta beim Hamburger SV. Die Geschichte des Flüchtlings, der sich zum Fußballprofi hocharbeitet, sorgte für Schlagzeilen. Nun gibt es Zweifel an Jattas Lebenslauf.

"Er hat einen gültigen Pass. Der wurde überprüft": Bakery Jatta
Christian Charisius / DPA

"Er hat einen gültigen Pass. Der wurde überprüft": Bakery Jatta


Ist HSV-Profi Bakery Jatta wirklich Bakery Jatta? Oder ist sein wahrer Name Bakary Daffeh? Das zumindest behauptet die "Sport Bild" in einem Bericht über den 2015 nach Deutschland gekommenen Gambier. Dort heißt es, der Profi habe möglicherweise in den vergangenen Jahren unter falscher Identität für den Hamburger SV gespielt. Eigentlich heiße er Bakary Daffeh und sei nicht 21 Jahre alt, sondern 23.

Der Mann, der in Deutschland als Bakery Jatta bekannt ist, kam eigenen Angaben zufolge 2015 aus Gambia durch die Sahara und über das Mittelmeer nach Deutschland. Die "Sport Bild" stellte die Frage, ob Jatta sich mit einer falschen Identität möglicherweise Vorteile bei einem Asylverfahren in Deutschland verschaffen wollte. Als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling hätte er demnach größere Chancen gehabt zu bleiben. Die "Sport Bild" korrigierte die Passage später und sprach von einem Verfahren einer Aufenthaltsgenehmigung.

Jatta hat keinen Flüchtlingsstatus

Einen Asylantrag hat Jatta laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) nie gestellt. Einen Tweet mit dieser Information bestätigte ein Sprecher der Behörde dem SPIEGEL. Sollte er bezüglich seiner Identität geschwindelt haben, tat er dies demnach zumindest nicht, um sich einen offiziellen Flüchtlingsstatus zu erschleichen. Jatta hat weder Flüchtlingsschutz noch eine Asylberechtigung. Unklar ist aber, inwieweit die Minderjährigkeit nach seiner Einreise eine Rolle dabei gespielt hat, ob er bleiben darf oder ob er daraus andere Vorteile gezogen hat.

Für seine Anstellung beim HSV erhielt Jatta eine Aufenthaltserlaubnis über drei Jahre. Diese wurde zuletzt verlängert, laut "Hamburger Abendblatt" um drei Jahre. Das Bezirksamt Hamburg-Mitte werde "den Fall intensiv prüfen und den Hinweisen nachgehen", sagte eine Sprecherin der Behörde.

Die "Sport Bild" sammelte laut ihrem Bericht Indizien, wonach Jatta entgegen eigener Aussagen in seiner Heimat unter dem Namen Daffeh bereits für mehrere afrikanische Klubs und auch für die U20-Nationalmannschaft Gambias gespielt hat. Bei seiner Vorstellung in Hamburg 2016 hatte Jatta noch gesagt: "Ich habe in Afrika in keinem Verein gespielt, das gab es dort nicht."

Welche Konsequenzen die mögliche Identitätsfälschung für Jatta haben könnte, lässt sich allerdings mit dem jetzigen Wissensstand kaum beurteilen. Offenbar hängt sein Verbleib in Deutschland aber auch von seiner Anstellung beim Hamburger SV ab. Sollte sich herausstellen, dass Jatta seine Identität gefälscht hat, könnten die Behörden laut "Zeit" über ein Rücknahmeverfahren entscheiden, dann könnte Jattas Aufenthaltsrecht zurückgenommen werden.

HSV verweist auf Aufenthaltsgenehmigung

Efe-Firat Aktas, Berater von Jatta, war für den SPIEGEL bislang nicht zu erreichen. Dem "Hamburger Abendblatt" sagte er: "Er hat einen gültigen Pass. Der wurde überprüft. Alles andere ist für uns nicht relevant." Der Ausweis sei mehrfach kontrolliert worden.

HSV-Vorstandschef Bernd Hoffmann ließ auf SPIEGEL-Anfrage mitteilen: "Wir haben Bakery Jattas gültigen Reisepass inklusive Aufenthaltsgenehmigung vorliegen. Bakery hat sich seit seiner Ankunft bei uns als tadelloser Sportsmann und als verlässlicher Mitspieler gezeigt. Er hat sich schnell in unsere Mannschaft und in unseren Klub integriert. Wir schätzen ihn als Spieler und Menschen."

"Wir haben Bakery Jattas gültigen Reisepass": HSV-Boss Bernd Hoffmann
DPA

"Wir haben Bakery Jattas gültigen Reisepass": HSV-Boss Bernd Hoffmann

Laut "kicker" wusste der HSV schon seit einer Woche von den Recherchen der "Sport Bild" und sprach Jatta darauf an. Der hielt an seiner Darstellung fest, als minderjähriger Flüchtling nach Deutschland gekommen zu sein und zuvor nicht organisiert Fußball gespielt zu haben.

Nichtsdestotrotz will sich der DFB des Themas annehmen. "Der Kontrollausschuss wird den Sachverhalt untersuchen", sagte der Gremiumsvorsitzende Anton Nachreiner dem Sport-Informations-Dienst. Am Abend teilte der DFB zudem mit, dass der 1. FC Nürnberg fristgerecht Einspruch gegen die Wertung des 4:0-Siegs der Hamburger am Montag in Nürnberg eingelegt hat, weil Jattas Spielberechtigung unter den Umständen einer möglichen Identitätsfälschung unwirksam sei. Das DFB-Sportgericht habe bereits um eine HSV-Stellungnahme gebeten und werde "zu gegebener Zeit" über den Einspruch befinden.

tbe/ptz/sid



insgesamt 144 Beiträge
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retterdernation 07.08.2019
1. Der HSV ist immer für eine Überraschung gut
was in diesem Fall auf einen einzigen Spieler zurückzuführen ist. Eigentlich. Denn wenn die Verantwortlichen des HSV von dem Vorgang wussten - und den Spieler trotzdem einsetzten, muss man jetzt auch die möglichen Folgen tragen. Punktabzug. Bei einer gefälschten Identität die einzig mögliche Strafe. Dumm für den HSV. Sehr dumm für Jatta. Super für Nürnberg.
lattenkracher11 07.08.2019
2. Nichtssagend
Die Aussagen des HSV beziehen sich praktisch nicht auf die Vorwürfe. Er hat einen gültigen Pass, wann wurde der ausgestellt? Vor der Abreise aus Gambia? Ich vermute nicht. Offensichtlich stellt man sich auf die Seite des Spielers, mal gespannt, wie es ausgeht und was der HSV dann über den großen Sportsmann sagt.
weltverbesserer75 07.08.2019
3.
Nun wird einem jungen Mann, der nach Europa flüchtete und hier seinen Traum lebt, wegen einer solchen Lappalie eventuell alles genommen. Sehr schade.
Diskotier 07.08.2019
4. Armselig
Ich bin echt kein HSV Fan, aber das Nürnberg mal einfach direkt Einspruch gegen die Wertung einlegt, finde ich echt armselig.
Claudius32 07.08.2019
5. Er arbeitet und verdient legal!
Kein Ayslbetrug und kein illegale Nutzung unserer Sozialsysteme! Das unterscheidet ihn ggf schon grundsätzlich. Hier kann man doch entspannt prüfen, was dran ist an dem Verdacht und dann entscheiden, ob man ihn wegen Falschaussagen irgendeine Geldstrafe aufdrückt und dann seinen Aufenthalt legalisiert.
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