Hertha BSC Torwarttrainer irritiert mit Aussagen zu Homosexuellen und Migration

Zsolt Petry von Hertha BSC kritisiert per Interview den Einsatz von Leipzigs Péter Gulácsi für Homosexuelle. Beim Thema Migration spricht er gar vom »moralischen Niedergang« Europas. Der Berliner Verein schweigt zunächst.
Torwarttrainer Zsolt Petry im Training (Januar 2019)

Torwarttrainer Zsolt Petry im Training (Januar 2019)

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Britta Pedersen/ dpa

Torwarttrainer Zsolt Petry vom Fußball-Bundesligisten Hertha BSC hat mit fragwürdigen Aussagen zu den Themen Homosexualität und Zuwanderung für Irritationen gesorgt. Petry kritisierte in einem Interview mit der regierungsnahen ungarischen Tageszeitung »Magyar Nemzet« vom Ostermontag den Einsatz des ungarischen Torhüters Péter Gulácsi von RB Leipzig für einen Verein, der unter anderem die Homoehe unterstützt.

Er selbst vertrete eine konservative Linie, sagte der 54-Jährige, der mit Unterbrechungen seit 2015 bei den Berlinern arbeitet. Auch beim Thema Migration. »Ich verstehe gar nicht, wie Europa moralisch so tief sinken konnte wie jetzt. ... Europa ist ein christlicher Kontinent, ich sehe den moralischen Niedergang nicht gern, der den Kontinent niederfegt«, so Petry: »Die Liberalen blasen die Gegenmeinungen auf: Wenn du die Migration nicht gut findest, denn schrecklich viele Kriminelle haben Europa überlaufen – dann werfen sie dir sofort vor, dass du ein Rassist bist.«

In den sozialen Medien gab es am Ostermontag viel Kritik an Petrys Aussagen. Fans forderten auch Hertha und Sportdirektor Arne Friedrich zu einer Reaktion auf, die es aber noch nicht gab. Hertha werde das Thema »zunächst einmal intern zeitnah mit Zsolt Petry besprechen«, hieß es auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Torwart Péter Gulácsi von RB Leipzig hatte sich zuletzt gegen die Einschränkung von Rechten sexueller Minderheiten in seinem Heimatland Ungarn gestellt. Der 30-Jährige kritisierte in einem Facebook-Post  das Ende Dezember verabschiedete Gesetz, nach dem homosexuelle Paare keine Kinder adoptieren dürfen. »Jeder Mensch hat das Recht auf Gleichberechtigung. So hat auch jedes Kind das Recht, in einer glücklichen Familie aufzuwachsen – ganz egal, aus wie vielen Menschen sie besteht, welche Hautfarbe man hat, wen man liebt oder an was man glaubt«, schrieb Gulácsi.

Der Torhüter schrieb weiter, er habe in seiner Zeit im Ausland »viele verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Nationalitäten, anderen Religionen oder Kulturen und Lebensphilosophien getroffen«. Er habe gemerkt, »dass die Tatsache, dass nicht jeder gleich ist, die Welt nur noch bunter macht und dass das Wichtigste Liebe, Akzeptanz und Toleranz für andere sind.«

Anmerkung der Redaktion: Die Meldung wurde aus rechtlichen Gründen auf Bitten der Deutschen Presse-Agentur (dpa) nachträglich verändert.

ara/dpa
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