Attacken auf Schiedsrichter Stark Hertha entschuldigt sich

Noch ist nicht klar, ob das Relegationsspiel zwischen Düsseldorf und Hertha BSC wiederholt wird. Der Berliner Club hat sich dennoch bereits für das Fehlverhalten einiger seiner Spieler entschuldigt. Bei der Fortuna ist der Trainingsbetrieb wieder aufgenommen worden.

Hertha-Sportdirektor Preetz: "Beleidigungen und schwerwiegende Unsportlichkeiten"
dapd

Hertha-Sportdirektor Preetz: "Beleidigungen und schwerwiegende Unsportlichkeiten"


Hamburg - Hertha BSC hat einen Tag nach der Verhandlung des Einspruchs gegen die Wertung des Relegationsrückspiels bei Fortuna Düsseldorf (2:2) um Entschuldigung für das Fehlverhalten einiger Berliner Profis gebeten. "Einzelheiten und Verantwortlichkeiten sind sicher noch aufzuklären, es bleibt jedoch schon jetzt beim Eindruck eines nicht ordnungsgemäßen und sportlich einwandfreien Verhaltens", teilte der Club am Samstag mit.

"Nach den Angaben des Schiedsrichters soll es dabei innerhalb einer verständlicherweise allseits emotionalisierten Atmosphäre auch zu Beleidigungen und anderen, zum Teil schwerwiegenden Unsportlichkeiten gekommen sein", so der Club weiter, "wir entschuldigen uns deshalb offiziell und ausdrücklich für alle Verfehlungen unserer Spieler bei allen Beteiligten, insbesondere auch bei den Schiedsrichtern."

Fotostrecke

10  Bilder
Eklat in Düsseldorf: Starks schwere Vorwürfe
"Trotz der enormen Anspannung und Belastung für unsere Spieler kann Hertha BSC solche Verfehlungen nicht akzeptieren", hieß es in der Mitteilung, "solche Unsportlichkeiten sind nicht mit den Grundsätzen und Werten unseres Clubs in Einklang zu bringen und werden von uns verurteilt."

Hertha-Profi Lewan Kobiaschwili soll Schiedsrichter Wolfgang Stark nach dem Abpfiff des sehr hektischen Spiels in den Nacken geschlagen haben. Als Zeuge berichtete Stark am Freitag in Frankfurt am Main von einer "Hetzjagd" auf das Schiedsrichtergespann und üblen Beschimpfungen seitens der Berliner Spieler.

Stark hatte das Spiel am Dienstag für rund 20 Minuten unterbrochen, weil Fortuna-Fans auf den Platz gelaufen waren. Anschließend setzte er die Partie noch einmal für rund eineinhalb Minuten fort. Durch das 2:2 nach dem 1:2 im Hinspiel wäre Erstligist Berlin ab- und Zweitligist Düsseldorf aufgestiegen.

Hertha hatte jedoch wegen der angeblich irregulären Umstände am Mittwochabend ein Wiederholungsspiel beantragt. Die Entscheidung des Sportgerichts des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ist für Montag um 15 Uhr angekündigt.

Fortuna trainiert wieder, Kobiaschwili droht harte Strafe

Angesichts des schwebenden Verfahrens vor dem Sportgericht hat Düsseldorf am Samstag wieder das Training aufgenommen. Die geplante Mannschaftsfahrt nach Mallorca wurde abgesagt.

"Wir haben diese Maßnahmen aus Respekt vor der Unabhängigkeit der DFB-Gerichtsbarkeit beschlossen", sagte Fortuna-Manager Wolf Werner. Für Sonntag und Montag wurden Einheiten unter Ausschluss der Öffentlichkeit angesetzt. Auch Hertha hat für Sonntag, 11 Uhr, ein weiteres öffentliches Training anberaumt.

Mit dem erstinstanzlichen Urteil des Sportgerichts am Montag wird das Verfahren vermutlich nicht beendet sein. Es ist davon auszugehen, dass Hertha vor das DFB-Bundesgericht ziehen wird, sollte das Spiel 2:2 gewertet und damit der Abstieg besiegelt werden.

Fotostrecke

19  Bilder
Relegationsspiel Hertha-Düsseldorf: Die Bilder des Skandal-Spiels
Die Fortuna ihrerseits würde die Neuansetzung des Relegations-Rückspiels wohl anfechten. Der DFB-Kontrollausschuss in Person des Vorsitzenden Anton Nachreiner hatte am Freitag darauf plädiert, den Hertha-Protest abzulehnen.

Die Urteile des Sportgerichts gegen die vier angeklagten Hertha-Spieler (Kobiaschwili, Christian Lell, Thomas Kraft und Andre Mijatovic) sowie den Düsseldorfer Kapitän Andreas Lambertz sind nicht vor Mitte kommender Woche zu erwarten. Erst wird über die Spielwertung verhandelt, da diese von größerer Bedeutung ist.

Kobiaschwili droht die härteste Strafe, er könnte vom DFB-Sportgericht für zwei Jahre gesperrt werden. Dies würde für den Georgier, der am 10. Juli 35 Jahre alt wird, quasi das Ende der aktiven Laufbahn bedeuten.

Zusätzlich könnte auf Kobiaschwili ein Strafverfahren vor einem ordentlichen Gericht wegen Körperverletzung zukommen. Stark hat Medienberichte, wonach er noch am Mittwochabend während der Spielunterbrechung einen Hertha-Spieler angezeigt haben soll, bislang nicht kommentiert.

Der Sprecher der Düsseldorfer Polizei hatte jedoch am Donnerstag bestätigt, dass es eine Strafanzeige gegen einen Hertha-Spieler gegeben hatte. Den Namen nannte er allerdings nicht. Nach Starks deutlichen Worten vor dem DFB-Sportgericht am Freitag ist jedoch davon auszugehen, dass es sich bei dem namentlich nicht bekannten Profi um Kobiaschwili handelt. Der Fußballprofi hat sich bislang noch nicht öffentlich zu den Vorwürfen geäußert, er war am Freitag auch nicht als Zeuge geladen.

Die Polizei untersucht derzeit noch die Anzeige und entscheidet, ob diese an die Staatsanwaltschaft Düsseldorf übergeben wird. Diese würde, wenn sie ein strafwürdiges Verhalten sieht, beim Amtsgericht Düsseldorf Anklage erheben. Richter entscheiden dann über den Antrag, möglich wäre die Verhängung eines Strafbefehls. Nur wenn dieser vom Beschuldigten nicht akzeptiert wird, kommt es zu einem öffentlichen Verfahren.

ach/sid

insgesamt 43 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
JCR 19.05.2012
1.
"Attacken auf..." Was ist das denn für ein Deutsch? Ich könnts ja noch verstehen wenn es aus dem Englischen übersetzt wäre (attack on) aber warum muß jetzt eine deutsche Schlagzeile klingen wie eine schlecht übersetzte Englische? So ähnlich wie das von Spiegel eingeführte Wort "Mysterium" daß sich in SPON breitzumachen scheint.
Arotto 19.05.2012
2. Verein auflösen
Weder Trainer noch andere Spiele haben die identifizierten Straftäter versucht zurückzuhalten. Der ganze Verein hat sich als unwürdig für die Bundesliga erwiesen. Sollen die doch wenigstens etwas Gutes tun und als ernsthafte Warnung and andere Spiele und Vereine dienen, dass solche Barbarei hier keinen Platz hat.
otto_lustig 19.05.2012
3. Sepp Herberger
Sepp Herberger ist zwar schon lange tot, aber die die Neue Presse veröffentlichte heute einen Aufruf von Herberger aus dem Jahr 1959. Es besteht kein Zusammenhang mit dem Spiel zwischen Hertha und Düsseldorf, aber aktuell ist sein Aufruf trotzdem. Zitat: "Fußball ist bekanntlich ein hartes Kampfspiel. Es soll uns ja, ohne mit der Wimper zu zucken, Schmerzen ertragen lehren. Es soll uns die weinerliche Empfindlichkeit austreiben helfen. Und es soll aus Zimperliesen widerstandsfähige Menschen machen. ... Ist es vielleicht keine Wehleidigkeit, wenn Fußballer nicht gut verlieren können? Ist es vielleicht keine Weichlichkeit, wenn sie es so ungut zugeben können, dass der andere besser ist als sie?... Geistig sind sie so weich wie Molche und Frösche. ... Es fehlt ihnen an Tragkraft, ihr Päckchen Tore nach Hause zu schleppen, ohne den Schiedsrichter schlecht zu machen und dem Gegner Glück in die Schuhe zu schieben. Natürlich werden solche Puddingseelen auch als Spieler nie so gut, wie sie eigentlich begabt sind. Denn die volle Ausreifung zum vollendeten Spieler hängt auch davon ab, dass man ein charaktervoller, moralisch fester und damit gegen sich harter Spieler wird." Die Zimperliesen der Hertha hatten angeblich "Todesangst", war wohl eher die weinerliche Empfindlichkeit, wenn man Herberger folgt.
rabenkrähe 19.05.2012
4. nene
Zitat von sysopdapdNoch ist nicht klar, ob das Relegationsspiel zwischen Düsseldorf und Hertha BSC wiederholt wird. Der Berliner Club hat sich dennoch bereits für das Fehlverhalten einiger seiner Spieler entschuldigt. Bei der Fortuna ist der Trainingsbetrieb wieder aufgenommen worden. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,834000,00.html
..... Wie unsinnig. Es mag passiert sein, was will, Stark hat seine Erlebnisse samt interpretationen in ein laufendes Verfahren hinein veröffentlicht. Das ist ein Unding. Das hätte nach dem Verfahren auf den Tisch gehört, wie die Entschuldigung, so erforderlich, auch. rabenkrähe
mgaul 19.05.2012
5.
Zitat von JCR"Attacken auf..." Was ist das denn für ein Deutsch? Ich könnts ja noch verstehen wenn es aus dem Englischen übersetzt wäre (attack on) aber warum muß jetzt eine deutsche Schlagzeile klingen wie eine schlecht übersetzte Englische? So ähnlich wie das von Spiegel eingeführte Wort "Mysterium" daß sich in SPON breitzumachen scheint.
"Attacke" is ein ur-germanisches Wort, es stammt aus der gleichen Wortwurzel wie z.B. "Stock". Mir ist keine Zeitspanne bekannt, zu der dieses Wort _nicht_ Bestandteil der deutschen Sprache war. "Mysterium" ist ein aus dem Griechischen entlehntes Wort, das seit Jahrhunderten zur deutschen Sprache gehört - es gehört schon einiges an Ignoranz dazu, zu vehaupten, dass dieses Wort "vom Spiegel eingeführt" worden sei. Ich weiß nicht, welche Position Sie hier vertreten, aber es sieht ein wenig danach aus, als würden Sie sich über die Verwendung von Worten mokieren, an denen nicht das Geringste auszusetzen ist, bloß weil Sie in Ihrem persönlichen Sprachschatz anscheinend nicht vorkommen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.