Drohender Hannover-Abstieg Bis gleich!

Hannover 96 könnte am Samstag den Abstieg in die zweite Liga besiegeln. Das wäre aber kein Abschied für lange.

Profis von Hannover 96
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Profis von Hannover 96

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Ein Abstieg aus der Bundesliga bedeutet für Spieler und Fans fast immer dasselbe: Dramatik, Verzweiflung, Tränen. Bei Hannover 96 könnte es dieses Jahr anders laufen.

Dass der Klub absteigen wird, steht praktisch seit Wochen fest, die Niedersachsen stehen die gesamte Rückrunde über auf Platz 18, sie haben sich an den Gedanken gewöhnen müssen, künftig ein Zweitligist zu sein.

Sollte 96 (21 Punkte) am 31. Spieltag gegen Ingolstadt nicht mehr Punkte holen als Bremen (Platz 16, 31 Punkte), das am Freitag in Hamburg spielt (beide Spiele im High-Liveticker bei SPIEGEL ONLINE), ist der Kampf um den Klassenerhalt endgültig verloren. 14 Jahre Bundesliga am Stück wären Geschichte. Was Hannover aber mehr sorgen dürfte als der Abstieg an sich, ist die Furcht davor, dass der Gang in Liga zwei von Dauer sein könnte.

Beispiele dafür gibt es viele. 1860 München stieg in der Saison 2003/2004 nach zehnjähriger Erstklassigkeit ab . Seither beißen sich die Löwen die Zähne aus bei dem Versuch, zurückzukehren. Mehr noch, statt um den Aufstieg in die Bundesliga zu kämpfen, droht den Sechzigern sogar der Absturz in Liga drei. Auch den Traditionsklub Kaiserslautern hat die Zeit nach dem Abstieg 2011/2012 zermürbt. Dreimal wollte der FCK den Aufstieg erzwingen, dreimal scheiterte er knapp . Nun drohen die Roten Teufel in der Mittelmäßigkeit der zweiten Liga zu verschwinden, aktuell sind sie den Abstiegsplätzen näher als den Aufstiegsrängen .

Schwache Konkurrenz, finanzieller Vorteil

Dass Hannover dasselbe Schicksal droht, ist aber unwahrscheinlich. Zwei Faktoren sprechen für eine schnelle Rückkehr in die Bundesliga. Zunächst ist da die Schwäche der zweiten Liga . Das taktische Niveau ist bei den meisten Klubs überschaubar. Auch dadurch ist es möglich, dass ein vernünftig arbeitender Außenseiter wie Sandhausen sich locker in der Liga halten kann, oder dass das solide Team des FC St. Pauli kurz vor Schluss noch die theoretische Chance hat, aufzusteigen.

Und dann ist da noch der wohl entscheidende Faktor: Geld . Hannovers Sportdirektor Martin Bader weiß, wie wichtig es als Absteiger sein kann, in den Zweitligakader zu investieren, obwohl gleichzeitig ein großer Teil der Einnahmen durch gesunkene TV-Gelder, Sponsorenerlöse oder geringere Zuschauerzahlen wegbricht. In der Saison 2008/2009 schaffte Bader mit dem 1. FC Nürnberg schon einmal den direkten Wiederaufstieg, wenn auch mit Mühe . Damals ging der Klub finanziell bewusst ins Risiko, um eine längere Phase in Liga zwei tunlichst zu verhindern. Auch 96 dürfte sich für Zweitligaverhältnisse einen Luxuskader leisten.

Schlüsselspieler wie Ron-Robert Zieler, Salif Sané, Manuel Schmiedebach oder Hiroshi Kiyotake haben in Hannover allesamt Verträge über das Saisonende hinaus. Das heißt nicht, dass sie mit 96 in die zweite Liga gehen würden, garantiert dem Klub aber Ablösesummen. Und dass Hannover vor Investitionen in den Kader nicht zurückscheut, hat der Verein in den vergangenen Jahren bewiesen.

Das finanzielle Risiko ist geringer als anderswo

Zumal das finanzielle Risiko bei Hannover geringer ausfällt als in vergleichbaren Fällen, denn im Juli 2018 könnte frisches Geld in den Verein kommen. Möglich macht das eine Ausnahme in der "50+1-Regel", die erlaubt, dass Privatgesellschaften einen Bundesligisten mehrheitlich übernehmen können, sobald sie diesen 20 Jahre lang "ununterbrochen und erheblich" gefördert haben. Im Falle von 96 wäre das die "Hannover 96 Sales & Service GmbH & Co. KG", die Klubboss Martin Kind im Juli 1998 gründete. Sie könnte bald sämtliche Anteile am Verein übernehmen.

Für 96 wird es nun darauf ankommen, das Geld überlegter zu investieren als zuletzt. Bei der Zusammenstellung des aktuellen Kaders wurden Fehler begangen , die sich nicht wiederholen dürfen. Wichtig ist zudem die Wahl des neuen Trainers. Das Interesse an Ex-Coach Mirko Slomka hat Klubboss Kind bereits bestätigt , auch zweitligaerfahrene Trainer wie Kosta Runjaic oder Jos Luhukay gelten als Kandidaten. Letzter zeigte in der Saison 2012/2013 mit Hertha BSC, wie souverän ein Absteiger durch die Liga marschieren kann.

Am Dienstag feierte Hannover 96 seinen 120. Geburtstag, der Klub wurde im Rathaus gewürdigt, Hochstimmung wollte angesichts der sportlichen Situation aber nicht aufkommen. In fünf Jahren, zum 125. Geburtstag, werde man gewiss noch mal zusammenkommen und dann "Gelegenheit zu umfangreicheren Aktivitäten finden", sagte Martin Kind. Seinen Optimismus kann man teilen.

insgesamt 29 Beiträge
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road_warrior 22.04.2016
1. Leider falsch!
Mit Martin Bader und seinem Chef-Scout hat sich Hannover die Garantie eingekauft, in Liga 2 zu verbleiben. Man sollte es besser so formulieren: Der Club hat 2008/09 TROTZ Bader den Wiederaufstieg geschafft. Und weil das so gut geklappt hat, hat Herr Bader nach dem nächsten Abstieg einfach mal 22 Spieler verkauft, verhökert und weggejagt. Selbst Profis wie Mike Frantz, die sicherlich nicht zu den Top-Verdienern gehört haben und sich klar zum Verein bekannt haben, wurden verschachert. Frantz wird mit Freiburg den direkten Wiederaufstieg dieses Jahr hinlegen - und beim Club läuft es erst blasenfrei, nachdem Bader und Möckel ab nach Hannover sind. Die tollen Einkäufe der beiden wurden in der Winterpause "entsorgt", seitdem tritt das Team als Mannschaft auf - und der Trainer kann in Ruhe arbeiten. Und genau das gleiche Spiel wird sich bei Hannover vollziehen. Wetten?
ddnomad 22.04.2016
2. Taktik
bei Dynamo heißt es 2. Liga wird brutal schwer weil die Liga sehr stark ist und bei 96 heißt es die 2. Liga ist schwach. Ich glaube die 2. Liga ist von der 1. nicht so weit entfernt, zumindest nicht von der unteren Tabellenhälfte. 96 wird wohl eher im Mittelfeld landen da die Konkurrenz min genau so gut ist und geld ist nicht alles.
schwerpunkt 22.04.2016
3.
Kommt wohl auch drauf an, welche Vereine sonst noch in der zweiten Liga spielen. Neben Hannover wird wohl auch Frankfurt absteigen, während vermutlich Freiburg und Leipzig aufsteigen. Relegation: Nürnberg gegen .... Hamburg? ;-D Der Kampf um die Relegation bleibt spannend bis zum letzten Spieltag, wenn Hamburg sich mit Augsburg duelliert. Auf jeden Fall wird ein es namhafter Verein sei, der in die Relegation geht: Bremen, Augsburg, Stuttgart und Hamburg ...
uhr-quattro 22.04.2016
4. Hannover wird es aus-Badern
Sorry, aber die Einschätzung der Leistung von Herrn Bader ist völlig naiv. Er war gut, so lange Hecking an Bord war und eingekauft hat. Danach hat er durch knackige Fehleinkäufe den Niedergang beschleunigt und die Altlasten dieser Schaffensphase tragen heute noch dazu bei, dass der FCN sich in Sachen wirtschaftliches Überleben zur Decke streecken muss. Vielleicht darf Herr Bader bei Hannover mehr Geld verbrennen als beim Club. Aber das alleine ist noch kein Konzept.
Prohist 22.04.2016
5. Wahrscheinlichkeitsrechnung
Schon richtig, das Geld ist da. Was den Fans aber doch Sorgen bereiten muss, ist, dass sie auf eine recht lange Serie von personellen Fehlentscheidungen in der Kaderzusammenstellung zurückschauen müssen. Hinzu kommt ein Imageproblem: 96 bekommt Spieler, die mehr als ein Angebot aus der Liga bekommen, erfahrungsgemäß meist nicht. Die Zuversicht, dass damit jetzt Schluss ist, dass man also entgegen den Erfahrungen 2014-16 einen leistungsfähigen Kader zusammenbekommt, muss erst noch wachsen. Kompetenz-gesteuerte Entscheidungsprozesse sind bislang nicht die Stärke von 96, und genau das muss sich ändern.
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