Wegen Bannern im Fanblock DFB nimmt Ermittlungen gegen Hansa Rostock auf

Zweitligist Hansa Rostock muss sich nach dem Spiel gegen St. Pauli für die eigenen Fans verantworten. Es geht um ein homophobes Banner – und eines, das Assoziationen an ein dunkles Kapitel der Stadtgeschichte weckt.
Rostock-Fans nach dem Spiel gegen den FC St. Pauli

Rostock-Fans nach dem Spiel gegen den FC St. Pauli

Foto: IMAGO/Fotostand / Voelker / IMAGO/Fotostand

Fußball-Zweitligist FC Hansa Rostock muss nach Bannern seiner Anhänger Konsequenzen fürchten. Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ermittelt nach den Vorkommnissen am Sonntag gegen den Verein, wie der DFB am Montag mitteilte. Auf den Bannern waren während des Spiels gegen den FC St. Pauli ein Spruch gegen Homosexuelle sowie ein Aufdruck, der Assoziationen an den fremdenfeindlichen Übergriff vor 30 Jahren auf das »Sonnenblumenhaus« in Rostock-Lichtenhagen weckte, zu lesen.

»Der Kontrollausschuss wird den Verein anschreiben und zu einer Stellungnahme zu den gezeigten Bannern auffordern. Nach Vorliegen und Auswertung der Stellungnahme wird das Gremium über den weiteren Fortgang des Verfahrens entscheiden«, hieß es vom DFB.

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Wie Augenzeugen dem SPIEGEL gegenüber bestätigten, sei das Banner mit dem Schriftzug »Schwule bekommen kein Nachwuchs« der zweite Teil einer in Richtung der Gästefans ausgerichteten Botschaft gewesen. Beide Banner sollen jeweils nur für kurze Zeit präsentiert worden sein, Teil eins habe darauf angespielt, dass der FC St. Pauli sein Kontingent an Gäste-Tickets nicht voll ausschöpfte. Der Lichtenhagen-Banner soll bereits seit vielen Jahren im Hansa-Fanblock hängen, sei zum Spiel gegen die rivalisierenden Hamburger aber unüblicherweise in Richtung der Gästefans ausgerichtet worden.

Vom Schiedsrichter nicht wahrgenommen

Der DFB erklärte indes auf Anfrage des SPIEGEL, das Schiedsrichtergespann um Christian Dingert habe die Banner »nicht wahrgenommen«. Daher habe Dingert auch den Drei-Stufen-Plan des DFB nicht in Gang gesetzt.

Dieser sieht vor, dass bei diskriminierendem Verhalten von den Rängen zunächst eine Spielunterbrechung mitsamt Stadiondurchsage stattfindet. Bei ausbleibender Besserung würden die beiden Mannschaften sich in einem zweiten Schritt in die Kabine zurückziehen, Schritt drei wäre ein Spielabbruch. Während des laufenden Verfahrens wollte der DFB sich noch nicht dazu äußern, ob der Drei-Stufen-Plan in Rostock zum Einsatz hätte kommen müssen.

Hansa selbst distanzierte sich in einer Stellungnahme  gegenüber dem NDR vom Inhalt der Banner. »Homophobie, Rassismus und ähnlich geartete Einstellungen und Ideologien stehen nicht für den F.C. Hansa Rostock und verbieten sich schon allein durch die in der Satzung des Vereins verankerten Werte wie Toleranz«, teilte der Klub mit.

cev/dpa
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