Hannover-Pleite gegen Stuttgart Ein Punkt, Letzter

Hannover 96 hat auch das Keller-Duell gegen den VfB Stuttgart verloren - und steht mit nur einem Punkt auf dem letzten Tabellenplatz. Der Druck auf Trainer Michael Frontzeck wächst.
Frontzeck: "Habe Verständnis dafür, dass die Fans sauer sind"

Frontzeck: "Habe Verständnis dafür, dass die Fans sauer sind"

Foto: Stefan Puchner/ dpa

Die Fans von Hannover 96 hatten der Darbietung gegen den VfB Stuttgart bis zur letzten Minute in der Hoffnung beigewohnt, dass noch irgendwie der Ausgleich gelingen würde, dass ein Punktgewinn machbar sei trotz schwacher Leistung. Sie hatten die Mannschaft bis zur letzten Minute vorangetrieben mit ihren Gesängen, doch als Stuttgarts eingewechselter Mittelfeldspieler Alexandru Maxim in der Nachspielzeit die Entscheidung gegen die Hannoveraner herbeiführte mit seinem Tor zum 3:1-Endstand, da brach Wut aus in der Nordkurve, wo sich der harte Kern des heimischen Anhangs versammelt.

"Frontzeck raus! Frontzeck raus", brüllten die Fans. Und: "Kind muss weg! Kind muss weg!" Klubchef Martin Kind ist mit den Anfeindungen aus der Kurve vertraut, immer wieder hatte er in den vergangenen Jahren Streit mit einem Teil der Gefolgschaft. Für Trainer Michael Frontzeck war das Misstrauensvotum von den Rängen allerdings neu. In der vergangenen Saison war er fünf Spiele vor Schluss ins Amt gekommen und hat die Mannschaft vor dem Abstieg gerettet.

In der neuen Saison ist er allerdings nicht als Retter gefragt, sondern als Architekt einer neuen Mannschaft. Diese Rolle macht ihm sichtlich Probleme. Hannover wartet nach sechs Spielen noch immer auf den ersten Sieg. Zum Saisonstart gab es ein Unentschieden gegen Darmstadt, danach nur noch Niederlagen. Auch gegen die Stuttgarter, die bis zum Spiel in Hannover nicht einen einzigen Punkt auf dem Konto hatten, sich aber endlich einmal belohnten für eine gute Leistung.

Frontzeck weiß, dass das Publikum auf der Suche nach Schuldigen schnell beim Trainer ankommt: "Ich habe Verständnis dafür, dass die Fans sauer sind", sagte er. In der Tabelle ist sein Team auf den letzten Platz abgerutscht. Davonlaufen will er aber nicht: "Es ist eine harte Situation, aber wir werden den Kopf hochnehmen und uns der Sache stellen", sagte Frontzeck. Er machte ein grimmiges Gesicht, was vermutlich Entschlossenheit zeigen und seinen Worten Nachdruck verleihen sollte.

Allerdings ist fraglich, wie lange Frontzeck sich der Situation noch stellen darf. Der Druck steigt angesichts der finsteren Bilanz, zumal bei Hannover keine Entwicklung erkennbar ist, kein Anzeichen dafür, dass es bald mit dem ersten Sieg klappen könnte. Klubchef Kind hat Frontzeck gerade erst das Vertrauen ausgesprochen, doch derartige Treueschwüre haben eine kurze Haltbarkeit - im Fußball grundsätzlich und bei Hannover 96 im Besonderen. Elf Trainer hatte der Klub in den vergangenen 15 Jahren. Tayfun Korkut musste im April trotz einer kurz zuvor von Kind erteilten Job-Garantie gehen, und auch Frontzecks Amtszeit könnte bald ein Ende haben.

Kind: "Die Leistungsstruktur ist nicht ausreichend"

Zumindest wählte Kind deutliche Worte nach der Niederlage gegen Stuttgart. "Von 18 möglichen Punkten haben wir einen. Das entspricht der derzeitigen Leistungssituation", sagte der Klubchef und deutete an, dass Frontzeck und der nicht mehr im Amt befindliche Sportchef Dirk Dufner bei der Auswahl neuer Spieler dramatisch daneben gelegen hätten. Die Argumente, die zu den Personalentscheidungen geführt hätten, "haben sich bisher nicht bestätigt", sagte Kind, der ein erfolgreicher Unternehmer ist und auch so spricht: "Ich weiß auf Basis der Spiele, die wir gesehen haben, dass die Leistungsstruktur nicht ausreichend ist."

Am Samstag (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) gegen den VfL Wolfsburg werde Frontzeck definitiv auf der Hannoveraner Trainerbank sitzen, versprach Kind, doch im Falle der sechsten Niederlage nacheinander würden vermutlich die viel zitierten Mechanismen der Branche greifen.

Denn die Hannoveraner drohen früh den Anschluss zu verlieren an die vermeintlichen Konkurrenten im Abstiegskampf. Der Rückstand auf Werder Bremen beträgt schon sechs Punkte, auf Darmstadt acht und auf Ingolstadt, Hertha und den Hamburger SV jeweils neun Zähler. Als Grund für die Misere führt Frontzeck den Umbruch an, der im Sommer stattgefunden hat. Elf Spieler verabschiedeten sich, darunter Kapitän Lars Stindl und Torjäger Joselu. Von den sieben Zugängen schaffte es gegen Stuttgart nur einer in die erste Elf, der ehemalige Freiburger Oliver Sorg.

"Es hilft kein Jammern, dass uns Spieler verlassen haben", sagte Frontzeck. Es helfen nur Punkte, auch ihm selbst.

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