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HSV verhindert Abstieg: Buenos Díaz

Foto: Martin Rose/ Bongarts/Getty Images

Bundesliga-Relegation Der HSV schafft doch noch den Klassenerhalt

Der Hamburger SV hat die entscheidende Partie gegen den Karlsruher SC gewonnen. Der Traditionsklub aus der Hansestadt steigt nicht ab. Nicolai Müller gelang der entscheidende Treffer in der Verlängerung.

Seit 52 Jahren gehört der HSV zur Fußball-Bundesliga - und es wird noch mindestens ein weiteres hinzukommen: Die Hamburger gewannen das dramatische Rückspiel der Relegation beim Karlsruher SC 2:1 (0:0) nach Verlängerung; gemeinsam mit dem Ergebnis aus dem Hinspiel (1:1) reicht das erneut für den Klassenerhalt. Dem KSC bleibt die Rückkehr in die oberste Spielklasse verwehrt - dabei sah es lange Zeit so aus, als müssten die Gäste aus Hamburg den ersten Abstieg in der Vereinsgeschichte hinnehmen. Für den KSC traf Joker Reinhold Yabo (78. Minute), Marcelo Díaz glich in der ersten Minute der Nachspielzeit aus. Das Siegtor gelang Nicolai Müller (120.).

"Ich freue mich einfach für uns für die Mannschaft", sagte der Siegtorschütze nach dem Spiel.

HSV-Coach Bruno Labbadia hatte sich vor dem Anpfiff betont lässig gegeben: "Ich habe den Jungs gesagt, dass jetzt Halbzeit ist. Und dass wir mit einem Sieg in der Liga bleiben." Er musste einzig auf die gesperrten Gojko Kacar und Heiko Westermann verzichten, sie wurden von Rafael van der Vaart und Dennis Diekmeier ersetzt. Ivica Olic hatte sich von seinem allergischen Schock erholt, Hinspiel-Torschütze Ivo Ilicevic seine Adduktorenbeschwerden auskuriert. Auch der an der Schulter verletzte Pierre-Michel Lasogga war wieder einsatzbereit.

KSC-Trainer Markus Kauczinski änderte seine Mannschaft ebenfalls auf zwei Positionen: Hiroki Yamada übernahm nach seinen Wadenproblemen die Spielmacherrolle, Gaetan Krebs kam für Dominic Peitz ins defensive Mittelfeld. Yabo saß überraschend auf der Ersatzbank.

Hamburger SV mit der ersten Chance

Karlsruhe wusste: Mit einem 0:0 würde es aufsteigen, große Offensivbemühungen war vom ohnehin abwehrstarken Team deshalb kaum zu erwarten. Es war dann auch der HSV - diesmal ganz in Rot -, der in der Anfangsphase das Spiel nach vorne suchte; vor allem mit langen, aber wenig präzisen Bällen. Das nutzten die Gastgeber schon in der zweiten Minute für einen Konter über Manuel Torres aus, Rouwen Hennings war einen Augenblick zu langsam.

Die erste Chance des Spiels gehörte dem HSV, als Ilicevic aus 20 Metern abzog, jedoch knapp rechts vorbei schoss (5.). Nur eine Minute später kam Olic im Karlsruher Strafraum frei zum Abschluss, Dirk Orlishausen parierte mit den Fäusten. Es sah so aus, als hätten die Hamburger Fußballtennis- und Mentaltrainingseinheiten der vergangenen Tage gewirkt, die Labbadia-Elf machte vieles besser als im Spiel vier Tage zuvor.

So hatte sie deutlich mehr Ballbesitz, spielten etliche gute (Kurz-) Pässe und gewann die Mehrzahl der Zweikämpfe. Dazu stand die Labbadia-Elf extrem hoch und versuchte es vor allem über die Flügel, selbst die Innenverteidiger Johan Djourou und Slobodan Rajkovic rückten dann mit auf. Doch der KSC zog sich in der Defensive kompakt in ein 4-5-1 oder 4-4-1-1 zusammen und ließ den HSV so zu keinen nennenswerten Chancen kommen.

Einen Fernschuss von van der Vaart hielt Orlishausen sicher (26.), auf der Gegenseite fing HSV-Keeper René Adler den ersten ernsthaften Angriff der Karlsruher durch Yamada ab (28.). Auch bei einem KSC-Konter fünf Minuten später - Djourou hatte vorne den Ball verloren und fehlte dann in der Innenverteidigung - war Adler konzentriert zur Stelle. Ein Freistoß von Enrico Valentini, den Daniel Gordon auf Adlers Netz köpfte, war die letzte Aktion vor der Pause.

Lasogga vergibt aus zehn Metern

Unverändert kamen beide Teams aus der Kabine, unverändert war das Bild zunächst auch auf dem Platz: Der HSV machte den Großteil des Spiels, der KSC verteidigte geschickt. Hennings versuchte es mit einem Schuss aus 18 Metern, blieb aber hängen (50.). Eine Ecke von van der Vaart landete wenig später bei Lasogga, der aus kurzer Distanz seine Direktabnahme übers Tor drosch - die bis dahin beste Chance (52.).

Die meiste Zeit hielten sich beide Teams in der Karlsruher Hälfte auf, doch die Viererkette der Gastgeber mit Gordon, Manuel Gulde, Valentini und Philipp Max war nicht aus dem Gleichgewicht zu bringen. Das konnte man von den Hamburger Defensivleuten nicht behaupten, als der KSC in der letzten halben Stunde aktiver wurde. Nach einer flachen Flanke von rechts spitzelte Gordon den Ball nur knapp am Tor vorbei (63.).

Dem HSV schienen die Kräfte auszugehen, und der KSC hatte davon noch genug. Nach einer Ecke von Dimitrij Nazarov köpfte Gulde frei aufs Tor, Díaz rettete auf der Grundlinie (69.). Einem von Orlishausen abgewehrter Lasogga-Kopfball (77.) folgte eine Minute später der Gegentreffer: Hennings chippte ein Zuspiel in den Lauf des kurz zuvor eingewechselten Yabos, Adler hatte bei dessen Flachschuss keine Chance.

Der HSV wachte noch einmal auf, Lasogga, Diekmeier und Djourou setzten Orlishausen unter Dauerfeuer (80., 81., 82.). Einen Kopfball nach einer Ecke setzte der eingewechselte Cléber, zweite Sturmspitze neben Lasogga (!) knapp neben den Pfosten (87.). Besser machte es in der 91. Minute Díaz, der nach einem fragwürdigen Freistoß wegen Handspiels ausglich - und plötzlich war alles wieder drin.

Doch beide Teams waren nun wesentlich vorsichtiger und darauf bedacht, nicht den entscheidenden Fehler zu machen. Einen Freistoß schoss Valentini über die Latte (105.+1), ein Schuss und eine Flanke von Lasogga wurden geblockt (110./111.). Es schien schon alles auf eine Entscheidung im Elfmeterschießen hinauszulaufen, doch dann traf der ebenfalls eingewechselte Müller nach Vorarbeit von Zoltan Stieber und Cléber. Hennings hätte per Elfmeter noch ausgleichen können, scheiterte aber an Adler (120.+3).

Karlsruher SC - Hamburger SV 1:2 (0:0, 1:1) n.V.
1:0 Yabo (78.)
1:1 Diaz (90.+1)
1:2 Nicolai Müller (115.)
Karlsruhe: Orlishausen - Valentini, Gordon, Gulde, Max (86. Dennis Kempe) - Krebs (89. Stoll), Meffert - Torres, Yamada (72. Yabo), Nazarov - Hennings
Hamburg: Adler - Diekmeier, Djourou, Rajkovic, Ostrzolek - Diaz, van der Vaart - Olic (77. Nicolai Müller), Holtby (66. Stieber), Ilicevic (86. Cleber) - Lasogga
Schiedsrichter: Gräfe (Berlin)
Zuschauer: 27.986 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Krebs, Meffert, Gulde, Gordon, Nazarov - van der Vaart, Díaz, Rajkovic, Cléber

psk/otr