HSV-Sieg gegen Dortmund Ein wohltuend normales Spektakel

Mit ein bisschen Verspätung, aber ohne Zwischenfälle ging das Bundesligaspiel zwischen Hamburg und Dortmund über die Bühne. Auf dem Rasen ging es dann aber alles andere als gewöhnlich zu: Der HSV ließ dem BVB keine Chance. Der Überblick.

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Die Ausgangslage: Normalerweise schreiben wir an dieser Stelle etwas zu den jüngsten Statistiken der Teams, zum direkten Vergleich, zu den Stars der Mannschaften. Aber was ist schon noch normal, nach den Terroranschlägen vor einer Woche in Paris? Die Antwort lautet nach diesem Abend zum Glück: Ein Bundesligaspiel, dass (fast) wie geplant stattfinden kann (dazu später mehr) und nach dem alle gesund wieder nach Hause gehen - das ist normal, wohltuend normal. Und deswegen hier doch noch eine Statistiken: Der HSV hatte vor diesem Duell zum Auftakt des 13. Spieltags nur eines seiner letzten neun Heimspiele gegen den BVB verloren.

Vor dem Anpfiff: Wenige Minuten vor dem geplanten Spielbeginn um 20.30 Uhr waren im eigentlich ausverkauften Hamburger Stadion noch viele Plätze frei. Doch der Grund waren laut HSV-Sportdirektor Peter Knäbel weder Angst der Zuschauer vor Anschlägen noch die Folgen der deutlich erhöhten Sicherheitsmaßnahmen, sondern ein ganz profaner Stau rund ums Stadion. Denn außer dem Fußballspiel fand in der benachbarten Arena ein Konzert der Band "Unheilig" statt. Das Spiel fing nach Gedenkminuten für die Opfer von Paris und für Helmut Schmidt mit 15 Minuten Verspätung an.

Das Ergebnis: 3:1 (2:0), Borussia Dortmund kassierte seine zweite Saisonniederlage.

Mannschaft von BVB und HSV: Gedenkminuten vor dem Anpfiff
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Mannschaft von BVB und HSV: Gedenkminuten vor dem Anpfiff

Die erste Hälfte: Die Hamburger störten den BVB extrem früh und ließen kaum durchdachte Angriffe der Dortmunder zu. Marco Reus und Henrich Mchitarjan wurden meist von gleich zwei Gegenspielern unter Druck gesetzt, bis der Ball weg war. Das Besondere dabei: Nach dem Ballgewinn wusste der HSV ganz genau, was er damit anfangen sollte. Vor dem 1:0 war es ein starker Pass von Lewis Holtby auf Ivo Ilicevic, der zum Elfmeter führte. Pierre-Michel Lasogga verwandelte, es war sein sechster Saisontreffer. Vor dem zweiten Tor behielt Nicolai Müller - anders als die BVB-Verteidigung - die Übersicht. Der ehemalige Mainzer Tuchel-Schüler legte für Holtby vor und wieder hatte Roman Bürki keine Chance.

Die zweite Hälfte: Dortmunds Trainer Thomas Tuchel brachte Lukasz Piszczek (für Matthias Ginter) und Gonzalo Castro (für Shinji Kagawa) in die Partie. Doch die beiden Neuen schafften es nicht, der Partie noch eine Wendung zu geben, im Gegenteil, sie ließen sich anstecken von der Fahrigkeit ihrer Kollegen. Das 0:3 war die Vorentscheidung, die wenigen guten Chancen vergaben die Borussen entweder oder scheiterten an René Adler. Erst in der 86. Minute traf Pierre-Emerick Aubameyang mit seinem 15. Saisontor zum 1:3, die turbulenten Schlussminuten überstanden die Hamburger ohne weitere Gegentore.

Ungeheuer-Kopfball des Spiels: Mats Hummels ist an guten Tagen einer der elegantesten Innenverteidiger Europas, immer Herr der Lage, immer einen Schritt voraus. Das war keiner dieser Tage. Wie der Rest des Teams stand der Nationalspieler oft falsch, wirkte nervös, machte Fehler. Einzig im Kopfballspiel war er gewohnt dominant. Auch in der 55. Minute hielt Hummels nach einer Ecke der Hamburger seinen Kopf hin, hatte aber komplett die Orientierung verloren und traf per Aufsetzer ins eigene Tor. Der Tiefpunkt einer an Tiefpunkten nicht eben armen Dortmunder Leistung.

HSV-Keeper Adler (gegen Aubameyang): starke Leistung gegen BVB
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HSV-Keeper Adler (gegen Aubameyang): starke Leistung gegen BVB

Superheld des Tages: Es war ein Dreikampf. Eigentlich hat Pierre-Emerick Aubameyang auf diesem Gebiet die Hoheit in der Bundesliga. Der Gabuner verwandelte sich einst nach einem Derby-Treffer gegen Schalke in Batman, bei der Neu-Auflage am vergangenen Spieltag beließ er es bei einem entsprechenden T-Shirt. In Hamburg schien er lange von seinen Superkräften verlassen, erst kurz vor Schluss traf er zum 1:3.

Der Hamburger Pierre hingegen, Pierre-Michel Lasogga, strotzte über 90 Minuten nur so vor Kraft. Nach seinem verwandelten Elfmeter (siebter Saisontreffer) riss Lasogga sein Trikot hoch und präsentierte seinerseits ein T-Shirt mit seinem Konterfei im Superman-Kostüm. Doch der größte Held des Tages hatte solche Verkleidungen gar nicht nötig: Mit seinen Paraden, vor allem in der Schlussphase, ließ René Adler die Dortmunder verzweifeln. Der HSV-Keeper flog auch ohne Cape zielsicher durch seinen Strafraum.

Hamburger SV - Borussia Dortmund 3:1 (2:0)
1:0 Lasogga (19., Foulelfmeter)
2:0 Holtby (41.)
3:0 Hummels (55., Eigentor)
3:1 Aubameyang (86.)
Hamburg: Adler - Gotoku Sakai, Djourou, Spahic (29. Cleber), Ostrzolek - Gideon Jung, Kacar (71. Gregoritsch) - Nicolai Müller, Holtby (82. Diaz), Ilicevic - Lasogga
Dortmund: Bürki - Ginter (46. Piszczek), Sokratis, Hummels, Schmelzer - Gündogan, Weigl, Kagawa (46. Castro) - Mchitarjan, Aubameyang, Reus (69. Januzaj)
Schiedsrichter: Felix Zwayer
Zuschauer: 57.000 (ausverkauft)
Gelbe Karte: - Bürki

insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
leja1900 21.11.2015
1. HSV, nicht nur Herz und Laufbereitschaft
Respekt HSV. Das war nicht nur ein Sieg des Herzens und der Leidenschaft, sondern es waren einige richtig tolle Spielzüge dabei. Mit der Mischung kann man dann auch gegen den Evonik Chemie-Millionenschweren BörsenVerein Borussia (BVB) gewinnen. Für die Liga wäre es zwar schöner, wenn der BVB gewonnen hätte, aber es ist auch erfreulich, dass nicht nur Geld Tore schiessen kann.
michi3191 21.11.2015
2. Glückwunsch Bayern
Auf dem Sofa jetzt sicher die Meisterschaft gewonnen . Dieser BVB ist für uns Münchner kein Gegner. Die Saison ist gelaufen !
Miere 21.11.2015
3. Also so normal nun wieder nicht,
dass der HSV gegen Dortmund gewinnt. Die waren doch irgendwie gedoped. :) Naja, Gratulation.
spitzaufknoof 21.11.2015
4. Man
muss diese Leistung neidlos anerkennen. Der HSV ist der Angstgegner der Dortmunder. Und gestern war es ein besonderes schwacher BVB. So reicht es dauerhaft für Platz 2 mit Sicherheit nicht.
mailo 21.11.2015
5.
Da haben meine Jungs wohl wieder Höhenluft geschnuppert - und direkt verloren.
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