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17. November 2015, 22:37 Uhr

Länderspiel-Absage wegen Terrorgefahr

Mit Sicherheit richtig

Aus Hannover berichtet

Das Länderspiel Deutschland gegen die Niederlande in Hannover sollte nach den Anschlägen von Paris ein Symbol der Freiheit sein. Doch wegen eines möglichen Attentats wurde die Partie kurzfristig abgesagt, Tausende Fans mussten umkehren. Was steckt dahinter?

Das Spiel sollte ein Signal werden, ein Symbol. Es sollte zeigen, dass die offene Gesellschaft der terroristischen Bedrohung trotzt. So hatten sich der Deutsche Fußball-Bund und die Bundesregierung das vorgestellt. Es wurde tatsächlich ein symbolhafter Abend an diesem Dienstag in Hannover. Aber ganz anders, als sich die Organisatoren das gedacht hatten. Die kurzfristige Absage des Länderspiels Deutschland gegen die Niederlande hat nun vor allem gezeigt, wie schwer solche Veranstaltungen wirklich zu schützen sind. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE kam der Hinweis vom französischen Geheimdienst.

Die Tore in der Hannoveraner Arena hatten gegen 19.20 Uhr gerade erst seit 20 Minuten geöffnet, da musste die Polizei bereits die folgenschwere Entscheidung treffen: Das Stadion wird evakuiert, die Zuschauer, die Journalisten, die Ordner - alle mussten raus. Es gebe eine "akute Gefährdungslage", sagte der Hannoveraner Polizeipräsident Volker Kluwe. Und was bedeutet das konkret? Das wollte Bundesinnenminister Thomas de Maizière auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz nicht verraten.

Zuschauer waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht viele in der Arena, die meisten hatten sich erst auf den Weg ins Stadion gemacht und wurden von Polizisten, die überall in der Stadt platziert waren, wieder heimgeschickt. Das alles fand in bemerkenswerter Ruhe statt. Einer Ruhe, die in starkem Kontrast zu den ständig aufheulenden Polizeisirenen stand. Das Geräusch der Stadt an diesem Abend: eine Kakophonie aus Sirenen.

Einsatzwagen überall, Blaulicht, wohin man auch schaute. Hannover hat so ein Polizeiaufgebot lange nicht erlebt, vermutlich seit den Chaostagen der Neunzigerjahre nicht. In der Innenstadt patrouillierten schon den ganzen Tag lang bewaffnete Polizisten, die aus dem gesamten Bundesgebiet zusammengezogen worden waren.

Dennoch, oder vielleicht auch deswegen, war niemand wirklich von einer konkreten Gefahr ausgegangen. Fragte man die Fans vor dem Spiel nach ihrer Stimmung, vernahm man Vorfreude - und Solidarität mit den Franzosen nach den Anschlägen von Paris. Aber immer wieder fiel auch dieser Satz: "Hundertprozentige Sicherheit gibt es sowieso nicht." Genau das wurde an diesem Dienstagabend in Hannover bewiesen.

"Gefährdungslage für ganz Hannover"

Noch am späten Abend herrschte Ungewissheit in der ganzen Stadt. Polizeipräsident Kluwe hatte früh von einer "Gefährdungslage für ganz Hannover" gesprochen und damit die Verunsicherung eher noch geschürt. Später wurde auch das in der TUI-Arena - rund zehn Kilometer vom Stadion entfernte - Konzert der Söhne Mannheims kurzzeitig unterbrochen. Auch das trug wohl nicht gerade zur Beruhigung bei.

"Alle hatten sich auf dieses Spiel gefreut" sagte Innenminister de Maizière, der sich gemeinsam mit Bundeskanzlerin Merkel und zahlreichen weiteren Ministern das Spiel auf der Tribüne ansehen wollte. Die Kanzlerin war zum Zeitpunkt der Absage noch nicht im Stadion, sondern gerade erst auf dem Flughafen Langenhagen gelandet. Sie machte sich postwendend auf den Rückweg nach Berlin.

Auch die deutsche Nationalmannschaft war gerade erst vom Mannschaftshotel aufgebrochen. Nachdem das Team von der Absage erfahren hatte, wurde die Mannschaft zunächst "an einen sicheren Ort" gebracht - wohin genau wurde nicht gesagt. Später fuhren sie dann ins Mannschaftsquartier in Barsinghausen zurück. Die Münchner Spieler flogen noch am Abend nach Hause, auch die anderen Spieler kehrten noch in der Nacht zu ihren Vereinen zurück.

Die Polizei hat bislang weder Hinweise auf Sprengstoff gefunden noch Festnahmen vollzogen. "Es gab keine Festnahmen und keinen Sprengstoff", sagte eine Polizeisprecherin am Mittwochmorgen. Mittlerweile ziehen sich die Einsatzkräfte in Hannover wieder zurück.

Video: "Trauriger Tag für Deutschland"

"Im Zweifel hat der Schutz der Menschen Vorrang", resümierte Innenminister de Maizière. Womit er eines der Schlüsselwörter dieser unsicheren Tage nannte. Denn der Zweifel bleibt. Zum Beispiel der Zweifel, wie in Zeiten der Terrorgefahr mit solchen Großveranstaltungen umgegangen werden soll.

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