HSV-Spieler Kacar Hamburg, kleine Perle

Die Zeit von Gojko Kacar beim Hamburger SV schien abgelaufen. Dann wurde Bruno Labbadia Trainer - und Kacar plötzlich Stammspieler und dreifacher Torschütze. Der Serbe würde gerne bleiben, doch er ist vorsichtig geworden.
(Noch-)HSV-Spieler Kacar: "Wir sind keine Kinder"

(Noch-)HSV-Spieler Kacar: "Wir sind keine Kinder"

Foto: Simon Hofmann/ Bongarts/Getty Images

Es war ein Tor wie eine ganze Saison. Gojko Kacar stand nach dem Freistoß von Rafael van der Vaart genau richtig, er köpfte die Flanke an Torhüter Sven Ulreich vorbei, und der Hamburger SV führte in Stuttgart 1:0.

Es war die zwölfte Spielminute, Kacar feierte, Hamburg hoffte. Eine Viertelstunde später glich Stuttgart aus und gewann am Ende 2:1. Hamburg rutschte vor dem letzten Spieltag auf den 17. Tabellenplatz ab; der Verein, der noch nie abgestiegen ist, kann den Abstieg nicht mehr aus eigener Kraft verhindern.

15 Minuten Hoffnung, 75 Minuten Krampf: Es ist die Geschichte des Hamburger SV in dieser Spielzeit. Und es ist die Geschichte von Gojko Kacar, 28, der von vielen als Symbol des Vereins in diesen Zeiten angesehen wird. Selbst Trainer Bruno Labbadia bekannte vor zwei Wochen nach dem 1:1 gegen Freiburg: "Gojko ist ein Sinnbild der Mannschaft." Wow, könnte man sagen, noch vor wenigen Monaten sprach keiner mehr über den Mittelfeldspieler aus Serbien.

Doch man kann sich auch fragen: Wer will, in diesen Zeiten, schon als Symbol des Hamburger SV gelten? Wenn er früher einmal als größtes Talent seines Landes angesehen wurde, als Perle des Fußballs?

Drei Tore in drei Spielen

Mit Hamburg und den Perlen ist das so eine Sache. So manche hat dort in den vergangenen Jahren ihren Glanz verloren. Sie wurde in eine Schublade gelegt und beinahe vergessen - wie Kacar. Bis er plötzlich wieder gut genug war, im ohnehin nicht schönen Abstiegskampf. Auf einmal schießt Kacar Tore, drei am Stück, und wenn es der HSV irgendwie noch schaffen sollte, dann auch seinetwegen. Doch was nach Fußballmärchen klingt, bietet in Wahrheit viel Stoff für eine Tragödie.

Kacars Vertrag läuft im Sommer aus, so wie der von van der Vaart, Marcell Jansen oder Ivo Ilicevic. Ende März erfuhren die Profis offiziell, dass man sie in Hamburg nach dem Sommer nicht weiterbeschäftigen will. Im Fall von Kacar sollten so fünf Jahre Zusammenarbeit enden, leise, ohne große Gefühle. Dabei hatte es dort gut begonnen für den U21-Vizeweltmeister von 2007, unter den Trainern Armin Veh und Michael Oenning war Kacar Stammspieler. 23 Spiele absolvierte er 2010/2011 und 2011/2012 jeweils.

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HSV-Trainer seit 1997: Comeback für Labbadia

Foto: Sebastian-Schupfner/ BONGARTS

Bis sich Kacar im April 2012 den Knöchel brach, über 200 Tage fiel er aus. Er kam nie mehr richtig zurück. Der damalige Trainer Thorsten Fink schickte ihn zur zweiten Mannschaft, Anfang 2014 wurde er an den japanischen Klub Cerezo Osaka verliehen. "Es ist auch viel passiert, während er verletzt und in Japan war. Als Gojko zurückkam, hoffte er auf einen Neuanfang unter Mirko Slomka", sagt Onkel und Berater Milan Kacar.

Tatsächlich nahm Slomka, der mittlerweile siebte Trainer, den Kacar in Hamburg erlebte, ihn trotz einer gerade überstandenen Knieverletzung mit zum Bundesligaspiel gegen Hannover. Einen Tag später wurde Slomka entlassen, und mit Joe Zinnbauer folgte ein Trainer, der Kacar wieder nicht gebrauchen konnte. Wenn er ihn einsetzte, dann mal als Sechser und mal als Innenverteidiger, so wie es gerade passte. Es sah aus, als könne Kacar seine Koffer packen.

Dann kam im April Bruno Labbadia, und mit ihm die Erinnerung. "Labbadia wollte Gojko aus Berlin holen, als er das erste Mal Trainer in Hamburg war", sagt Milan Kacar. "Er vertraute ihm." Tatsächlich wunderten sich viele, dass der neue Trainer auf einen eigentlich ausgedienten Spieler zurückgriff.

"Im Fußball kann man nichts ausschließen"

Doch im Gegensatz zu den vorherigen Trainern, die zwar Veränderungen angekündigt, dann aber doch mit der gleichen Elf gespielt hatten, scherte sich Labbadia nicht um die Lieblingsspieler von Sportdirektor und Manager. Er setzte Kacar viermal über 90 Minuten ein, immer im defensiven Mittelfeld. Und Kacar traf.

Es verwundert nicht, dass sich Labbadia nach dem Sieg gegen Mainz - und Kacars erstem Saisontor - für den Spieler stark machte: "Im Fußball kann man nichts ausschließen", sagte er zu dessen Vertragssituation. Peter Knäbel, der Direktor für Profifußball, sagte dem "Hamburger Abendblatt": "Natürlich ziehen wir die Wünsche des Trainers mit in die Kaderplanung ein, mit der allerdings erst dann fortgeschritten wird, wenn klar ist, in welcher Klasse wir im kommenden Jahr spielen."

Das ist die große Unbekannte in allen Planungen rund um den HSV, auch in denen Kacars. "Gojko würde gern bleiben, vor allem in der Konstellation mit Labbadia als Trainer. Natürlich sind wir bereit zu Gesprächen", sagt sein Berater. Doch es bleibt ein Rest von Skepsis. Die Kacars haben erlebt, dass beim HSV alles möglich ist und nichts, dass auf ein paar Minuten Hoffnung oft tagelanger Frust folgt.

Es ist ratsam, nach ein paar ordentlichen Wochen wachsam zu bleiben bei einem Verein, der nun den zehnten Trainer in fünf Jahren hat. Und etliche Spieler, die als talentierte Fußballer kamen und als traurige Gestalten auf der Bank endeten. Die Worte des Serben sind deshalb durchaus bemerkenswert: "Oft wurden hier die Trainer gewechselt, die Ergebnisse sind die Gleichen geblieben. Wir können uns nicht immer auf andere verlassen", sagte er dem "Kicker". "Wir sind keine Kinder."

Kacar hat aus den vergangenen Jahren offenbar mehr gelernt, als er auf dem Rasen je zeigen wird.

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kicker.tv