Einstieg von Finanzinvestor Was mit den Windhorst-Millionen aus Hertha BSC werden kann

In der Bundesliga stagniert Hertha BSC. Durch den Einstieg von Lars Windhorst ist plötzlich viel Geld für neue Spieler da. Greifen die Berliner nun die Bundesligaelite an?

Profis von Hertha BSC: Wird aus Berlin jetzt ein großer Verein?
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Profis von Hertha BSC: Wird aus Berlin jetzt ein großer Verein?

Von , Berlin


Davie Selke übertrieb. "Hertha BSC ist für mich ein großer Verein in der Bundesliga", sagte der Stürmer im Juni 2017 nach seinem Wechsel von RB Leipzig zu den Berlinern. Ein großer Verein war Hertha natürlich nicht. Der Hauptstadtklub hatte sich damals zwar erstmals seit acht Jahren wieder für den Europapokal qualifiziert, steckte aber fest im Kampf gegen die eigene Mittelmäßigkeit. Doch das könnte sich nun ändern.

Der Finanzinvestor Lars Windhorst steigt über seine Beteiligungsgesellschaft Tennor bei Hertha BSC ein. Eine entsprechende SPIEGEL-Recherche hatte der Klub am Donnerstag bestätigt. Das Investment umfasst zunächst 125 Millionen Euro. Der Klub sicherte Tennor zudem zu, in einem zweiten Schritt in der kommenden Saison weitere 12,4 Prozent der Anteile für rund 100 Millionen Euro kaufen zu können. Windhorst würden damit 49,9 Prozent der Hertha BSC GmbH & Co. KGaA gehören, der Profi-Tochter des Vereins. Seine gesamte Investition beliefe sich dann auf rund 220 Millionen Euro. (Die ganze Geschichte finden Sie hier.)

Ein Großteil des Geldes will Hertha nun in den Kauf neuer Spieler investieren. "Das erhöht unsere Chancen, mittelfristig in Reichweite internationaler Plätze zu kommen", sagte Hertha-Sportchef Michael Preetz dem SPIEGEL. Das Geld wolle der Klub aber nicht auf einen Schlag ausgeben, sondern "verteilt über die nächsten vier, fünf Jahre". Wird aus Hertha jetzt doch ein großer Verein in der Bundesliga?

Die Antwort muss lauten: vielleicht. Und wenn ja, dann nicht sofort.

Der von Präsident Werner Gegenbauer, Finanzchef Ingo Schiller und Sportchef Michael Preetz seit Jahren wirtschaftlich solide geführte Klub plant eher eine kontrollierte Offensive auf die Plätze drei bis sechs. Die Entwicklung seit dem Wiederaufstieg 2013 soll fortgeführt werden - nur eben beschleunigt. Die Stagnation der vergangenen beiden Spielzeiten, die auf Platz elf und zehn beendet wurden, soll überwunden werden.

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Umstrittener Finanzinvestor: Das Auf und Ab des Lars Windhorst

Nach zwei Abstiegen innerhalb von drei Jahren (2010 und 2012) hatte es Hertha geschafft, sich ans obere Ligadrittel heranzutasten. Dabei gab es Rückschläge wie 2015, als man am letzten Spieltag noch um den Klassenerhalt fürchten musste. Und es gab Ausschläge nach oben: 2015/2016 sowie 2017/2018 überwinterten die Berliner unter Trainer Pál Dárdai jeweils auf Platz drei und träumten von der Champions League.

Mittelmaß war nicht mehr gut genug

Dazu reichte es zwar nicht. Doch der Einzug ins Pokalhalbfinale 2016 und Platz sechs in der Liga 2017 inklusive Europa-League-Teilnahme waren nach Jahren der Tristesse ein Erfolg. Irgendwann vergaß man fast, dass Hertha bis vor Kurzem noch eine Fahrstuhlmannschaft gewesen war. Der Klub aus dem Westend hatte sich gemausert. Und weil man in Berlin gern größer denkt, waren Platz elf und zehn zuletzt nicht mehr gut genug. Trainer Dárdai, eigentlich ein Vereinsheiliger, musste in diesem Sommer gehen.

Hertha ist sportlich also immer noch ein mittelmäßiger Bundesligist. Aber das ist mit Blick auf die jüngste Abstiegshistorie eigentlich ein Fortschritt. Gelungen ist das auch dank des Einstiegs des ersten Finanzinvestors 2014, der internationalen Privat-Equity-Firma KKR, die insgesamt rund 60 Millionen Euro investierte.

Damit tilgte der Klub hauptsächlich die in den Großmannsjahren unter Manager Dieter Hoeneß aufgetürmten Verbindlichkeiten und kaufte TV- und Merchandising-Rechte zurück, die der Klub in seiner Not zuvor verpfändet hatte. "Ohne KKR würden wir heute nicht da stehen, wo wir sind", sagte Präsident Gegenbauer im Herbst 2018 dem Magazin "Capital".

Auf dem Transfermarkt verfolgte Manager Preetz die Strategie, auf (vornehmlich deutsche) Perspektivspieler zu setzen und diesen eine Handvoll erfahrener Profis an die Seite zu stellen. Aber er verkaufte auch teuer.

Herthas Salomon Kalou (l.), Vedad Ibisevic: 85 Bundesligatore
DPA

Herthas Salomon Kalou (l.), Vedad Ibisevic: 85 Bundesligatore

Im Sommer 2014 nahm Hertha für die Stürmer Pierre-Michel Lasogga und Adrián Ramos, die nach Hamburg beziehungsweise Dortmund wechselten, zusammen rund 18 Millionen Euro ein. Als Ersatz erwarb Preetz den ivorischen Angreifer Salomon Kalou für 1,8 Millionen Euro aus Lille. Dessen üppiges Gehalt konnte sich Hertha auch dank der KKR-Mittel leisten. Ein Jahr später kam der Veteran Vedad Ibisevic dazu. Kalou und Ibisevic haben seither zusammen 85 Bundesligatore erzielt.

Preetz hatte auch ein gutes Gespür für Spieler mit dem Potenzial zu einer enormen Wertsteigerung. 2015 kamen etwa Mitchell Weiser ablösefrei vom FC Bayern und Niklas Stark für drei Millionen aus Nürnberg. Stark gehört heute zum DFB-Kader von Bundestrainer Joachim Löw, Weiser wurde 2018 für zwölf Millionen Euro nach Leverkusen verkauft. Der teuerste Spieler der Vereinsgeschichte wurde Selke 2017: Für rund 8,5 Millionen Euro kam er aus Leipzig, was im Ligavergleich immer noch wenig ist. Heute wird der Marktwert des U21-Europameisters von 2017 auf 18 Millionen Euro geschätzt.

Preetz profitierte zudem von der guten Ausbildungsarbeit in Berlin. U21-Nationalspieler Arne Maier ist hochtalentiert, John Anthony Brooks, ebenfalls bei Hertha ausgebildet, verkaufte Preetz 2017 für 17 bis 20 Millionen Euro nach Wolfsburg. Das nächste gute Geschäft könnte bald Außenbahnspieler Valentino Lazaro werden. Für den Österreicher soll Inter Mailand 22 Millionen Euro bieten. Nie hat Hertha BSC mehr für einen Spieler kassiert.

Marko Grujic, den bisherigen Leihspieler vom FC Liverpool, möchte Hertha gern halten
Patrick Seeger / DPA

Marko Grujic, den bisherigen Leihspieler vom FC Liverpool, möchte Hertha gern halten

Und es könnte sein, dass zeitnah eine weitere Personalie vermeldet wird: Hertha würde gern den bisher vom FC Liverpool ausgeliehenen serbischen Mittelfeldspieler Marko Grujic halten. Das war bisher finanziell nicht darstellbar. Jetzt schon.

Angriff auf die zweite Reihe

Wenn man so will, ist in Berlin der Boden bereitet, um mit dem frischen Geld vom Investor den Angriff auf die zweite Reihe der Ligaelite zu wagen. Zwar wird man den wirtschaftlichen Abstand auf den FC Bayern und Borussia Dortmund nicht komplett aufholen können. Auch eine Art nationaler Vorzeigeklub aus der Hauptstadt, wie es sie in Paris, Madrid oder London gibt, wird so schnell aus Hertha nicht erwachsen. Aber mit Schalke, Mönchengladbach, womöglich auch Leverkusen und Hoffenheim ließe sich vielleicht irgendwann dauerhaft mithalten.

Das hängt zum einen davon ab, ob Hertha das zweite große Thema des Klubs für sich positiv abschließen kann: den Bau eines eigenen Fußballstadions bis 2025. Zum anderen müssen in Berlin weiter kluge Personalentscheidungen getroffen werden. Ob die Wahl des in der Bundesliga noch unerfahrenen Trainers Ante Covic als Dárdai-Nachfolger eine solche war, muss sich erst noch zeigen. Der bisherige U23-Chefcoach war eigentlich die kleine Lösung. Bei Hertha denkt man von nun an aber größer.



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Palle91 28.06.2019
1. Gute Arbeit bei Hertha
Mir gefällt, was Preetz und Co. bei Hertha in den letzten Jahren machen. Nicht nur in Sachen Transfers, sondern auch in der Heranführung der eigenen (sehr guten) Jugend. Von diesem Weg sollte man sich - Extra-Millionen hin oder her - nicht abbringen lassen, dann kann der Weg tatsächlich dauerhaft in die internationalen Ränge gehen. Ach ja: Und jeder der mal im Winter im Olympiastadion gesessen hat, weiß: Ein eigenes Stadion wäre der Hertha auch nur zu wünschen! Hoffe, dass sich die Stadt Berlin da nicht weiter querstellt.
aggro_aggro 28.06.2019
2. Alles ist möglich
125 Mio sind ein Betrag im unteren Bereich von dem, was einen Klub groß machen kann. Man kann das Geld sehr schnell verbrennen, drei vier falsche Spieler kaufen und gegen den Abstieg kämpfen. Schalke und der HSV haben es so ähnlich gemacht. Aber auch in Leipzig wurde in so einer Größenordnung investiert, und da kann es schnell in die Gewinnzone gehen. Wenn man ein paar Spieler hat, die man für 60 Mio oder mehr verkaufen kann, dann kann man weiter wachsen. Mit 125 Mio kann man solche Spieler finden.
retterdernation 28.06.2019
3. Man sollte das Geld zusammenhalten
und ausschließlich gezielt für einige Verstärkungen ausgeben. Wie man es nicht macht, zeigt der HSV. Der über viele Jahre wahllos das Geld aus dem Fenster geworfen hat. Für reines Mittelmaß und noch darunter. Diesen Fehler darf man und wird man hoffentlich in Berlin nicht machen. Auf geht's Hertha - macht was draus...
Pless1 28.06.2019
4. Plätze vier bis sieben
Da neben FCB und BVB auch RB Leipzig außer Reichweite liegt ist das eher ein Angriff auf die Plätze vier bis sieben. Schon Leverkusen den Rang abzulaufen wäre ein Kraftakt, der allein mit diesem Geld nicht bewältigt werden kann. Aber sich auf den Europa League Plätzen festsetzen wäre ja auch schon ein guter Schritt weiter.
hannesmann 28.06.2019
5.
Vergessen werden sollte hier nicht das ja noch das Darlehen über 70 Mio. Euro für den Rückkauf der KKR Anteile zu tilgen ist. Die hat man jetzt ja weiterverkauft. Ich vermute, dass sich Herr Windhorst hier in Stellung bringen will um später die Finanzierung des neuen Stadions über seinen Hedgefonds laufen lassen zu können. Das wird ihm dann ordentlich Geld bringen. Das noch genug Geld übrig bleiben wird um Hertha ins internationale Geschäft zu bringen ist wohl eher unwahrscheinlich.
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