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Bundesliga-Relegation: Otto, Kopfball, Eigentor

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Hertha-Pleite in der Relegation König Otto wird Düsseldorfer Narr

Hertha BSC droht die späte Quittung für Missmanagement und Selbstüberschätzung zu erhalten. Nach der Hinspielpleite in der Relegation gegen Düsseldorf sind die Chancen auf den Klassenerhalt minimal. Notretter Otto Rehhagel fallen weiter nur Durchhalteparolen ein.

Eigentlich ist es ja der Song, der allein den Anhängern von Hertha BSC gewidmet ist. Wenn im Olympiastadion der Frank-Zander-Refrain "Nur nach Hause gehen wir nicht" ertönt, liegen sich gemeinhin die Berliner Fans in den Armen, doch am Donnerstagabend erhielt der Song plötzlich eine andere Bedeutung. In der Ostkurve, dort wo die Hertha-Blöcke angesiedelt sind, hatte nach der 1:2-Niederlage im ersten Relegationsspiel bereits massenweise die Fluchtbewegung eingesetzt, während auf der Gegenseite niemand heimgehen wollte. Die Fortuna-Fans, zahlreich angereist, zelebrierten eine Party, die bereits einen Vorgeschmack auf die Aufstiegsfeierlichkeiten gab.

Als Trainer Norbert Meier davon hörte, dass in der Nacht in der Düsseldorfer Altstadt bereits die Rückkehr ins Oberhaus - nach 15 Jahren Abstinenz - begossen würde, rückte der 53-Jährige seine gerandete Brille zurecht und hob warnend seine Stimme: "Die Menschen dürfen feiern, meine Spieler müssen wissen, dass wir noch gar nichts erreicht haben. Es bleibt spannend."

Und ganz in der Manier seines Lehrmeisters Otto Rehhagel, der ihn in aktiven Werder-Zeiten geprägt hat, gab sich Meier defensiv: "Hertha hat sehr gute Fußballer. Es ist noch gar keine Entscheidung gefallen." Da hatte der 53-Jährige, der ein modisches Fortuna-Shirt mit der Aufschrift "Meine Stadt, mein Verein" über der Jeans trug, natürlich geflunkert.

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Heatmap-Analyse: Bröker wie Messi, Ben-Hatira zweikampfschwach

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Berlins Notretter Rehhagel fielen für das Rückspiel am Dienstag (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) in Düsseldorf nur noch Durchhalteparolen ein, so niedergeschlagen wirkte der Altmeister, dessen letzte Trainer-Mission sich zum Desaster ausweiten könnte. "Jetzt sind die Jungs am Boden. Aber wir haben noch eine kleine Chance und solange man die hat, muss man versuchen, sie zu nutzen." Dann klagte der 73-Jährige verzweifelt darüber, "dass wir uns in jedem dritten Spiel ein Selbsttor reinhauen, seit ich hier bin." Trotzdem: "Wir geben noch nicht auf, es ist noch nicht gelaufen."

Gleichwohl: Das freche Solo von Thomas Bröker zum 1:1 (64. Minute) und vor allem das Eigentor von Ramos (71.) eröffnen dem Zweitliga-Dritten unverhofft gute Perspektiven. Berlin muss im Rückspiel mindestens zwei Tore schießen um überhaupt eine Chance zu haben, Düsseldorf wäre selbst bei einer 0:1-Niederlage aufgestiegen. Die technische und taktische Reife verblüffte, mit der die Gäste nach dem frühen Rückstand durch Roman Hubnik (19.) zurückkamen. Meier hatte eine schöne Erklärung dafür, warum sein Ensemble wie ein Stehaufmännchen agierte.

"Die Hinrunde hatte Erwartungen geweckt: In der Rückrunde hatten wir plötzlich Druck. Wir wollten nicht nur gewinnen, sondern wir mussten gewinnen." Mit dem Erreichen der Relegation sei plötzlich "der ganze Ballast" abgefallen. Und statt zittriger Knie präsentierte der Billig-Kader der Fortuna - die Personalkosten liegen bei nur 7,8 Millionen Euro - eine breite Brust. Präsident Peter Frymuth tat, genau wie Meier, viel dafür, dass kein Übermut aufkommt. "Wir haben einen psychologischen Vorteil, aber wir machen auf dem Trainingsgelände jetzt keine Disco-Musik an."

Auch Berlins Manager Preetz könnte Dienstag sein letztes Spiel haben

In Berlin hingegen ist die Verzweiflung groß, trotzdem beschwor der umstrittene Manager Michael Preetz nach der Partie noch den Glauben an den Klassenerhalt ("Wir haben teilweise auswärts besser gespielt als zu Hause"). Doch die Verantwortlichen wissen, dass sie sich die Misere selbst eingebrockt haben.

Gerade Preetz, 44, gilt mit seinem anhaltenden Missmanagement als Ursache des selbst verschuldeten Übels - die Trainer-Verpflichtungen des überschätzten Michael Skibbe und des überforderten Rehhagel sind letztlich Fehlgriffe gewesen. "Das letzte Spiel hat eine persönliche Note für mich", sagte Preetz in Anspielung auf seine Düsseldorfer Vergangenheit. Das Statement könnte auch darin umgedeutet werden, dass nicht nur der Bundesliga-Trainer Rehhagel am Dienstag Geschichte ist, sondern auch der Manager Preetz.

Hertha BSC - Fortuna Düsseldorf 1:2 (1:0)
1:0 Hubnik (19.)
1:1 Bröker (64.)
1:2 Ramos (71., Eigentor)
Berlin: Kraft - Janker, Hubnik, Niemeyer, Holland - Perdedaj (70. Ronny), Kobiaschwilli - Ebert (74. Torun), Ben-Hatira - Raffael - Ramos
Düsseldorf: Ratajczak - Levels, Lukimya-Mulongoti, Langeneke, van den Bergh - Bodzek (89. Juanan) - Bröker, Oliver Fink, Lambertz - Beister (57. Jovanovic), Ilsö (72. Matuschyk)
Schiedsrichter: Fritz
Zuschauer: 68.041
Gelbe Karten: Niemeyer - Lambertz

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