Regelauslegung in der Bundesliga Aller Hand

Am 32. Bundesliga-Spieltag gab es drei Handspiele im Strafraum, die unterschiedlich geahndet wurden und das grundsätzliche Problem bei der Regelauslegung zeigen. Besonders ärgerlich war es für den VfB Stuttgart.

Karim Rekik (l.) und Mario Gomez
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Karim Rekik (l.) und Mario Gomez


"Die Aufnahmen haben eindeutig gezeigt, dass es nach aktueller internationaler und nationaler Auslegung ein strafbares Handspiel war." Dieser Satz stammt von Schiedsrichter Felix Zwayer und man muss wissen, dass die Aussage eine Woche alt ist. Zwayer verteidigte so seine Entscheidung, beim Revierderby zwischen Borussia Dortmund dem FC Schalke einen Elfmeter für Schalke zu geben, als Julian Weigl aus kurzer Distanz den Ball an den ausgestreckten Arm bekam.

An diesem Spieltag wurde Zwayer als Video-Assistent bei der Partie zwischen Borussia Mönchengladbach und der TSG Hoffenheim eingesetzt. Dabei entschied er sich, nicht einzuschreiten, als sich Hoffenheims Ishak Belfodil beim Stand von 0:0 im eigenen Strafraum den Ball an den Oberarm köpfte. Über den Grund kann vorerst nur spekuliert werden, aber es bleibt der Eindruck, dass die Handspielregel nicht einheitlich angewandt wird und die Video-Assistenten ebenfalls nicht einheitlich reagieren.

Noch ein Beispiel? Der VfB Stuttgart hätte mit einem Sieg bei Hertha BSC den Rückstand auf den FC Schalke auf Platz 15 auf drei Punkte verkürzen können. Sicher, das Team von Interimstrainer Nico Willig spielte nicht gut, verlor 1:3 und es ist spekulativ, wie die Partie mit einer Führung für den VfB ausgegangen wäre. Aber wie Schiedsrichter Daniel Schlager und auch Video-Assistent Günter Perl in der 36. Minute nicht einschreiten konnten, als Stuttgarts Stürmer Nicolás González an die auf Kopfhöhe befindliche Hand von Berlins Karim Rekik köpfte, ist schwer nachzuvollziehen.

Der ehemalige Schiedsrichter und Sky-Experte Markus Merk sprach von einer klaren Fehlentscheidung und spekulierte mit einem Lächeln, ob Perl im Videokeller in Köln von einer Torwartparade ausgegangen sei. Besondere Pointe für die Stuttgarter: Vier Minuten nach der strittigen Szene erzielte Vedad Ibisevic das Führungstor für die Hertha.

Lutz-Michael Fröhlich, der Chef des Schiedsrichterwesens beim Deutschen Fußball-Bund (DFB), kann die Kritik an seinen Zöglingen nicht nachvollziehen. Die deutschen Schiedsrichter würden die Linie bei der Regelauslegung insgesamt "sehr konsequent und berechenbar" umsetzen. "Insofern kann ich nicht nachvollziehen, wenn von 'wirrer' Regelauslegung gesprochen wird", sagte Fröhlich vergangene Woche nach Zwayers Entscheidung in Dortmund.

Jérôme Boateng versteht die Regelauslegung auch nicht
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Jérôme Boateng versteht die Regelauslegung auch nicht

Von einer konsequenten Umsetzung kann jedoch nicht die Rede sein, zumal es an diesem Spieltag mit dem gegen den FC Bayern gepfiffenen Handelfmeter im Spiel gegen Hannover 96 eine dritte Entscheidung gab, die eine andere Sprache spricht. Hannovers Linton Maina hatte zu Beginn der zweiten Hälfte geflankt, Bayerns Abwehrspieler Jérôme Boateng drehte sich mit angelegtem Arm extra zur Seite und bekam den Ball an den Arm.

Schiedsrichter Christian Dingert entschied zunächst auf Eckball, wurde dann aber vom Video-Assistenten Sören Storks zur Seitenlinie gebeten und revidierte seine Entscheidung nach Ansicht der TV-Bilder in der Review-Area. Hannover verwandelte den Elfmeter, es war der fragwürdigste dieses Spieltags.

krä



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aggro_aggro 04.05.2019
1. Torchance
Natürlich kann man bei jedem Handspiel diskutieren, ganz absichtlich wie das Faust-Tor von Oliver Kahn ist es fast nie, aber strafbar des Öfteren. Gerade das Handspiel bei Dortmund-Schalke letzte Woche ist für mich klar nachvollziehbar. Der Ball wäre aufs Tor gegangen, deutlich am Körper des Verteidigers vorbei, aber wurde von der Hand geblockt. Bei Torhütern spricht man da selten von "glücklich angeschossen" eher von "hat sich ganz breit gemacht" oder gar "tollen Reflexen". Sicherlich kein rotwürdig, unsportliches absichtliches Handspiel, aber doch durch die Hand eine Torchance verhindert. Nach den Regeln ein klares Handspiel, verwunderlich war höchstens, dass die Schalker nicht mehr reklamiert haben, das hat die Situation etwas merkwürdig erscheinen lassen. Bei Flanken, am Boden liegend, mit angelegten Armen, in Billardsituationen, im Gedränge sollte es keinen Strafstoß geben, wenn die Situation aber klar verändert wird schon. Vielleicht sollte man im Strafraum über indirekte Freistöße nachdenken, ein Elfmeter ist manchmal hart für geblockte Schüsse, die der Keeper eh gehabt hätte (wie bei Dortmund letzte Woche) oder die sogar vorbeigegangen wären. Aber ganz ignorieren kann man diese Handspiele nicht, sonst werfen sich die Verteidiger wie Handballtorhüter in jeden Schuss und sind nicht mehr vom Torwart zu unterscheiden.... will man das?
spon_2937981 04.05.2019
2. Auf Linie
Oje, der (ungenannte) Autor dieses Artikels kann es wohl mit der Karriere bei SPON vergessen... wissen Sie denn nicht, dass Elfer gegen den FC Bayern grundsätzlich glasklar sind??? Aber Recht haben Sie natürlich. Beim Handspiel müssen wir wieder zurück zur Regel 'Absicht oder nicht' und das mit gesundem Menschenverstand beurteilen. Ist auf jeden Fall besser als der aktuelle Käse. (Wenn auch natürlich nicht perfekt.) Aber ich fürchte, es wird den Weg gehen analog zum Fuß beim Hockey: Ball an Hand/Arm? Elfer, ohne weitere Frage.
heissSPOrN 04.05.2019
3.
Die Hand Gottes... heute befindet sie sich am Arm eines Schiedsrichters!
Turbo 04.05.2019
4. Wir brauchen den VAR für den VAR (und noch mehr)
Ich wäre dafür die Subjektivität des Darkrooms in Köln durch einen weiteren - neutralen VAR zu kontrollieren. Wie könnte das aussehen? Diese Instanz - sagen wir VAR2 - wird jede Entscheidung des VAR1 kritisch beobachten. Sollte VAR2 entscheiden, dass VAR1 richtig eingegriffen hat, dann wird VAR1 den Schiedsrichter informieren. Der Schiedsrichter schaut dann die Entscheidung von VAR1 auf dem Monitor an. Sollte er kein klares Vergehen sehen, bleibt VAR2 aber ein Vetorecht und kann - wenn er VAR1 umstimmt, die Nicht-Entscheidung des Schiedsrichter offiziell revidieren. Können sich VAR1 mit VAR2 in ihrem kurzen Telefonat nicht auf ein gemeinsames Veto einigen, bleibt die Entscheidung des Schiedsrichters. Währenddessen müssen die Teams lustige Halbzeitshows in de Stadion einblenden, um die Wartezeit zu verkürzen. Ganz perfekt wäre es nach jedem Spieltag eine zweite übergeordnete Instanz einzuführen - sagen wir VAR3 - die das Telefonat zwischen VAR1 und VAR2 zu Qualitätszwecken noch einmal untersucht. Ergeben sich hier Fehler, wird wöchentlich einen Bericht an die Liga geschickt. Die daraus enstehende Punkte-Karte für Vor- und Benachteiligung der Teams ist damit extrem objektiv (und würde endlich auch mal Dinge wie den Bayern-Bonus greifbar machen). Diese Punktekarte wird am Ende der Saison mit dem Tabellenstand verrechnet. Da die Berichte der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind, wird der DFB im Mai eine jährliche Veranstaltung organisieren, in er den Deutschen Meister sowie die Absteiger per Briefumschlag verkündet. So, damit wäre dann hoffentlich alles objektiv geregelt.
gejagter Fußgänger 04.05.2019
5. Handelfmeter
Sie schreiben, der Handelfmeter für Hannover war der"fragwürdigste dieses Spieltags"... Eine Aussage, so substanzlos wie der Artikel. zur Einordnung ihrer Phrase - wieviele gab es denn insgesamt? Und warum ist ausgerechnet dieser einen solchen Kommentar wert, wurde er doch gleich mit Fehlentscheidungen zu Lasten der benachteiligten Mannschaft unterwürfigst wieder kompensiert (Übersehen des Vogelzeigens eines Bayernspielers, Nichtahndung seines unangemessenen heftigen Reklamierens und dann noch Platzverweis für den Gegner). Leider ist es ja nun einmal so, dass selbst auch der FCB ab uns an auch mal von einer ärgerlichen Entscheidung getroffen sein darf - auch wenn das von einigen Protagonisten offenbar als Majestätsbeleidigung angesehen wird... man kann es nicht meHr hören: Wenn andere Mannschaften von offensichtlichsten Fehlentscheidungen zugunsten des FCB betroffen sind, wird von Bayern-Verantwortlichen strunzdumm behauptet, die Entscheidung sei vōllig in Ordnung gewesen, wenn es ausnahmsweise die Bayern trifft geht die Welt unter...
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