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Hannovers Sieg gegen S04 Häme, wem Häme gebührt

Hannover 96 überraschte beim Heimerfolg über Schalke mit einer mutigen Spielweise. Trainer André Breitenreiter feierte den Sieg ausgelassen - und konnte sich eine Spitze gegen seinen Ex-Klub nicht verkneifen.

Christian Heidel äußerte nach Abpfiff einen dieser Sätze, die häufig zu hören sind, wenn zwei schwache Mannschaften ein schlechtes Fußballspiel gezeigt haben. "Das war ein typisches 0:0-Spiel", sagte Schalkes Manager im Spielertunnel zu seinem Assistenten Alex Schuster. Der ist so loyal zu seinem Chef gewesen, dass er ihm nicht widersprach. Obwohl es angebracht gewesen wäre. Denn schwach war an diesem Abend nur der FC Schalke 04.

Hannover 96 hingegen zeigte beim 1:0-Erfolg eine "tolle Leistung", wie Trainer André Breitenreiter anmerkte. Eben jenem Breitenreiter hatte Heidel an einem seiner ersten Arbeitstage auf Schalke im Mai 2016 mitgeteilt, dass er nach nur einer Saison in Gelsenkirchen beurlaubt wird.

Hannovers Risiko zahlte sich aus

Nun gab es das Wiedersehen beim sportlichen Wettstreit. An der Seite von Breitenreiter jubelte Heidels Vorgänger Horst Heldt, der damals auf Schalke ein gespanntes Verhältnis zu den Fans pflegte. Die Beziehungsgeflechte und Entwicklungen sind schwierig zu erklären. Vermutlich trifft es ein Satz von Breitenreiter ganz gut, der am Sonntag sagte: "Das ist Fußball." Allerdings wollte er damit die Geschichte erklären, die ihm und auch Horst Heldt einen wunderschönen Abend bescherte.

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96-Erfolg gegen Schalke: Breitenreiter wechselt den Sieg ein

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Jonathas Cristian de Jesus Maurício erzielte das einzige Tor in einem Spiel, auf das Breitenreiter seine Mannschaft "die ganze Woche intensiv vorbereitet" hatte. Das ist der Job eines Trainers, aber wer wollte es Breitenreiter verübeln, dass er sich an diesem Abend mehrmals auf die eigene Schulter klopfte. Er sagte etwa: "Uns war klar, dass wir ein gewisses Risiko gehen müssen. Wir haben sehr hoch gepresst."

Aus einer solchen Situation resultierte auch der Siegtreffer. Marvin Bakalorz setzte Thilo Kehrer unter Druck und provozierte einen Fehlpass, dann passte er selbst zu Jonathas, wie der schlicht gerufen wird. Der Brasilianer schob ein und erzielte damit in seiner sechsten Minute als Bundesligaspieler sein erstes Tor. Neun Millionen Euro zahlte Hannover für den Stürmer an den russischen Klub Rubin Kasan - Rekordablöse für die Niedersachsen.

Heldt und Breitenreiter können also aufgrund der Vorgeschichte als Gewinner des Abends gelten, auch wenn etwa Salif Sané und Felipe viel mehr Beachtung verdient gehabt hätten. Die beiden Innenverteidiger köpften fast alle weiten Pässe der Schalker weg, die unter Druck gespielt worden waren. Domenico Tedesco, der Nachnachfolger von Breitenreiter in Gelsenkirchen, würde seine Mannschaft gerne dahin bringen, sich gepflegter aus Pressingsituationen zu lösen. Aber so weit sind die Schalker zumindest im August 2017 noch nicht. "Wir wissen, warum wir verloren haben. Das ist auch wichtig", sagte Tedesco, der nach dem 2:0 zum Auftakt gegen RB Leipzig zurecht für seinen Plan gelobt worden war.

Schalkes Rückfall in alte Muster

Aber schon im zweiten Bundesligaspiel, als andere Qualitäten, vor allem ein aktiveres Spiel gefragt waren, gab es wieder einen Rückschlag. Rückpässe in Serie zu Torwart Ralf Fährmann und weite Schläge aus der hintersten Kette in die vorderste - das hatte es auch unter Breitenreiter und dessen Nachfolger Markus Weinzierl viel zu häufig gegeben.

Auch wegen der wenig attraktiven Spielweise verlor Breitenreiter auf Schalke schnell den Rückhalt, den ein Trainer benötigt. Zum Schluss ging es nur noch darum, das Gesicht halbwegs zu wahren. Breitenreiter war der Ansicht, dass die Erwartungen an ihn zu hoch waren. Dass er immer noch dieser Ansicht ist, deutete eine Spitze an, die er beim Fernsehsender "Sky" nach Spielende gegen seinen ehemaligen Klub los ließ. Auf die Frage, ob er nach sechs Punkten aus zwei Spielen mit 2:0 Toren den Klassenerhalt als Saisonziel überdenken müsse, sagte Breitenreiter: "Wir sind ja nicht auf Schalke. Hier gehen wir mit solchen Siegen realistisch um."

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