Hertha-Sieg gegen BVB Nur zu Hause verlier'n sie nicht

Hertha BSC könnte noch Meister werden - zumindest in der Heimtabelle. Die Partie gegen starke Dortmunder entschied ein Abwehrspieler mit strammem Schuss. Alles Wichtige zum wahren Spitzenspiel des Tages.

Hertha-Torschütze Marvin Plattenhardt (3.v.r.) mit jubelnden Mitspielern
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Hertha-Torschütze Marvin Plattenhardt (3.v.r.) mit jubelnden Mitspielern

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Ausgangslage des Spiels: Hertha gegen den BVB - da war doch was? Richtig! Im Hinspiel teilte die Hertha ordentlich aus und holte einen Punkt in Dortmund (Endstand 1:1). Sechs Gelbe und zwei Rote Karten (je eine pro Team) gab es beim Duell am 7. Spieltag. BVB-Trainer Thomas Tuchel hatte damals vor der Partie eine Debatte über zu viele Fouls an seinen Spielern angestoßen. Nach dem harten Duell mit den Berlinern hatte Tuchel dann die Aussage verweigert ("Ich sage dazu nichts, ich mache nicht mehr mit"), während sein Gegenüber Pál Dárdai erklärte: "Das war Männerfußball mit vielen Zweikämpfen, ich mag so was."

Die Rotation des Spiels: Im Vergleich zum Champions-League-Sieg gegen Benfica Lissabon stellte Tuchel auf vier Positionen um. Ousmane Dembélé, Lukasz Piszczek, Christian Pulicsic und Sokratis wurden durch Matthias Ginter, Raphael Guerreiro, Shinji Kagawa und André Schürrle ersetzt. Angesprochen auf die enorme Umstellung sagte Tuchel vor der Partie im Sky-Interview: "Es ist ja nun nicht so, dass wir die vier aus dem Keller holen und entstauben mussten." Hertha dagegen spielte zum vierten Mal in Folge mit derselben Startelf.

Ergebnis des Spiels: 2:1 (1:0) für die Berliner Hertha.

Die erste Halbzeit: War super. Und hätte mehr als nur ein Tor verdient gehabt. Beide Mannschaften erspielten sich zahlreiche gute Möglichkeiten, der einzige Treffer gelang aber der Hertha. Nach einem schweren Fehler vom doch etwas eingestaubt wirkenden Ginter ging Vedad Ibisevic über die rechte Seite durch, spielte den Ball präzise in die Mitte, wo Salomon Kalou aus zwei Metern nur noch einschieben musste.

Die zweite Halbzeit: War noch besser. Pierre-Emerick Aubameyang erzielte aus spitzem Winkel und nach Pass von Kagawa das 1:1 (55.). Danach spielte fast nur noch der BVB, das nächste Tor gelang allerdings den Gastgebern. Ginter grätschte den eingewechselten Mitchell Weiser an der Strafraumgrenze um, Marvin Plattenhardt setzte den direkten Freistoß mit einem strammen Schuss unhaltbar in den Winkel (71.).

Spieler des Spiels: André Schürrle. Der Dortmunder erzielte zwar kein Tor, ihm zuzusehen hatte trotzdem den größten Unterhaltungswert. Der Stürmer schoss den Ball frei vor dem Tor Richtung Berlin-Spandau, fiel beim Versuch, einen kläglich verstolperten Ball zurückzuerobern, in zwei Herthaner und legte sich bei einer vielversprechenden Hereingabe eines Mitspielers ohne Kontakt mit dem Gegner am Fünfmeterraum auf die Nase.

Zahl des Spiels: Fünf. So viele Gelbe Karten zeigte Schiedsrichter Robert Hartmann in einem eigentlich fairen Duell. Wären in der 90. Minute nicht Dembélé und Weiser wie zwei Kleinkinder aufeinander losgegangen, wäre Hartmann sogar mit drei Karten ausgekommen.

Song des Spiels: "Nur nach Hause gehen wir nicht", lautet die leicht nervtötende Hymne der Hertha-Anhänger. In dieser Saison würde eher passen: "Nur zu Hause verlier'n sie nicht." Was die Berliner zu Hause bieten, kann sich sehen lassen. Neun Siege, ein Unentschieden, eine Niederlage lautet die Bilanz. Damit führt Berlin die Heimtabelle der Bundesliga mit 28 Punkten an - noch vor den Bayern (27).

Erkenntnis des Spiels: Dass diese Begegnung nicht als Top-Spiel des Tages ausgewählt worden war, ist ein schlechter Witz. Punkt.



insgesamt 36 Beiträge
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retterdernation 11.03.2017
1. Platte ...
das war ein super Freistoß ***!!! Fast alle hatten vor dem Spiel auf die Dortmunder gesetzt. Das war ganz schön optimistisch - denn nach den CL-Spielen haben die Westfalen meist schlecht ausgesehen. Schlecht waren sie heute nicht unbedingt - aber auch nicht gut genug, um eine tapfer kämpfende Hertha zu besiegen. Ganz anders die Bayern - die in aller Ruhe von Spiel zu Spiel ziehen - ihre Tore machen und den Titel so gut wie sicher haben. Dazu ist Dortmund offenbar nicht in der Lage. Gott sei Dank muss man aus Berliner Sicht sagen - so konnte heute die Klasse endgültig gesichert werden. Zwei Punkte auf den4. Hoffenheim und auch nur drei Punkte Abstand auf die Multi-Millionentruppe aus Dortmund. Wer hätte das vor der Saison gedacht ... niemand ... :-)))
vliege 11.03.2017
2. Tolle Momentaufnahme
jedoch sollten die Ambitionen für einen Hauptstadtklub höher und vor allem kontinuierlicher sein. Alle paar Jubeljahre im oberen Drittel mitspielen und sonst meist gegen den Abstieg reicht nicht. Finanzstarke Investoren, die auch mal ein paar mehr Millionen für gute Spieler in Hand nehmen sucht man seit Jahren vergebens. Wolfsburg hat VW, Leverkusen hat Bayer, Hoffenheim, HSV, 1860 und RB ihre Mäzen. Die Fanbase, Infrastruktur könnten in Berlin nicht besser sein. Sind es unfähige Manager oder woran liegt es?
Oihme 11.03.2017
3. Nicht unverdient!
Ein etwas glücklicher Sieg der bärenstarken Berliner gegen über weite Strecken dominante Dortmunder,, aber auch nicht völlig unverdient. Der zweite Anzug des BVB sitzt halt noch nicht ganz so gut, und heraus kam ein typisches BVB-zwischen den Wettbewerben-Spiel Zum Glück ohne gravierende Auswirkungen auf den Tabellenplatz. So, und jetzt volle Pulle gegen Lotte!
hawk298 11.03.2017
4. Zwei verschiedene Gesichter.
Nach dem Spiel im Sky Interview: größten Respekt vor Herrn Ginter, der Verantwortung für sein Missgeschick in der ersten Hälfte auf sich nimmt. Andererseits Herr Tuchel, der mit schon fast arrogantem Grinsen keine einzige Frage von Herrn Fuhrmann beantwortet. Eigentlich sollte doch ein Trainer als guter vorgesetzter sich vor seine Spieler stellen oder nicht?
ge1234 11.03.2017
5. Das ist ....
Zitat von vliegejedoch sollten die Ambitionen für einen Hauptstadtklub höher und vor allem kontinuierlicher sein. Alle paar Jubeljahre im oberen Drittel mitspielen und sonst meist gegen den Abstieg reicht nicht. Finanzstarke Investoren, die auch mal ein paar mehr Millionen für gute Spieler in Hand nehmen sucht man seit Jahren vergebens. Wolfsburg hat VW, Leverkusen hat Bayer, Hoffenheim, HSV, 1860 und RB ihre Mäzen. Die Fanbase, Infrastruktur könnten in Berlin nicht besser sein. Sind es unfähige Manager oder woran liegt es?
... tatsächlich das Mysterium der Hertha, als Hautstadtklub in prädestinierter Lage (keine anderen Erstligisten weit und breit) sollten die Sponsoren eigentlich Schlange stehen und die Hertha jedes Jahr um die Meisterschaft mitspielen. Leider ist die Herthas Situation u.a. auch früheren, unglücklichen Personalien geschuldet. So ist z.B. nicht überall, wo Hoeneß drauf steht, ist auch Hoeneß drin!
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