Das 1:5-Debakel des HSV Der Totalschaden

Ein Remis hätte zur Relegation genügt - doch selbst das hat der HSV nicht geschafft. Heidenheim misst sich nun mit Werder, die Hamburger stehen nach dem 1:5 gegen Sandhausen vor einem Scherbenhaufen.
Der HSV auf dem Weg zum Zweitliga-Dino

Der HSV auf dem Weg zum Zweitliga-Dino

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Christian Charisius/ dpa

Die doppelte Demütigung: In der 90. Minute wechselte Sandhausens Trainer Uwe Koschinat seinen Torhüter aus. Nicht, weil dieser verletzt gewesen wäre, sondern weil Koschinat es sich leisten konnte. 4:1 führte sein Team zu diesem Zeitpunkt beim Hamburger SV. Wer dachte, schlimmer könne es für den HSV nicht kommen, wurde in der Nachspielzeit eines Besseren belehrt: Da traf der leidlich ungefährliche Ex-HSVer Dennis Diekmeier zum 5:1. "Ausgerechnet", in diesem Fall wirklich.

Die Ergebnisse: Der Hamburger SV verlor 1:5 (0:2) gegen den SV Sandhausen, der 1. FC Heidenheim erreicht deshalb trotz eines 0:3 (0:2) bei Arminia Bielefeld die Relegation. Hier geht es zu den Spielberichten.

Heidenheims erste Hälfte: Ein Sieg bei Meister Arminia Bielefeld und Heidenheim wäre der Relegationsplatz nicht mehr zu nehmen gewesen. Doch die Arminen dominierten von Anpfiff an und kamen dank Stürmer Fabian Klos, der Tim Kleindienst zu einem Eigentor zwang (14. Minute), und des Ex-Heidenheimers Andreas Voglsammer (17.) zu einer schnellen 2:0-Führung. Heidenheim fand nicht ins Spiel.

Hamburgs erste Hälfte: Selbst vorlegen und damit Heidenheim unter Druck setzen - so der Plan des HSV. Ein Vorhaben, das sich nach 13 Minuten in Luft auflöste. Rick van Drongelen traf bedrängt von Kevin Behrens ins eigene Netz (13.), acht Minuten später erhöhte der SVS-Angreifer auf 2:0. Hochkarätige Möglichkeiten zum 3:0 oder 4:0 ließ Behrens liegen (40., 45.+5). Es war eine atemberaubend schlechte Vorstellung des HSV.

Die Lage: Der HSV musste gegenüber Heidenheim einen Punkt aufholen und wäre dann dank des besseren Torverhältnisses auf Relegationsrang drei gerückt. Zwei Tore wären also nötig gewesen.

Heidenheims zweite Hälfte: Machen wir's kurz - 3:0 Jonathan Clauss (53.), Abpfiff. Banger Blick gen Hamburg.

Hamburgs zweite Hälfte: Die Gastgeber kamen durch einen verwandelten Strafstoß von Aaron Hunt auf 1:2 heran (62.). Da musste doch jetzt die große Angriffswelle kommen! Doch es kam nahezu nichts. Stattdessen grätschte HSV-Verteidiger Josha Vagnoman unbeholfen im Strafraum, Schiedsrichter Frank Willenborg zeigte erneut auf den Punkt. Behrens verwandelte sicher zum 3:1 (84.), in der 88. Minute sorgte Mario Engels für die Entscheidung (89.). Die Schlusspointe namens Diekmeier folgte in der Nachspielzeit.

Beim HSV hat er nie getroffen, für Sandhausen in dieser Saison zweimal

Beim HSV hat er nie getroffen, für Sandhausen in dieser Saison zweimal

Foto: Christian Charisius/ dpa

Charakterklubs: Am letzten Bundesligaspieltag sorgte das leidenschaftslose Auftreten der Kölner beim 1:6 in Bremen für Aufregung, mangelnden Einsatz wollten sich Arminia Bielefeld und der SV Sandhausen nicht vorwerfen lassen. Beeindruckend, wie beide Teams trotz gesicherten Aufstiegs beziehungsweise Mittelfeldplatzes agierten.

Heckings Taktik: Zwischen dem 2. und dem 32. Spieltag stand der HSV immer auf einem der ersten drei Tabellenplätze. Dann stellte HSV-Trainer Dieter Hecking von Vierer- auf Dreierkette um, seine Mannschaft verlor in Heidenheim. Auch am letzten Spieltag gab er der ungewohnten Dreierkette den Vorzug und seine Mannschaft ließ sich bei den ersten beiden Gegentoren düpieren. Danach ging's wieder zurück zur Viererkette. Sein Vertrag endet zum 30. Juni, eine Verlängerung wäre nach dieser Saison eine Überraschung.

HSV desolat: Als der HSV in der vergangenen Saison den Aufstieg verspielte, war in Hamburg vom "unnötigsten Nichtaufstieg der Geschichte" die Rede. Für diese Spielzeit müssen nun neue Superlative gefunden werden. Denn mehrfach in der Nachspielzeit verlorene Punkte (allein viermal seit der Ligafortsetzung), dazu die nicht genutzte Vorlage der Heidenheimer am 34. Spieltag - grotesker geht es kaum. Und dies mit einem Kader, der für Zweitligaverhältnisse sehr gut besetzt war und im Winter noch durch die Bundesligaprofis Joel Pohjanpalo, Jordan Beyer und Louis Schaub verstärkt wurde.

Der Ausblick: Während sich der HSV vom Beben des letzten Spieltags erholen muss, dürfen die Heidenheimer die beiden größten Spiele ihrer Klubgeschichte angehen: Am Donnerstag und dem folgenden Montag (jeweils 20.30 Uhr, Ticker: SPIEGEL.de, TV: DAZN) trifft die Mannschaft von Trainer Frank Schmidt in der Relegation auf Werder Bremen. Das Hinspiel in Bremen ist die Krönung der knapp dreizehnjährigen Tätigkeit Schmidts in Heidenheim. Wenn man die Leistungen Bremens und Heidenheims am letzten Spieltag als Grundlage nimmt, dürfte allein das Erreichen auch der Höhepunkt bleiben.

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